• vom 03.10.2018, 17:50 Uhr

Stadtleben

Update: 03.10.2018, 17:56 Uhr

Kriminalität

Die Netrebko, Lohengrin und das Gold




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  • Dreieinhalb Jahre Haft für Ex-Anwalt, der Einbrechern Goldbarren-Versteck einer alten Dame verriet.

20 Goldbarren im Wert von 700.000 Euro wurden der 78-Jährigen gestohlen. - © apa/Robert Jäger

20 Goldbarren im Wert von 700.000 Euro wurden der 78-Jährigen gestohlen. © apa/Robert Jäger

Wien. Ein ehemaliger Wiener Rechtsanwalt ist am Mittwoch am Wiener Straflandesgericht zu dreieinhalb Jahren unbedingter Haft verurteilt worden. Er war am Diebstahl von 20 Kilogramm Gold im Wert von 700.000 Euro beteiligt. Der 42-Jährige akzeptierte die über ihn verhängte Strafe, die Staatsanwältin gab vorerst keine Erklärung ab. Das Urteil ist somit nicht rechtskräftig.

Der Jurist, der nach seiner Festnahme im Mai von der Anwaltsliste gestrichen wurde, hatte früher in seiner Kanzlei 6000 Euro monatlich netto verdient. Derzeit sei er "Hausarbeiter der Justizanstalt", erwiderte er auf die Frage nach seiner aktuellen Beschäftigung. Der Mann ist im Gefängnis als Schreibkraft tätig. Nach seiner Entlassung will er "heim zu Mama" in die Steiermark: "Ich bin kein schlechter Jurist. Ich werde eine Arbeit finden. Ich bin nicht faul."


Der Angeklagte hatte rumänischen Einbrechern das Gold-Versteck einer 78-Jährigen verraten. Die ältere Dame bewahrte 20 Goldbarren in ihrer Wohnung in Leopoldstadt auf, weil sie glaubte, dass sie dort sicherer wären als in einem Bankschließfach.

Der 42-jährige Jurist hatte die ältere Frau nach einer Vorstellung an der Dresdner Semperoper kennengelernt. Während der Rückreise kamen sie ins Gespräch und tauschten sich im Bus über die "Lohengrin"-Inszenierung mit Anna Netrebko in der Rolle der Elsa aus. Die 78-Jährige berichtete dem Anwalt auch von Opern-Stars der 1960er Jahre, mit denen sie persönlich bekannt war. Der 42-Jährige war begeistert: "Ich bin opera fanatic. Das ist mein Leben."

"Dann schrecke ich auf"
In weiterer Folge entwickelte sich aus der gemeinsamen Leidenschaft für die Oper eine Freundschaft. Der Anwalt und die ältere Dame reisten gemeinsam zu Inszenierungen nach London und München. Dass er ihr Vertrauen missbrauchte und dafür sorgte, dass Einbrecher ihr das zur Sicherung ihres Lebensabends gedachte Gold wegnahmen, hat die 78-Jährige nicht verwunden.

"Ich habe ihn in erster Linie als vertrauenswürdig gesehen. Ich war immer ein ehrlicher Freund", schilderte sie im Zeugenstand. Ihren erlittenen seelischen Schaden könne man nicht gutmachen: "Ich kann überhaupt keine Ruhe mehr finden. Mein Leben ist zerbrochen." Nachts schaue sie die ganze Zeit auf die Eingangstür. Sobald sie in ihrer Wohnung ein Geräusch höre, "schrecke ich auf", erklärte die 78-Jährige.

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-10-03 16:12:30
Letzte Änderung am 2018-10-03 17:56:01


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