- © First Look/picturedesk.com
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Wien. Für Kasperl-Fans könnte der 28. April 2019 ein rabenschwarzer Tag werden. Denn das legendäre Wiener Puppentheater in der Urania wird laut dessen Direktor geschlossen - sofern sich nicht noch ein Nachfolger findet. Bei Facebook wandte sich Manfred Müller in einer persönlichen Nachricht an alle "Kasperl und Pezi Freunde" und erklärte, dass er kommendes Jahr in den wohlverdienten Ruhestand treten werde. "Dagobert und Lalobe" könnte somit das letzte Abenteuer von Kasperl und seinen Freunden sein, das im Urania Puppentheater aufgeführt wird. Denn mit Direktor Müller sollen auch die Puppen in Pension gehen.

Um die drohende Schließung des Traditionstheaters zu verhindern, müsste neben einem nachfolgenden Direktor auch ein Finanzier gefunden werden, der das seit 68 Jahren bestehende Puppentheater weiterführt. Andernfalls haben Interessenten ab Mai 2019 die Möglichkeit, sämtliches Inventar der Urania-Puppenbühne zu kaufen. Dazu gehören die Bühne, Ton- und Lichttechnik und die kultige Originalkulisse. Dazu gehören aber auch Kasperl und Pezi sowie mehr als 400 weitere Puppen, die nächstes Jahr ebenfalls den Besitzer wechseln könnten.

"Ohne Kasperl und Pezi
geht es nicht"


Das Facebook-Posting von Direktor Müller löste am Sonntag zum Teil emotionale Reaktionen bei Jung und Alt aus. Schließlich fand die erste Vorstellung des Urania Puppentheaters bereits im Jahre 1950 statt, 1957 erfolgte die erstmalige Ausstrahlung im ORF. "Ohne Kasperl und Pezi geht es gar nicht" oder "So schade, die Märchenhelden werden fehlen", waren unter anderen die Reaktionen des Bedauerns zahlreicher Fans. Auch die Frage, wo denn eine Bewerbung für den Posten als neuer Direktor eingereicht werden könne, wurde öfters gestellt. Appelliert wird in den sozialen Netzwerken auch an die Kulturbeauftragten der Stadt Wien, ein Weiterbestehen des Puppentheaters zu ermöglichen. Denn nach eigenen Angaben hat das Puppentheater noch nie Förderungen von der Stadt Wien bekommen.

Das Urania Puppentheater ist ein Privatunternehmen, Subventionen erhält es keine. Aus dem Büro von Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler hieß es am Montag, dass die Stadt aktiv werden wird, da es sich um ein "persönliches Anliegen" handle. Die Situation sei "überraschend" gekommen. Man werde sich die Lage anschauen und Theaterdirektor Manfred Müller zu einem persönlichen Gespräch einladen. Ebenfalls soll dabei geholfen werden, einen neuen Betreiber zu finden. "Das Puppentheater darf nicht verschwinden, es gehört zu uns", so die Stellungnahme seitens der Kulturabteilung MA7.

Zuvor kündigte der ehemalige Kulturminister Thomas Drozda an, die Schließung mit anderen Engagierten verhindern zu wollen. "Das Schließen dieses Kleinods wäre ein schwerer Kulturverlust - das geht nicht", schreibt er auf Twitter. SPÖ-Chef Christian Kern twitterte zur Schließung: "Die Sehnsuchtsorte einer Wiener Kindheit: der Kasperl in der Urania, der Wiener Eislaufverein und der Tichy am Reumannplatz. Heimat pur! Dort war ich mit meinen Eltern, mit meinen Kindern und dort werde ich eines Tages mit meinen Enkerln hin."

Erfolgreichstes Puppentheater Österreichs


Gegründet wurde das Puppentheater von den Volksschullehrern Marianne und Hans Kraus. Die ersten Aufführungen fanden unter dem Namen "Theater der Kleinen" in der Volksschule Stöbergasse und im Gasthaus Figl im dritten Bezirk statt. Mit den sogenannten "Schoßkarten", bei denen sich zwei Personen den Platz teilten, indem der Erwachsene ein Kind auf den Schoß nahm, erreichte das Theater eine Auslastung von 102 Prozent. Somit wurde es zum erfolgreichsten Puppentheater Österreichs.

Ab dem Jahre 1953 sendete der Rundfunk - damals noch die Ravag - die Sendereihe "Kasperl im Funkhaus". Von 1957 bis 2002 lief im ORF jeden Mittwoch um 17 Uhr das Kasperltheater.

Vorerst verspricht Direktor Müller trotz drohender Schließung: "Bis zum letzten Spieltag wollen und werden wir alle Spaß und Freude an jeder einzelnen Vorstellung haben."