• vom 15.08.2018, 18:02 Uhr

Stadtleben

Update: 15.08.2018, 18:27 Uhr

Verbote

Benehmen Sie sich!




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Von Alexander Maurer

  • Das Essverbot in der U6 ist der jüngste Zuwachs im Wiener Vorschriftenwerk.

- © WZ (1); Rösner (13); Archiv (2)

© WZ (1); Rösner (13); Archiv (2)

Wien. Ab September verbannen die Wiener Linien stark riechende Speisen wie Kebab, Nudeln, Hot Dog & Co. aus den Waggons der Linie U6. Die ersten Verbotsschilder dazu wurden am Montag bereits vor Veröffentlichung der Ergebnisse der dazugehörigen Abstimmung angebracht - die "Wiener Zeitung" hat berichtet. Dabei handelt es sich aber bei weitem nicht um die einzige Verhaltensvorschrift im Wiener öffentlichen Raum. Die Hausordnungen in den Gemeindebauten regeln alles von Ruhestörung bis hin zu Müllentsorgung, Tierhaltung, Wasserverbrauch und Gartenbenützung.

Vergangenes Jahr wurden die Geldbußen für weggeworfenen Müll, die von den "Waste Watchers" der MA48 verhängt werden, beinahe um das Dreifache erhöht. Und bei seinem Amtsantritt im heurigen Mai dachte Wiens neuer Bürgermeister Michael Ludwig laut über eine Hausordnung für die ganze Stadt nach - Strafen und Sanktionsmaßnahmen inklusive. Herrscht in der Donaumetropole der Kontrollwahn? Oder sind diese Maßnahmen notwendig, um die angemessene Rücksicht in der Stadt zu gewährleisten?

Laut Tanzschulbesitzer und Benimm-Experte Thomas Schäfer-Elmayer würden sich einfach nicht alle Menschen im urbanen Raum darüber Gedanken machen, was auf andere störend wirken könnte. "Sie haben beispielsweise Hunger und kaufen sich an der Haltestelle eine verführerisch duftende Pizza", sagt er und zieht in Hinsicht auf das U6-Essverbot ein passendes Beispiel heran.

Formalisierung nimmt zu

"Statt diese nun bei dem Pizzastand an der Haltestelle zu essen, steigen sie in die Öffis, ohne Rücksicht darauf zu nehmen, dass dieser Essensgeruch für andere Mitreisende in den geschlossenen Wagen sehr störend ist. Ge- und Verbote sind daher leider erfahrungsgemäß nötig, um Ärger zu minimieren und die Menschen darauf hinzuweisen, was sich gehört und was nicht", so Elmayer.

"Regeln entstehen, wenn Menschen zusammenkommen, das ist ganz normal", erklärt wiederum Stadtsoziologe Yuri Kazepov von der Universität Wien. "Die Formalisierung dieser Regeln geht dabei noch ein Stück weiter. Mir scheint, dass diese Formalisierung in letzter Zeit insbesondere in Österreich besonders stark zunimmt", fügt er an. Nichtsdestotrotz betont er die Wichtigkeit von Regeln. "Ganz ohne sie würde Chaos ausbrechen", so Kazepov.

Sein Fachkollege Oliver Frey, Stadtsoziologe und -planer vom Department für Raumplanung an der TU Wien, findet im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" indes harte Worte für die städtischen Verhaltensregeln. "Eigentlich sind politisch festgesetzte Benimmregeln wie Essens- oder Trinkverbote, Kleidungsvorschriften und Verhaltensgebote für den öffentlichen urbanen Raum ein Armutszeugnis für die politische Kultur einer Stadt. Sie sind gegenwärtig das hilflose Zeugnis einer versäumten sozialen Politik", meint er.




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Schlagwörter

Verbote, U-Bahn, Wien, U6

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-08-15 18:14:39
Letzte Änderung am 2018-08-15 18:27:30



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