Kirche neu erleben: Beim ersten "Abenteuer Gottesfeier" inszenierte Pfarrer Gregor Jansen die Osterkerze im Gotteshaus als riesiges Freundschaftsband. - © Florian Unterberger
Kirche neu erleben: Beim ersten "Abenteuer Gottesfeier" inszenierte Pfarrer Gregor Jansen die Osterkerze im Gotteshaus als riesiges Freundschaftsband. - © Florian Unterberger

Wien. Während im Vatikan gerade die allererste Jugendsynode läuft (bis 28. Oktober), tut sich auch in Wien einiges. So sucht die Junge Kirche mittels großer Studie, deren Ergebnisse im Juni 2019 vorliegen sollen, neue Wege für die Vorbereitung auf die Sakramente. Die Intention: Erstkommunionkinder und Firmlinge sollen den jeweiligen Pfarren möglichst erhalten bleiben und nicht gleich danach wieder weg sein. In Vorarlberg wurde als Lösungsansatz das Firmalter angehoben, in der Hoffnung, dass Ältere mit umso mehr eigener Überzeugung zur Firmung kommen.

Wiens Dompfarrer Toni Faber hält davon wenig, "weil wir dann solche Massen von Jugendlichen gar nicht mehr erreichen würden, bei denen wir jetzt mit 13, 14 Jahren noch Chancen haben". Auch in der Dompfarre, wo er selbst fast jeden Sonntag eine Kindermesse hält und mit 70 Firmlingen gesegnet ist, kennt er das Problem, "dass sie danach nicht lange durchhalten - die Jugend als Pfarrjugend, wie wir und auch die nachfolgende Generation sie noch gekannt haben, ist heute nicht mehr selbstverständlich, die muss der Termingestaltung der Jugend abgerungen werden".

Caritas-Aktion, Jugendkirche in Baden, Maturanten-Wallfahrt

"Lasst die Kinder zu mir kommen!" Jesu Worten folgend gehört die Kirche ganz den Kleinen. - © Florian Unterberger
"Lasst die Kinder zu mir kommen!" Jesu Worten folgend gehört die Kirche ganz den Kleinen. - © Florian Unterberger

Es gibt sie aber doch, die Situationen, in denen die Kirche auch von Jugendlichen regen Zulauf erlebt. So läuft derzeit (noch bis 20. Oktober) die größte Sozialaktion des Landes: Gemeinsam mit Ö3 haben die Young Caritas und die Katholische Jugend Österreich auch heuer wieder tausende 14- bis 25-Jährige zu "72 Stunden ohne Kompromiss" motiviert. Der Name ist Programm: Die Teilnehmer haben 72 Stunden Zeit, je ein sinnstiftendes und gerne auch außergewöhnliches Projekt umzusetzen (www.72h.at). Und die seit 1976 laufende Missio-Jugendaktion wurde jüngst mit einem Fairtrade-Award ausgezeichnet.

In den vergangenen Wochen sind in einigen Bundesländern mehrere tausend Maturanten auf Wallfahrt gegangen. Außerdem ist vor kurzem die Jugendarbeit in der Badener Frauenkirche, die schon seit vielen Jahren als Dekanatsjugendkirche für die Region fungierte, verstärkt worden. In der neuen Jugendkirche Süd werden neben diversen spirituellen Angeboten für Schüler auch verschiedene Fortbildungen und Kreativkurse angeboten.

In Wien hingegen ist die zehnjährige Erfolgsgeschichte der Jugendkirche in der Pfarrkirche St. Florian an der Wiedner Hauptstraße 97 vor drei Jahren zu Ende gegangen. Bereichsleiter Dominik Farthofer von der Jungen Kirche zieht im Rückblick eine positive Bilanz über das zehnjährige Projekt: "Aus meiner Sicht war es sehr erfolgreich, weil es gelungen ist, Initiativen zu starten, die in vielen anderen Bereichen weitergegangen sind." Inzwischen machen auch viele andere Pfarren eigene Jugendmessen, "die immer noch von diesem liturgischen Aufbruch durch die Gottesdienstreihe ‚Fing Fight Follow‘ zehren". Die Jugendkirche habe massiv dazu beigetragen, Gottesdienst einmal anders zu denken und Neues auszuprobieren. "Das ist auch hinuntergesickert, da gibt es mittlerweile ganz viele auch kleine pfarrliche Angebote, wo es in ähnlicher Weise gelingt, Gottesdienste für junge Menschen in einer attraktiven, kreativen Form anzubieten." Die Wiener Jugendkirche veranstaltete damals auch als erste eine Bibelausstellung für Schüler.