Wien. Das Verbindende über das Trennende stellen, so lautet das Ziel des diesjährigen Kulturfestivals "Wienwoche". Unter dem Motto "Über Grenzen, Schleichwege und Gemeingut" wird in Form von Ausstellungen, Performances, Installationen, Theater, Film, Spaziergängen und Workshops nach der Überwindung von geografischen, politischen und sozialen Grenzen gefragt. Die Veranstaltungen finden von 14. bis 21. September bei freiem Eintritt und an unterschiedlichen Orten statt.

"Grenzen sind Terrains der Macht und der Gewalt", sagt Natasa Mackuljak, die gemeinsam mit Ivana Marjanovic zum Leitungsteam der Wienwoche zählt und am Montag das Programm vorstellte. "Inmitten der Grenzlandschaften zeigen sich Schleichwege. Für uns ist die Wienwoche 2018 ein Platz dieser Schleichwege, ein Ort für kreative Widerstände gegen Grenzen", erklärt Mackuljak das diesjährige Motto. Durch Schleichwege sollen die Menschen Schritt für Schritt auf Möglichkeiten des bedingungslosen Teilens, des Gemeinguts, kommen.

Stadtgeschichte im Fokus


Mit diesem Zugang zu den Begriffen Grenzen, Schleichwege und Gemeingut wählte das Kuratorinnenteam 12 Projekte aus, die sich einerseits einer großen Bandbreite künstlerischer Formate bedienen, andererseits thematische Schwerpunkte bündeln. Einer davon ist Wiens Stadtgeschichte: Das Projekt "Pannekoeks Katze" des Kollektivs "Zunder" sucht nach den historischen Spuren der Rätebewegung im 2. Bezirk.

Zudem beschäftigt sich der Künstler Tomash Shoiswohl im Ausstellungs- und Spaziergangsprojekt "Wiener Linien Bau" mit einer historischen Grenze in Wien: Dem Linienwall, der heute zum Teil als Verkehrsbauwerk weiterbesteht. Dabei sucht Shoiswohl nach neuen Grenzen der Stadt, fragt danach, wie der Linienwall immer noch trennt oder verbindet und was aktuelle ordnungspolitischen Maßnahmen der Wiener Linien damit zu tun haben: "Das Essensverbot in der U6 passt perfekt in diese Diskussion. Auch die U6 ist Teil des Linienwalls. Warum wurde gerade diese U-Bahn ausgewählt? Auch darüber wollen wir sprechen", so Mackuljak.

Postmigrantische Identitäten


Beim Thema Grenzen dürfen natürlich Fluchtgeschichten sowie die Auseinandersetzung mit postmigrantischen Identitäten nicht fehlen. So feiert der Film "Kreuzpunkt" des "I.DIRECT-Kollektivs" im Rahmen der Wienwoche seine Premiere und zeigt, wie rechte Politik das Leben von Migranten und Migrantinnen beeinflusst.

Geflüchtete erhalten zudem in der Ausstellung "Die Küsten Österreichs" einen Raum für ihre Geschichte. Kuratoren, die derzeit als Asylwerber in Österreich sind, stellten gemeinsam mit zwei einheimischen Kuratoren, die neue Schausammlung des Volkskundemuseums Wien zusammen. ",Die Küsten Österreichs‘ findet Eingang in die Dauerausstellung des Volkskundemuseums. Das erste Mal, dass ein Wienwoche-Projekt als permanente Intervention bestehen bleibt", so Marjanovic.

Dem Spaß auf die Spur kommen trotz des ernsten Mottos der heurigen Wienwoche will das Leitungsteam den Themen Grenzen und Schleichwege auch mit Spaß auf die Spur kommen. Und zwar gleich am ersten Abend: Die Wienwoche 2018 wird am 14. September mit der Comedy Gala des komödiantischen Duos "Activist Comedy Against Bullshit (ACAB)" in der Nordbahn-Halle am Wasserturm eröffnet. Auch dabei werden Grenzen überschritten, und zwar jene zwischen Entertainment und Politik, zwischen Schmähführen und Aktivismus, zwischen Augenzwinkern und Angriff.

Weitere Informationen unter:
www.wienwoche.org