Wien. "Die Neuen Medien sind einfach unsere Lebenswelt, die kann man nicht mehr wegreden", sagt Elisabeth Omerzu. Sie hat sich in jüngster Zeit besonders intensiv mit dem Thema Digitalisierung befassen müssen, nämlich nicht nur als Kindergartenleiterin, sondern auch als Mutter. In ihrer ersten Funktion ist sie gerade dabei, in dem von ihr geleiteten Wiener Kinderfreunde-Kindergarten Computer und Tablets als Hilfsmittel einzuführen, in ihrer zweiten Funktion steht ihr schulpflichtiger Sohn kurz davor, sein erstes Handy zu bekommen.

Beide Entscheidungen hat sich die Elementarpädagogin nicht leicht gemacht, sagt sie im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Aber sie stellt im fest: "Dass hier der Kindergarten außen vor bleibt und wir nur bei Holzbausteinen und Montessori-Spielmaterial bleiben, ist einfach utopisch. Wir müssen die Kinder auf den Umgang mit Smartphone & Co vorbereiten, denn spätestens in der Schule kommt das auf sie zu."

Für sie bedeutet das natürlich nicht, den Kindern einfach eines der von Eltern gespendeten Tablets in die Hand zu drücken und sie damit "herumdaddeln" zu lassen, wie die Deutschen so schön dazusagen. "Bubble-Bälle abschießen oder Ähnliches wird den IQ oder die Feinmotorik sicher nicht wahnsinnig fördern." Es gebe aber sehr wohl auch schon im Kindergarten sinnvolle Einsatzbereiche. "Unsere Aufgabe, auch die der Eltern, ist es, den Kindern klarzumachen, dass ein Tablet ein Arbeitsinstrument ist. Ich kann damit zum Beispiel wunderbar Blätter fotografieren und mir die feinen Adern in der Vergrößerung viel besser anschauen als mit einer Handlupe." Dem Pädagogikpersonal würden manche Arbeitsschritte erleichtert, "weil die Dokumentation nach Portfolio auch digital erfolgen kann".

Einen Gang runterschalten

Die Kinderfreunde setzen auch auf Geräte wie den Cubetto-Roboter. - © PrimoToys
Die Kinderfreunde setzen auch auf Geräte wie den Cubetto-Roboter. - © PrimoToys

Auch Johanna Haas, die Pädagogische Leiterin der Nikolausstiftung, findet es "fein, wenn man im Kindergarten auch Neue Medien einsetzen kann". Sie betont aber zugleich: "Kulturtechniken wie Schreiben erlernt man nicht am Tablet." Sie ist eine Verfechterin von Schrift und Sprache, "etwas, das man mit dem Körper selbst produziert - getippt wird dann eh noch in der Schule genug". Allerdings könne es auch ein kleiner Beitrag gegen soziale Ungleichheit sein, "wenn Kinder, die das daheim nicht haben, im Kindergarten ein Tablet in die Hand bekommen".

Omerzu betont, dass digitale Medien nicht nur Laptops oder Tablets sind. "Wir haben heuer erst einmal den Kindern eine Digitalkamera zur freien Verfügung gestellt. Da war für uns Pädagoginnen spannend zu sehen, was sie damit fotografieren, was sie wahrnehmen und aus welcher Perspektive."