Qualitätsvolle Möbel werden in der Werkstatt aus vermeintlichem Müll hergestellt. - © Stefanie Steindl
Qualitätsvolle Möbel werden in der Werkstatt aus vermeintlichem Müll hergestellt. - © Stefanie Steindl

Wien. Es ist sauber in der Werkstatt. Eher eine Seltenheit, denn "hier wird gearbeitet, hier wird richtig gearbeitet", sagt der Generalsekretär der Caritas, Klaus Schwertner, im Rahmen der offiziellen Eröffnung der Holz- und Designwerkstatt "preWork" in der Wöhlergasse 4 in Favoriten. Ein Eindruck, der vom Holzgeruch in der Luft ebenso bestätigt wird wie von den fertiggestellten Möbeln, die in der Upcycling-Werkstatt und im Schauraum zu sehen sind.

Im Rahmen des neuen Beschäftigungsprojekts der Caritas der Erzdiözese Wien arbeiten Jugendliche und junge Erwachsene, die bis dato den Schritt in den Arbeitsmarkt oder in eine Ausbildung noch nicht geschafft haben. Das Ziel: Das Selbstwertgefühl zu stärken, neue Perspektiven zu eröffnen und schließlich die Jugendlichen und jungen Erwachsenen langfristig in den Arbeitsmarkt zu vermitteln.

Aus "Müll" werden Designermöbel


Sechs Monate lang werden Jugendliche zwischen 15 und 21 Jahren angestellt und von Sozialarbeitern unterstützt und begleitet. Unter fachkundiger Anleitung bauen sie aus vermeintlichem Müll Einrichtungsgegenstände.

In der Werkstatt wird nicht weggeworfen, sondern neugestaltet und anschließend verkauft: "Wir wollen uns wirtschaftlich klar positionieren. Wir sind keine Bastelwerkstatt, sondern stellen qualitätsvolle Möbel her, die wir in unserem Schauraum, aber auch an unsere Auftraggeber verkaufen", erklärt "preWork"-Projektleiter Richard Klawatsch.

Die Arbeit, die die Jugendlichen leisten, will das Beschäftigungsprojekt durch den Fokus auf die Wirtschaftlichkeit ernst nehmen. Die Teilzeitanstellung und die Arbeit an realen Produkten gibt den Teilnehmern die Anerkennung, die ihnen bis dato oftmals verwehrt wurde. Denn die Biographie der Jugendlichen, die bei "preWork" arbeiten, ist oftmals von schlechten Erfahrungen geprägt. Zu den jungen Arbeitern zählen Jugendliche, die mit Gewalt in ihrer Kindheit, mit psychischen Erkrankungen oder Suchterfahrungen der Eltern konfrontiert waren. Jugendliche, die kein eigenes Zuhause haben, die Nacht in der Jugendnotschlafstelle und den Tag auf der Straße verbringen. Aber auch Jugendliche, die in Familien leben, in denen Erwerbsarbeit keine große Rolle gespielt hat.

Manche der Jugendlichen sind die Ersten in ihrer Familie, die einer Lohnarbeit nachgehen. Jugendliche mit Migrationshintergrund oder Fluchterfahrung finden sich ebenso unter den Teilnehmern wie Jugendliche ohne Migrationshintergrund. Zudem soll das Projekt festgefahrene Rollenbilder aufbrechen, derzeit sind 44 Prozent der Jugendlichen weiblich.