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Update: 07.09.2018, 18:06 Uhr

Mode

Wien im Mode-Modus




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Von Felix Kraxner

  • Am Montag startet die 10. Fashion Week. Modexperten vermissen Nachwuchsdesign am heimischen Markt.

Ästhetik und Funktionalität von Elena Burenina wird auf der Fashion Week zu sehen sein. - © Bogdan Balagyr

Ästhetik und Funktionalität von Elena Burenina wird auf der Fashion Week zu sehen sein. © Bogdan Balagyr

Die slowakische Designerin Lenka Srsnova sorgt mit grafischen Drucken für Aufsehen.

Die slowakische Designerin Lenka Srsnova sorgt mit grafischen Drucken für Aufsehen.© Peter Spurny Die slowakische Designerin Lenka Srsnova sorgt mit grafischen Drucken für Aufsehen.© Peter Spurny

Wien. Im großen Modezelt vor dem Museumsquartier präsentieren in der kommenden Woche rund 65 Designer ihre Kollektionen. Bei der Fashion Week, dem Mode-Event schlechthin in Österreich, sind auch heimische Designer und Newcomer vertreten, die auffallen wollen. Talenten wird für eine Woche eine Bühne geboten. Denn während des Jahres fällt es österreichischen Modedesignern oft schwer, wahrgenommen zu werden.

Trotz der wenigen Möglichkeiten punktet Wien seit Jahren mit einer kreativen, unabhängigen und relativ überschaubaren Modeszene, die langsam gedeiht. "Die Lebensqualität in Wien erlaubt es kreativen Menschen, sich in die Gründung eines Modelabels einzulassen. Gerade die Modeszene in Wien ist für mich ein Spiegel für ein offenes Österreich nach außen", sagt Marlene Agreiter, Geschäftsführerin der Austrian Fashion Association (AFA).


Die AFA vergibt jährlich Förderungen in Höhe von 100.000 Euro an junge Modeschöpfer und sucht gleichzeitig nach Produzenten und Vermarktungsmöglichkeiten für die Designer. Die Gelder stammen von der Stadt Wien und dem Bund. Wünschenswert für Geschäftsführerin Agreiter wäre eine höhere Sichtbarkeit von österreichischen Designern im österreichischen Handel. Die Textilindustrie soll die heimischen Designern zumindest in Teilbereichen stärker einbinden.

"Bei der Fashion Week werden Talente für eine Woche auf die Bühne gebracht, doch das Mode-Event ist nicht der einzige Vermittler von Mode, das sind genauso die Geschäfte. Das Thema Nachwuchsdesign fehlt mir im österreichischen Handel, obwohl es natürlich auch Stores gibt, die Kleidung von österreichischen Designern anbieten", meint Agreiter.

"Mehr Bewusstsein
schaffen"

Auch Patrizia Markus, Innungsmeisterin für Mode und Bekleidungstechnik der Wirtschaftskammer Wien, vermisst Kleidungsstücke von heimischen Designern in der Textilindustrie. Dass für inländisches Design unter den Konsumenten mehr Bewusstsein geschaffen wird, sei eine der großen Herausforderungen in der heimischen Modewelt. "In der Woche der Fashion Week können sich österreichische Designer zwar präsentieren, an Bewusstsein für heimische Mode während des Jahres mangelt es allerdings. Die Schwierigkeit für junge Designer liegt auch darin, dass sie ohne Namen keinen Platz in Geschäften finden, um ihre Mode abseits von Events zu zeigen. An Fachkräften aus dem Bereich Mode fehlt es auf jeden Fall nicht", erklärt Markus.

Für Model und Designerin Jana Wieland würde es keinen Sinn machen, in den großen Läden der Textilindustrie für Kunden sichtbar zu sein. Für die breite Masse seien junge Designer schlichtweg nicht wirklich interessant. Und zu guter Letzt entscheide immer noch der Preis. "Die meisten Leute, die in Wien einkaufen, sind jetzt nicht wirklich so modeaffin, wie sie es in anderen Städten sind. Bevorzugt wird nach wie vor das günstige Einkaufen bei Kleidungsdiscounter", sagt Wieland.

Anders sehen das die beiden Designerinnen Ida Steixner und Lena Krampf vom Label "meshit", das 2010 gegründet wurde. "Es macht sich bemerkbar, dass immer mehr Menschen an Kleidungsprodukten interessiert sind, die von kleinen, lokalen Labels stammen. Das Bewusstsein für Mode von Labels, die keinen großen Namen haben, steigt. Jedoch ist es den Wienerinnen und Wienern mehr oder weniger trotzdem egal, was sie tragen. Uns persönlich gefällt aber auch gerade das gut an Wien. Noch nicht jeder kennt die neuesten Trends. Es geschieht alles langsamer und gemütlicher. Das macht Wien charmant. Mehr Events neben der Fashion Week könnte es ruhig geben", erzählen Steixner und Krampf.

Fehlende Produktionsmöglichkeiten
In Wien gibt es rund 300 Kleidermacher, etwa ein Drittel davon sind Designer. Die Anzahl steigt stetig und zeigt: Es tut sich etwas innerhalb der Stadt. Und dennoch: Neben der Tatsache, dass bei den Konsumenten kaum Bewusstsein für heimische Mode herrscht, stoßen Designer auch auf Probleme bei der Produktion ihrer Kleidungsstücke. Produktionsmöglichkeiten innerhalb Österreichs sind vorhanden, aber für junge Designer finanziell meistens nicht tragbar. Deshalb wird in den meisten Fällen im Ausland produziert. In seltenen Fällen unter Eigenproduktion.

Ein Appell an alle jungen Modeschaffenden kommt von Direktorin Gabriele Sulzgruber-Schartl von der Modeschule Herbststraße. "Ich empfehle, erste Erfahrungen bei verschiedenen Labels zu sammeln. Ich denke nicht, dass es im Ausland mehr Chancen gibt. Wien verfügt als Modestadt über enormes Potenzial", sagt die Direktorin.




Schlagwörter

Mode, Designer, Fashion Week

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-07 17:57:06
Letzte Änderung am 2018-09-07 18:06:02


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