• vom 26.08.2018, 11:00 Uhr

Stadtleben


Bildung

Ein Werkzeug und kein Spielzeug




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Die Digitalkamera war auch von den Eltern am leichtesten zu akzeptieren. Die Idee, Tablets im Kindergarten einzusetzen, stieß nämlich entweder auf große Befürwortung oder auf starke Ablehnung. "Viele haben gesagt: ‚Muss das sein, dass das jetzt im Kindergarten auch noch kommt?‘", berichtet Omerzu. Für die Kindergartenleiterin war das der Anlass, einen Gang runterzuschalten. "Ich habe gespürt, dass auch in meinem Team einige nicht unfroh darüber waren."

Sie versteht die Bedenken nicht nur von Eltern, sondern auch von älteren Pädagoginnen und Pädagogen, die selbst kaum noch mit den Neuen Medien mitkommen und sich nun unter Druck gesetzt fühlen. "Wir Erwachsenen sind von dieser digitalen Welle überrollt worden und sehen dabei unsere Freiheit ein bisschen eingeschränkt. Davor wollen wir unsere Kinder so lange wie möglich bewahren. Aber die Neuen Medien sind bereits voll in ihrem Leben angekommen. Da muss man jetzt auch ein bisschen entschleunigen und sich zurücklehnen. Es muss ja auch nicht jeder alles können." Sie hat das Glück eines gemischten Teams aus jüngeren und älteren Kolleginnen, die einander ergänzen und voneinander lernen. "Es kann ja auch einmal erfrischend sein, wenn die Kinder nicht die x-te Power-Point-Präsentation sehen, sondern eine selbstgezeichnete Overhead-Folie. Und am Ende geht es ohnehin darum, dass man als Pädagoge authentisch ist", meint Omerzu mit Blick auf die Schule.

Apropos Schule: Die stand bisher im Fokus, was die Neuen Medien betrifft. Den Kindergarten sieht Omerzu diesbezüglich noch "in den Kinderschuhen, das ist reine Pionierarbeit, bei der wir auf nichts zurückgreifen können, sondern erst unsere eigenen Erfahrungen machen müssen". Selbst die vielgelobte Plattform Saferinternet.at hat erst vor kurzem mit Schulungen für Elementarpädagogen begonnen. Einige Angebote in Sachen Sprachförderung gibt es aber bereits. So setzen die Kinderfreunde, die in Wien 160 Kindergärten betreiben, das Microsoft-Programm "Schlaumäuse - Kinder entdecken Sprache" ein.

Verstehen, wie es funktioniert
Omerzus Team gestaltet derzeit ein Atelier, "in dem wir auch Computer auseinanderschrauben und das Innenleben anschauen werden". Denn die Kinder sollen auch verstehen lernen, wie Computer & Co funktionieren: "Wenn ich weiß, dass der Computer nur das tut, was ich ihm sage, bekommt das eine ganz andere Wertigkeit. Die Kinder können ja nicht zwischen realer und virtueller Welt unterscheiden, so wie Teenager nicht zwischen echten und gefakten Facebook-Profilen unterscheiden können."

Ein erster Ansatz für den Umgang mit Digitalisierung ist auch das alte Roboter-Rollenspiel, bei dem ein Kind das andere verbal oder durch Berührungen steuert. "Das ist ganz simpel, aber es sind erste Coding-Schritte, die ein Bewusstsein bei den Kindern in Kraft setzen. Das Nächste wird dann ein Coding am Handy sein oder Roboter-Mäuse, wo die Kinder sehen: Die tun nur das, was ich sage", erklärt Omerzu und ergänzt: "Früher oder später werden die Kinder nicht nur lernen, ‚Bitte‘ und ‚Danke‘ zu sagen, sondern auch zu fragen: ‚Darf ich dieses Foto von dir posten?‘ Da geht es um Sozialkompetenzen, die schon im Kindergarten beginnen."

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-24 16:32:49
Letzte Änderung am 2018-08-24 17:11:47


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