- © Andreas Lepsi/picturedesk.com
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Wien. "Hasi" ist tot. Nur zwei Tage vor ihrem 104. Geburtstag verstarb Elisabeth Heller am Dienstag. Ihren Kosenamen bekam sie als Kind, weil sie scheu und ängstlich wie ein Hase gewesen sein soll. Der Lauf ihres Lebens führte die Mutter von André Heller durch alle Höhen und Tiefen des 20. Jahrhunderts. Dabei entwickelte sie einen Mut, eine Würde und eine Gelassenheit, die sie zu einer einzigartigen Persönlichkeit machten. Erinnerungen an eine "Jahrhundertfrau" und eine echte Wiener Institution.

Das Haus oben am Waldesrand steht noch immer. Die Felsen thronen wie eh und je über dem kleinen Südtiroler Dorf Niederrasen. Die Mutter des Künstlers André Heller verbrachte hier zusammen mit ihrer Großmutter, einer gebürtigen Südtirolerin, ihre ersten vier Lebensjahre. Die fielen zusammen mit der Dauer des Ersten Weltkriegs.

Meine ersten Erinnerungen an Elisabeth Heller stammen aus meiner eigenen Kindheit. In den 1960er Jahren kamen "die Hasi" und ihre "Pips" genannte Mutter Lotte fast jeden Sommer nach Niederrasen, um ihre Freundin zu besuchen, meine Großmutter. Beide Damen kamen mir als Inbegriff der Schönheit und Weltläufigkeit vor. Beide klagten meiner Großmutter viele Male ihr Leid über einen gewissen "Franzi", den "unmöglichen" jüngeren Sohn der Hasi (Andrè Heller), der nur zu Hause in Hietzing auf dem Sofa liege, warte, dass er berühmt werde, und sich zum Geburtstag schockierender Weise eine weiße Gitarre gewünscht hatte.

Unmengen "Wiener Zuckerl"


Ich kannte nur Fritz, den viel älteren Sohn der "Hasi", gleichaltrig mit meiner Mutter und Freund meiner Eltern. Er brachte uns Südtiroler Kindern immer Unmengen von "Wiener Zuckerl" und schachtelweise "Schokotop" aus der legendären Zuckerlfabrik der Familie Heller mit. Seine Mutter nahm mich eines Sommers mit nach Hietzing. Wir waren selten daheim. Die "Hasi" hatte vorgesorgt, dass sie und das Mädel vom Land bei Tag und bei Nacht voll eintauchen konnten ins Wiener Kulturleben.

Wahrscheinlich deswegen hat mich weder die Faszination für Wien noch jene für die "Hasi" jemals losgelassen. Als ich nach Jahrzehnten als Journalistin in Deutschland wieder nach Wien zog, neigte sich das 90. Lebensjahrzehnt der "Hasi" bereits seinem Ende zu. Und doch war sie noch so fesch und so fit, so aufgeschlossen und kulturbewegt, wie ich sie kennengelernt hatte. "Na, du traust dich vielleicht was!", meinte André Heller, als ich ihm meine Idee unterbreitete, einen Dokumentarfilm über das mehr als nur bewegte Leben seiner Mutter zu drehen.