Mit dem erbeuteten Geld kaufte sich der Betrüger einen Rolls Royce, zwei Ferraris, einen Porsche, vier Mercedes, zwei BMW und einen Audi. - © afp/Gacad
Mit dem erbeuteten Geld kaufte sich der Betrüger einen Rolls Royce, zwei Ferraris, einen Porsche, vier Mercedes, zwei BMW und einen Audi. - © afp/Gacad

Wien. Ein mehr als ungewöhnlicher Betrugsprozess ist am Mittwoch am Wiener Landesgericht für Strafsachen über die Bühne gegangen. Ein 28-jähriger IT-Techniker gestand einem Schöffensenat, zwei Millionären mit frei erfundenen Geschichten innerhalb weniger Monate mehr als 23 Millionen Euro herausgelockt zu haben. Er kassierte dafür wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs fünfeinhalb Jahre Haft.

"Schwer hat man es Ihnen nicht gemacht", stellte der vorsitzende Richter Christian Böhm in der Urteilsbegründung fest. Der Angeklagte habe bei seinen Machenschaften jedoch eine "enorme Überzeugungskraft" entfaltet. Der 28-Jährige nahm die Strafe an, Staatsanwältin Barbara Hoffmann war ebenfalls einverstanden. Das Urteil ist somit bereits rechtskräftig.

"Ich hab’ eine Scheinwelt erschaffen für mich", gab der 28-Jährige zu Protokoll. Er habe "komplett den Sinn für die Realität verloren" und sei "aus der Abwärtsspirale nicht mehr rausgekommen", meinte der von den Verteidigern Herbert Eichenseder und Norbert Wess prominent vertretene Angeklagte.

"Er hat sie gezielt
in die Irre geführt"


Der Hochstapler hatte seinen Opfern, die jeweils mit dem Weiterverkauf von erfolgreich aufgebauten Familien-Unternehmen ihr Vermögen gemacht hatten, lukrative Geschäftsverbindungen mit Dubai vorgetäuscht. Der Schwindler habe sich als "Wunderknabe" geriert, so die Staatsanwältin.

Der Betrüger gab vor, er habe in Dubai Zugang zu begehrten IT-Produkten, die sich in Europa gewinnbringend an den Mann bringen ließen. Die Millionäre ließen sich zu Investments in Form von großzügigen Darlehen bzw. Beteiligungen überreden.

Das kostete den einen laut Anklage am Ende rund 2,5 Millionen, den anderen mehr als 20,5 Millionen Euro. "Denn es hat kein einziges Geschäft gegeben, keine Ware, keine Kunden. Er hat sie gezielt in die Irre geführt", bilanzierte die Staatsanwältin.

Männer lernten sich in
Tätowier-Studio kennen


Kennengelernt hatte der Angeklagte seine späteren Opfer über ein Tätowier-Studio. Als Stammkunde kam er dort mit einem der Millionäre ins Gespräch, dem ebenfalls eine Vorliebe für Tattoos eigen ist. Dieser stellte ihm in weiterer Folge seinen gleichermaßen finanziell gut gepolsterten besten Freund vor.

Nachdem ein Privatdetektiv den Angeklagten abgecheckt und ein Vermögensberater dem jungen Mann bei einer Bank einen Überziehungsrahmen von mehreren 100.000 Euro verschafft hatte, erschien dieser den Millionären vertrauenswürdig genug, um sich zwischen März und Dezember 2016 zu Investments in schwindelerregenden Höhen hinreißen zu lassen.