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Update: 14.09.2018, 08:27 Uhr

Messerattacken

"Das war ein Amoklauf"




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Von Daniel Bischof

  • Lebenslange Haft wegen fünffachen Mordversuchs.

Der Angeklagte vor Beginn des Prozesses nach Messerattacken im 2. Bezirk am Wiener Straflandesgericht.  - © APAweb / Herbert Neubauer

Der Angeklagte vor Beginn des Prozesses nach Messerattacken im 2. Bezirk am Wiener Straflandesgericht.  © APAweb / Herbert Neubauer

Wien. Noch heute leidet Familie H. an den Folgen des 7. März 2018. Damals war das Ehepaar samt Tochter am Nestroyplatz von einem Mann mit einem Messer grundlos angegriffen worden. Sie wurden lebensgefährlich verletzt, nur durch das schnelle Eingreifen der Rettung konnten Todesopfer verhindert werden.

Seit der Attacke benötigt der Familienvater eine Dialyse. Seine Nieren wurden bei der Attacke zerstört. Die Mutter kämpft gegen die psychischen Belastungen. Sie erleidet bei ihrer Zeugenaussage vor Gericht am Mittwoch beinahe einen Zusammenbruch. Nach außen hin besser scheint die Tochter den Angriff verkraftet zu haben. An schwerwiegenden Schlafproblemen leide sie aber, gesteht die junge Frau.

Debatte um Drogen

Der Schuldige für all das Leid soll der 23-jährige S. sein. Der Afghane hat sich am Mittwoch vor einem Geschworenengericht des Wiener Straflandesgerichts (Vorsitz: Richterin Nina Steindl) wegen fünffachen Mordversuchs zu verantworten. Nachdem er laut Anklage das Ehepaar attackiert hat, soll er bei seiner Flucht versucht haben, einen weiteren Passanten mit dem Messer zu stechen. Anschließend stach er einem angeblichen Drogendealer in die Rippen, so die Anklage.

S. war im Oktober 2015 nach Österreich gekommen. Er glitt alsbald in die Drogenszene ab, zwei Mal wurde er wegen Verstößen gegen das Suchtmittelgesetz verurteilt. Mit seiner Lebenssituation sei er höchst unzufrieden gewesen, gab er bei seinen polizeilichen Einvernahmen an. Die Familie habe er attackiert, weil er geglaubt habe, dass diese ihn auslache, meinte er.

Bei der Polizei erklärte er auch, etwa bei einer Befragung einen Tag nach der Messerattacke, dass er zum Tatzeitpunkt weder harte Drogen noch Alkohol konsumiert hatte. Das bestätigten auch amtsärztliche Untersuchungen und ein Blutbefund, bei dem S. nur THC nachgewiesen werden konnte.

Von dieser Aussage will S. am Mittwoch aber nichts mehr wissen. "Ich habe an dem Tag Drogen konsumiert. Ich kann mich an nichts mehr erinnern", sagt er. Die ihm widersprechenden Befunde und seine früheren Angaben kann er sich nicht erklären. "Ich habe drei Gramm Kokain, Ecstasy und vier Schlaftabletten genommen." Dem widerspricht der Sachverständige Paul Gmeiner: Aufgrund der Blutproben sei definitiv auszuschließen, dass S. ein anderes Suchtmittel als Cannabis konsumiert habe.

Frust und Zorn

"Meiner Meinung nach war das ein Amoklauf, wie er in der heutigen Zeit leider immer öfter vorkommt", sagt der psychiatrische Sachverständige Peter Hofmann. Über Jahre habe sich Zorn und Wut bei S. angesammelt: "Das hat an ihm genagt und viel Frust bei dieser Tat entladen."

Der Mediziner stellt jedoch klar, dass die Voraussetzungen für eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher nicht vorliegen – denn S. sei zum Tatzeitpunkt zurechnungsfähig gewesen.

Lebenslange Haft für Afghanen

Mit lebenslanger Haft hat am Freitagabend der Prozess gegen einen 23-jährigen Afghanen geendet, der im März dieses Jahres mit einem Messer eine völlig unbeteiligte Familie, seinen Drogendealer sowie einen Zeugen attackiert hatte. Die Geschworenen sprachen den Asylwerber am Wiener Landesgericht des Mordversuchs schuldig. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-13 14:55:48
Letzte Änderung am 2018-09-14 08:27:09


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