Wiener Journal: Die Erderwärmung schreitet voran. In Österreich gibt es heuer bereits fünf außergewöhnlich warme Monate. Hitzewellen sind nun ein natürlicher Zustand im Sommer. Werden diese klimatischen Veränderungen zum Dauerzustand?

Rudolf Giffinger: Der Klimawandel kann nicht aus einzelnen Wetterereignissen abgeleitet werden. Faktum ist auf jeden Fall, dass wir global gesehen, eine derzeit langfristige Periode der Erderwärmung erleben. Allerdings mit regional großen Unterschieden.

Wird diese Klimaerwärmung durch den Menschen erzeugt?

Für viele Wiener ist der Wind ein Ärgernis. Dabei bläst er die schlechte Luft weg. - © Ioan Panaite - stock.adobe.com
Für viele Wiener ist der Wind ein Ärgernis. Dabei bläst er die schlechte Luft weg. - © Ioan Panaite - stock.adobe.com

Das ist ein großer Streitpunkt. Die IPCC (Weltklimarat der UNO, Anmerkung) bemüht sich, die verschiedensten Klimaforschungsergebnisse aufzuarbeiten und hinsichtlich des anthropogenen Einflusses zu bewerten. Zahlreiche Studien weisen diesen Einfluss deutlich nach. Offenbar hatten wir, nicht in der Geschichte der Menschheit, sondern in der Geschichte der Erde, extreme Klimawandel. Diese wurden von verschiedensten Faktoren beeinflusst. Langfristig sind diese Faktoren weiterhin wesentlich. Die Modelle sind heute aber so sensitiv und präzise, dass wir den Einfluss des Menschen erkennen können. Der Treibhauseffekt ist ganz klar erkennbar, der durch entsprechende Emissionen zustande kommt.

Waldbrände in Griechenland und Kalifornien, Taifune in Japan.
Wohin steuern wir?

Wir steuern auf extreme Wetterevents zu. Die Frage ist, wie sie wann und wo auftreten. Da wird es kaum deterministische Aussagen geben können, weil sich das Wetter als ein Ergebnis von komplexen Prozessen darstellt. Nachdem unsere Erde zu zwei Dritteln von Wasser bedeckt ist, wird die Veränderung der Luft- und insbesondere der Wassertemperaturen sehr stark Einfluss auf Wetter und Klima nehmen. Zum Beispiel wird sich die Dynamik des Atlantiks verändern, wenn es zu einer Veränderung der Geschwindigkeit oder Richtung von warmen und kalten Meeresströmen kommt. Das ist vor allem für Nord-, West- und Südeuropa relevant. Wie schnell sich das auf alpine Regionen (Permafrostboden, ehemalige Gletschergebiete) auswirkt, wird man sehen. Die ersten Anzeichen haben wir, Veränderungen sind nicht mehr zu übersehen.