Die Zielgruppe ist also vielfältig, fasst Klawatsch zusammen. Gemein ist den Mitgliedern, dass sie weder eine Arbeit haben, noch in Ausbildung sind, aber auch, dass ihr Umfeld ihnen immer wieder vermittelt, diesen Schritt auch niemals zu schaffen. "PreWork" will daher ein Raum sein, in dem die Jugendlichen ihre Potenziale erstmals entdecken können.

Stärken fördern
statt Defizite fokussieren


Nicht die Defizite sollen thematisiert werden, sondern die Stärken gefunden und gefördert werden, bestätigt Schwertner: "Den jungen Menschen wurde jahrelang vermittelt, dass sie zu den Verlierern gehören, dass sie nicht gebraucht werden. Viele schämen sich für die eigene Situation, obwohl alle ihre eigenen Stärken haben." Daher gilt es diese Stärken und Potenziale hervorzuholen und durch das Sammeln von Erfahrungen in der Praxis die Schwelle zum Arbeitsmarkt zu senken, damit der Einstieg in die Berufsausbildung oder in den Arbeitsmarkt erleichtert wird.

Dass es genug Bedarf dafür gibt und die Jugendlichen interessiert sind, zeigen die Zahlen des Projektes "reStart", dem "Mutterprojekt", wie Klawatsch es nennt. Auch hier arbeitet die gleiche Zielgruppe an Upcycling-Produkten, macht aus Dingen, die andere Menschen wegwerfen würden, Taschen, Schmuck oder Gläser. Anders als bei "preWork" gibt es keine Anstellung, die Jugendliche können maximal fünf Mal im Monat das Angebot wahrnehmen und kommen, wann sie wollen.

Allein 2017 arbeiteten rund 300 Jugendlichen im Rahmen des Projektes und leisteten 8000 freiwillige Arbeitsstunden. Gleichzeitig mussten 800 Mal Personen abgewiesen werden, weil es keinen Platz mehr gab.

Langfristig neue
Perspektiven eröffnen


Die Idee, "preWork" zu gründen, entstand aber nicht nur aufgrund der Nachfrage, sondern auch aus den sozialarbeiterischen Erfahrungen, erzählt Klawatsch, der auch das "reStart" leitet: "Es gibt Jugendliche, die sich in diesem niederschwelligen Rahmen sehr gut bewähren, das Angebot regelmäßig und verlässlich in Anspruch nehmen. Da beschäftigte uns natürlich rasch die Frage, welches weiterführende Angebot wir machen können."

Die Antwort fand sich in "preWork": Jugendliche erhalten durch das Anstellungsverhältnis zusätzliche Rechte, gleichzeitig haben sie nun auch Pflichten. Ein Konzept, das funktioniert. Seit Mai läuft der Betrieb, erste Rückmeldungen der Betreuer der Jugendlichen zeigen, dass sich das Bild von Arbeit bei vielen von "Arbeit ist scheiße" zu "Das hat heute echt Spaß gemacht" gewandelt hat.

Die täglichen Erfolgserlebnisse im Werkstattalltag führen dazu, vergangene Frustrationen hinter sich zu lassen und stattdessen hoffnungsvolle Perspektiven zu gewinnen. Um das langfristig aufrechtzuerhalten, braucht es auch nach dem sechsmonatigen Arbeitstraining Unterstützung. Je nach den Bedürfnissen sollen die Jugendlichen danach in eine Schule, in eine Lehre oder direkt in den Arbeitsmarkt weitervermittelt werden.

"Nach den ganzen Rückschlägen im Leben der jungen Menschen ist es wichtig, nicht nach den sechs Monaten heile Welt in unserer Werkstatt plötzlich aufzuhören. Sonst kommt die nächste Krise", sagt Projektleiter Klawatsch. Man bemühe sich um maßgeschneiderte Weitervermittlung. "Priorität hat dabei, den Jugendlichen zu einer Art Qualifizierung zu verhelfen, sonst bleibt die Perspektive der unqualifizierten Hilfskraft ein Leben lang."