• vom 16.09.2018, 06:45 Uhr

Stadtleben


Schule

"Muss schlichten statt unterrichten"




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Von Felix Kraxner

  • Viel Kritikpunkte, aber wenig Lösungsvorschläge sind im umstrittenen Buch von Susanne Wiesinger zu finden.

Laut Buchautorin Susanne Wiesinger gebe es derzeit für viele Schüler keinen Grund, die deutsche Sprache zu erlernen. - © Stanislav Jenis

Laut Buchautorin Susanne Wiesinger gebe es derzeit für viele Schüler keinen Grund, die deutsche Sprache zu erlernen. © Stanislav Jenis

Wien. Dass Integration in Wiener Brennpunktschulen - speziell in Favoriten - nicht funktioniert und Multikulti gescheitert sei, schreibt Susanne Wiesinger in ihrem ersten Buch "Kulturkampf im Klassenzimmer", das diese Woche erschienen ist - die "Wiener Zeitung" hat berichtet.

Aufgrund von fehlenden Sprachkenntnissen kann der Lehrplan nicht umgesetzt werden, im Ramadan kollabieren Schüler nacheinander und muslimische Väter reichen den Lehrerinnen nicht die Hand. Das sind einige Erfahrungen, die Wiesinger konkret beschreibt. Lehrerin sei sie keine mehr, sondern Sozialarbeiterin. Sie würde mittlerweile schlichten statt unterrichten.


Über die teils katastrophalen Zustände an einigen Wiener Brennpunktschulen spricht die Lehrerin schon länger. Und sie spreche in ihrem Buch auch im Namen von anderen Lehrern, die durch muslimische Parallelgesellschaften innerhalb des Klassenzimmers an ihre Grenzen stoßen. Nur Lehrer bekämen mit, was an den Schulen vor sich geht. Nicht selten ließen sich Lehrerkollegen in andere Schulen versetzen. Laut Wiesinger wagt es die Stadtpolitik nicht, problematische islamische Tendenzen an Wiener Schulen anzusprechen. Es würde immer nur von Einzelfällen gesprochen werden und die Kritik verschwiegen.

Gespräche am Mittwoch
Um an konkreten Lösungsansätzen zu arbeiten, will nun Bildungsstadtrat Czernohorszky (SPÖ) Autorin Wiesinger am Mittwoch zu einem Gespräch treffen. "Wenn man an einer Lösung arbeiten will, muss man sich gerade mit den Einzelfällen auseinandersetzen. Jeder Fall an einer Schule, wo auch nur ein Schüler oder Lehrer unter Druck gerät, unabhängig wie stark der Druck ist, ist ein Fall zu viel", sagt Czernohorszky im Vorfeld zur "Wiener Zeitung".

Von Schule zu Schule seien die Herausforderung verschieden. Czernohorszky würde auch interessieren, welche Erfahrungen Wiesinger bereits mit den gesetzten Maßnahmen der Stadt Wien gemacht hat. Etwa mit dem Netzwerk gegen Radikalisierung, das 2014 ins Leben gerufen wurde. Ziel der Organisation ist es, Extremismus - nicht nur islamischen Extremismus - zu erkennen und Präventionsarbeit gegen Radikalisierung zu leisten. Obwohl die Absicht Wiesingers darin besteht, eine Diskussion über das Thema Islam an Schulen abseits von Populismus zu führen, entstand nach der Veröffentlichung eine emotionsgeladene Politdebatte. Wie berichtet, warfen FPÖ und ÖVP der rot-grünen Stadtregierung sogleich massives Versagen vor. ÖVP-Generalsekretär Karl Nehammer forderte die Stadtpolitik sogar auf, "endlich aufzuräumen". Und der FPÖ-Landesparteiobmann Johann Gudenus sprach von "schlimmen Folgen für Wien durch die verfehlte Integrationspolitik von Rot-Grün".

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Schlagwörter

Schule, Integration, Wien

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Dokument erstellt am 2018-09-14 17:57:11


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