• vom 24.08.2018, 17:25 Uhr

Stadtleben

Update: 24.08.2018, 17:40 Uhr

Praterstern

Ambivalente Alkoholverbotsbilanz




  • Artikel
  • Kommentare (2)
  • Lesenswert (16)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Am Praterstern gab es seit der Prohibition 430 Anzeigen und 752 Abmahnungen.

- © apa/Helmut Fohringer

© apa/Helmut Fohringer


© M. Hirsch © M. Hirsch

Wien. Rund vier Monate ist das Alkoholverbot am Wiener Praterstern nun schon in Kraft. Die Polizei zieht eine positive Bilanz und registriert weniger Delikte seit Beginn des Banns. Der Bezirk beklagt indes Verdrängungseffekte und hat erste Maßnahmen ergriffen. Laut Sucht- und Drogenkoordination ist die Sozialarbeit verstärkt, der Job der Streetworker aber herausfordernder geworden.

Was die Arbeit der Polizei anbelangt, gab es bisher 430 Anzeigen, 752 Abmahnungen und 59 Organmandate im Zusammenhang mit dem Alkoholverbot. Zudem wurden 1140 promillehältige Getränke entweder beschlagnahmt oder entsorgt. Die Zahlen beziehen sich auf den Zeitraum zwischen 27. April - dem Start des Verbots - bis inklusive 2. August. Aktuellere Zahlen seien noch nicht verfügbar, hieß es seitens der Polizei.


Die Exekutive sieht durchaus positive Effekte: "Die Zahl der ‚marginalisierten‘ Personen ist zurückgegangen, somit auch die Zahl der alkoholbedingten Anzeigen, Delikte und in Folge auch der Angriffe auf die Beamten", resümiert die Polizei in einem schriftlichen Statement. Auch die Einsätze wegen reglos aufgefundener Menschen sei drastisch gesunken, wodurch Polizeikräfte für andere Einsätze bzw. Bestreifungen freigespielt würden.

"Vertreibung in
umliegende Grätzel"

Die Verdrängungseffekte seien "marginal", versichert die Polizei: "Der Bereich Kaiserwiese wurde beispielsweise immer schon von einzelnen Gruppen von Alkoholkranken und Obdachlosen genützt. Das hat wenig bis nichts mit dem Alkoholverbot am Praterstern zu tun."

Im betroffenen Bezirk sieht man das freilich ganz anders. Die Leopoldstädter Vorsteherin Uschi Lichtenegger (Grüne) beklagte wiederholt die Vertreibung Betroffener in umliegende Straßenzüge und Grätzel. Sie sieht Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) in der Pflicht. Dieser sei "der Verlockung der jährlich wiederkommenden, populistischen Forderung erlegen", hielt sie kürzlich in ihrem Blog fest. Dieser trage Schuld an der "nicht tragbaren Situation" und entziehe sich seither jeglicher Verantwortung: "Die von ihm versprochenen (...) sozialen Begleitmaßnahmen sind von ihm nie geliefert worden."

Die Leopoldstadt hat insofern bereits erste Maßnahmen gesetzt. So werden einige Sitzbänke auf der Praterstraße versetzt. Denn es habe Beschwerden von Hotels und Geschäftsinhabern gegeben, weil Menschen sich vor Eingängen oder neben Schanigärten aufhielten, Leute anpöbelten oder urinierten. Eine Entfernung von Sitzgelegenheiten komme aber nicht infrage, versichert man seitens der Bezirksvorstehung.

Bei der städtischen Sucht- und Drogenkoordination will man das so nicht stehen lassen. Die Sozialarbeit sei am Praterstern und in der Umgebung seit dem Alkoholverbot verstärkt worden, sagt Koordinator Ewald Lochner: "Wir haben Ressourcen dorthin verlagert." Natürlich sei die Arbeit der Streetworker "nicht leichter geworden", räumte er ein. Von Verdrängungseffekten zu sprechen, sei aber zu verfrüht. Denn in den Sommermonaten hielten sich stets mehr Personen im öffentlichen Raum auf.

Deshalb müsse man die Sache über einen längeren Zeitraum und unter Einbeziehung aller Jahreszeiten betrachten. Er verstehe zwar den Ruf von Anrainern und Bezirk nach schnellen Aktionen. Aber im Sinne effektiver und effizienter Maßnahmen sei eben eine längere Betrachtung nötig.

"Klienten" für Rotes Kreuz schwerer ortbar
Von schwierigeren Bedingungen für die Streetworker berichtet auch das Rote Kreuz, das am Praterstern das Tageszentrum "Stern" betreibt. "Unsere Klienten ziehen größere Kreise", berichtet Sprecher Alexander Tröbinger: "Früher wussten wir, wo sie sind. Das ist jetzt schwieriger." Im Mai und Juni habe man außerdem bemerkt, dass das "Stern" auch vermehrt zum Trinken frequentiert wurde. Denn in den Räumlichkeiten dürfen Bier und Wein in Maßen konsumiert werden - im Gegensatz zu harten Getränken wie Schnaps. Im Sommer sei dies weniger geworden, weil sich hier üblicherweise mehr Menschen im Freien aufhalten würden. Insofern meint auch Tröbinger, dass für eine stichhaltige Bilanz noch der Herbst und Winter abgewartet werden müsse.




Schlagwörter

Praterstern, Alkoholverbot

2 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-08-24 17:35:52
Letzte Änderung am 2018-08-24 17:40:44



Vor Gericht

"Ich dachte, dass ich sterben muss"

So sauber und korrekt wie hier soll es bei den Operationen des Angeklagten nicht zugegangen sein: Er soll teils in Straßenkleidung, ohne Mundschutz und Handschuhe operiert haben. - © apa/Roland Schlager Wien. Auch heute noch ist Frau T. von dem Eingriff traumatisiert. Sie beginnt zu weinen, als sie davon erzählt. Erst nachdem ihr ein Wasser gereicht... weiter




Vor Gericht

Verbissen

Den verpflichtenden Hundeführschein für ihren Pitbull hat die Zweitangeklagte nicht gemacht (Symbolfoto). - © afp/Jack Guez Wien. Selbst nach Verhandlungsschluss kehrt keine Ruhe ein. Beschwerden hallen durch den Saal, Angeklagte und deren Angehörige umringen den... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Ein kurioses Katzen-Hauszeichen in der Wiener City
  2. Ehemaliges Cafe Griensteidl wird zur Billa-Filiale
  3. Das Aus für Uber?
  4. Weniger Müll
  5. Hebein folgt Ende Juni auf Vassilkaou
Meistkommentiert
  1. Kein verpflichtender Abbiegeassistent
  2. "Milli Görüs ist extrem anti-integrativ"
  3. Rechnungshof kritisiert zu teure Poller
  4. Weniger Müll
  5. Brauner verlässt Parteivorstand

Edip Sekowitsch

"Der Setschko war ein Fighter"

Den Sekowitschweg gibt es seit 2012 - doch jetzt wurde er offiziell eingeweiht und gesegnet. - © Schmölzer Wien. Wenn man ihn danach fragte, redete Edip Sekowitsch bereitwillig über seine alte Leidenschaft. Nur vom Äußeren her hätte dem Besitzer eines... weiter




Holzhochhaus

Hoch hinaus mit Holz

Das weltweit höchste Holzhochhaus entsteht in der Seestadt Aspern. - © RLP Ruediger Lainer und Partner Wien/Dornbirn. Das weltweit höchste Holzhochhaus soll in der Seestadt Apern entstehen. Seit mehr als einem Jahr wird an dem Bauwerk aus 24 Stockwerken... weiter




Geschichte

Bitte à la Giraffe!

Wildlife Animals - © Chris Van Lennep Wien. Die Geschichte fängt harmlos an: 1828 erhielt Kaiser Franz I. (II.) vom Vizekönig von Ägypten eine Giraffe, die dieser wiederum im Tiergarten... weiter





Große Pandas

Tiergarten Schönbrunn räumt bei Giant Panda Global Awards ab

20190219Große Panda Zwillinge - © APAweb / Tiergarten Schönbrunn, Ming Mei Wien. Mit vier Auszeichnungen hat Schönbrunn bei den 6. Giant Panda Global Awards im niederländischen Rhenen kräftig abgeräumt... weiter




Tiere in Wien

Mama als Hängematte

20190131Faultier-Baby in der Hängematte namens Mama - © Norbert Potensky Wien. Rund 14 Stunden am Tag dösen die beiden Faultiere Alberta und Einstein im Tiergarten Schönbrunn vor sich hin... weiter






Werbung