• vom 07.09.2018, 09:30 Uhr

Stadtleben

Update: 07.09.2018, 10:01 Uhr

Virtual Reality

"Alter, die Horde kommt!"




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Von Daniel Bischof und Alexander U. Mathé

  • Ein Besuch im Virtual-Reality-Café Vrei.

Horden von wildgewordenen Zombies gilt es im VR-Spiel "Arizona Sunshine" zu besiegen. - © Vertigo Games/Jaywalkers Interactive

Horden von wildgewordenen Zombies gilt es im VR-Spiel "Arizona Sunshine" zu besiegen. © Vertigo Games/Jaywalkers Interactive

Mit der Brille gelangt man in die virtuelle Welt, gesteuert wird mit Controllern.

Mit der Brille gelangt man in die virtuelle Welt, gesteuert wird mit Controllern.© Reuters/Wong Campion Mit der Brille gelangt man in die virtuelle Welt, gesteuert wird mit Controllern.© Reuters/Wong Campion

Wien. Was könnte man um 28 Euro und in knapp einer Stunde in Wien alles unternehmen? In Seelenruhe ein Kalbsschnitzel plus zwei Krügerl beim selbstproklamierten besten Schnitzelwirt Wiens konsumieren, beispielsweise. Acht Fahrten mit der Geisterbahn sind wohl auch drin. Computerspielaffine Menschen können auch ins Café Vrei gehen. Um 28 Euro kann man dort in einem Spiel für 50 Minuten in die virtuelle Welt abtauchen.

Das Café in der Lindengasse 53 ist auf VR-Spiele spezialisiert. VR steht für Virtual Reality. Mittels einer speziellen Brille, in die zwei Bildschirme integriert sind (für jedes Auge einer), wird eine dreidimensionale Welt erschaffen. Real steht man in einem kleinen Eck im Café, doch was man sieht, ist eine künstlich geschaffene Welt. Da das Bild sich an die Kopf- und Beinbewegungen anpasst, wird die perfekte Illusion eines anderen Raumes erschaffen. Bewegen kann man sich mittels Controller.


Beim Betreten des Lokals warten bereits vier Männer auf ihr Rennspiel. Jung, dynamisch, Anzugträger - Typ aufstrebender Wirtschaftsboss. After-Work-Race heißt das Konzept, für das sie sich entschieden haben: In der virtuellen Welt liefert man sich nach dem harten Arbeitstag ein noch härteres Autorennen. Derweil kämpfen im abgesperrten Bereich des Lokals zwei Kinder in "Arizona Sunshine" auf Leben und Tod gegen Massen von Zombies. Auf den Sitzen an den Lokalfenstern warten wiederum ein paar Mädchen auf ihre Spielrunde.

Jagd auf Untote
"Alter, die Horde kommt!", tönt es durchs ganze Lokal. Einer der geschätzt 13-jährigen Zombie-Jäger warnt per Funk seinen gleichaltrigen Mitspieler im angrenzenden Spielbereich. Wild fuchtelt er mit seinen Controllern herum. Auf der Leinwand, auf der das Spiel mittels Projektor übertragen wird, sieht man, wie er eine Salve nach der anderen in die Zombie-Massen schießt.

Das Interesse ist geweckt. Nach einer Weile ist es soweit. "Hier kannst du dich mit dem Controller vertraut machen", sagt der freundliche Kellner. Ein Blatt Papier gibt Aufschluss: Mit dem Zeigefinger wird geschossen, mit dem Daumen nachgeladen, mit dem Mittelfinger bewegt. Nach der kurzen Einführung wird der Spieler in die 2 x 2 Meter große Arena geführt. Brille aufsetzen, und ab geht es in die Apokalypse.

Gehen, Munition aufnehmen, zielen, schießen - die Basics sind schnell angeeignet. Ein Blick nach oben zeigt die Decke, unten ist der Boden. Bewegen kann man sich per Knopfdruck. Geschossen wird gleich einmal auf ein paar lahme Übungszombies, denen der Garaus gemacht wird.

Es geht weiter über einen Highway in der Wüste, wo es für Anfänger schon deutlich kniffliger wird. Mehr und vor allem schnellere Zombies warten dort auf Frischfleisch. Stärkere Waffen und mehr Munition müssen her. Verwaiste Autos werden danach durchsucht. Die Türen und der Kofferraum werden per Griff mit den gleichen Handbewegungen wie im richtigen Leben geöffnet. Anfänger müssen aber einiges an Frustpotenzial mitbringen. Vor allem auf den höheren Schwierigkeitsstufen wird man schnell einmal von den Untoten verspeist. Dann heißt es zurück zum letzten Speicherpunkt - und alles noch einmal durchspielen.

In Windeseile vorbei
Die Zeit vergeht aber wie im Flug, in Windeseile ist der Spaß vorbei. Wobei das mit der Zeit auch ein bisschen eine Glückssache zu sein scheint. Die Geräte müssen im Voraus reserviert werden - dass man dann aber genau zum gebuchten Zeitpunkt drankommt, ist keine ausgemachte Sache. Mit Verspätungen muss gerechnet werden.

Und während mancher Spieler überziehen darf, kann es schon passieren, dass man einige Minuten vor Ablauf der gebuchten Zeit in die echte Welt zurückgeholt wird. Dort kann man dann - so man mehr als 28 Euro eingesteckt hat - auch noch auf ein Schnitzel oder in die Geisterbahn gehen. Wo es auch Zombies gibt.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-06 17:30:05
Letzte Änderung am 2018-09-07 10:01:37


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