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Update: 10.09.2018, 21:35 Uhr

Zirkus

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Vivian Paul (o.) in luftiger Höhe mit Partnerin Natalia Rossi.

Vivian Paul (o.) in luftiger Höhe mit Partnerin Natalia Rossi.© Roncalli Vivian Paul (o.) in luftiger Höhe mit Partnerin Natalia Rossi.© Roncalli

Und dann gibt es noch jemanden, der bei jeder gefährlichen Nummer zu berücksichtigen ist: das Publikum. Dessen Geräuschkulisse kann nämlich beflügelnd und aufputschend, aber auch ablenkend sein. Auch daran musste sich Vivian erst gewöhnen. "Heute kann ich damit entspannter umgehen als früher", erzählt sie. Schwierig kann es auch werden, wenn sich mittendrin Verzögerungen ergeben und dann das Timing mit der Musik auf einmal nicht mehr passt. "Da muss man dann improvisieren, bis man wieder drin ist." Denn für die Künstler ist die Musik nicht nur zumindest teilweise Taktgeber, sondern vor allem wichtig, um bei ihren Nummern Akzente zu setzen.

Alle zwei Jahre ein
komplett neues Programm

Dass Vivian Luftakrobatin würde, war für sie relativ früh klar, auch wenn Bernhard Paul zunächst nicht allzu begeistert gewesen sein dürfte. "Wenn seine Tochter unter der Kuppel des Zirkuszelts hängt, ist das sicher für jeden Vater beängstigend", meint seine Tochter heute. Auch ihre Mutter Eliana Larible-Paul, die einer alten italienischen Zirkusdynastie entstammt, bekannte einmal: "Angst hatte ich nie. Nicht als Rollschuhartistin, nicht mit meinen Bola Bolas und auch nicht, als ich die Hohe Schule mit den Pferden vorgeführt habe. Aber heute, bei meinen Kindern, spüre ich so etwas wie Angst."

Ihre aktuelle Nummer haben Vivian und Natalia etwa ein Jahr lang vorbereitet. "Man fängt da nicht bei null an, weil man ja davor schon andere Nummern gemacht hat und gewisse Dinge schon kann. Ansonsten würde es noch viel länger dauern." Seit der ersten Deutschland-Premiere von "Storyteller" hat sich die Nummer ein bisschen weiterentwickelt. "Man kommt immer wieder auf Dinge drauf, die anders besser funktionieren." Und während Vivian die aktuelle Nummer übt, entwickelt sie auch schon eine andere Nummer für die nächste Roncalli-Show.

Da dürften dann viele der aktuellen Artisten nicht mehr mit dabei sein, denn alle zwei Jahre wird das Programm komplett neu aufgestellt (dass aktuell der Frauenanteil genau 50 Prozent beträgt, ist übrigens Zufall). Da ist es ein Vorteil, wenn man ein großes Repertoire hat, wie die Cedeño Brothers aus Ecuador, die schon mehrmals bei Roncalli engagiert waren. "Das sind Multitalente - die machen Trapeznummern, Schleuderbrett, Bodenakrobatik, da ist immer etwas Neues fürs Publikum dabei", sagt Vivian. Manches wird vielleicht erst noch entwickelt, denn auch in der Luft gibt es immer wieder neue Ideen. "In der Jugend meiner Mutter etwa gab es noch keine Luftringe."

Vivian Paul selbst denkt allmählich schon an das Ende ihrer Karriere als Luftakrobatin. Das hat allerdings nicht nur damit zu tun, dass sie mit bald 30 Jahren ihren Körper nicht mehr so intensiv belasten will, sondern auch mit der Familie. Vivian, die via Fernstudium Marketing und Marktforschung lernt, wird irgendwann in Bernhard Pauls Fußstapfen treten. "Womöglich ist das jetzt meine letzte Roncalli-Tour als Luftakrobatin. Aber da bin ich mir noch nicht ganz sicher."


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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-10 13:48:32
Letzte Änderung am 2018-09-10 21:35:15


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