• vom 30.10.2018, 17:42 Uhr

Stadtleben

Update: 30.10.2018, 18:15 Uhr

Geisterjagd

Die Suche nach der Blutgräfin




  • Artikel
  • Lesenswert (22)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Martina Madner

  • Was die Jagd nach dem Geist von Elisabeth Báthory im Keller ihrer Stadtwohnung zu Tage fördert.



Elisabeth Báthory ging unter der Bezeichnung Blutgräfin in die Geschichte ein. Schließlich soll sie bis zu 600 Dienstmädchen ermordet haben.

Elisabeth Báthory ging unter der Bezeichnung Blutgräfin in die Geschichte ein. Schließlich soll sie bis zu 600 Dienstmädchen ermordet haben.© Public Domain (Quelle: Wikimedia Commons) Elisabeth Báthory ging unter der Bezeichnung Blutgräfin in die Geschichte ein. Schließlich soll sie bis zu 600 Dienstmädchen ermordet haben.© Public Domain (Quelle: Wikimedia Commons)

Wien. Es ist ein schmuckloses Haus mit vier Geschoßen - nicht in der Blutgasse, sondern der Augustinerstraße. Die Spannung beim Eintreten durch das Tor steigt - bis einem bewusst wird, dass der Blick auf die dunkelbraunen Renaissance-Pawlatschen heute beeindruckender sein dürfte als damals durch die Fenster in den kopfsteingepflasterten Innenhof. Schließlich gibt es sie erst seit 1870.

Es ist auch weniger die Architektur, die das sogenannte Ungarische Haus oder Harnischhaus interessant macht, sondern eine seiner Bewohnerinnen, Elisabeth Báthory, die als Blutgräfin in die Geschichte einging. Deshalb machte sich ein Journalisten-Team auf die Suche nach Spuren, nicht nur mit Historikern, sondern auch vor Ort in ihrem Wiener Domizil. Die Autorin Gabriele Hasmann, die über geschichts- und spukträchtige Orte schreibt und die Vienna Ghosthunters, begleiteten die Truppe dabei, auch sich auf die Suche nach dem Geist der Báthory zu machen.

Ein "Schwarzer Ritter", um "Reich und Vaterland verdient"

Elisabeth Báthory wurde 1560 in Nyírbátor geboren. Im Alter von elf Jahren wurde sie mit Franz Nádasy von Fogarasföld verlobt, vier Jahre später folgte die Hochzeit mit "einem der Einflussreichsten und Reichsten seiner Zeit", wie der ungarische Historiker Géza Pálffy erläutert. Nádasy gehörten Ländereien insbesondere in Westungarn, der heutigen Slowakei und Österreich - darunter die Burg Lockenhaus im Burgenland oder eben auch das Stadtdomizil in Wien.

Báthorys Gemahl soll "gute Beziehungen zu Wien gepflegt haben", sagt Pálffy. Nádasy spielte auch "in der Verteidigung im Zuge der Türkenkriege eine gewichtige Rolle". In diesen fiel er auch als besonders grausamer Feldherr auf und soll Kriegsgefangene gefoltert haben. Von Freunden und Verbündeten damals verehrt, was sich in der Bezeichnung des "weiland hochgeehrten und hochedlen Herrn Franz v. Nádasd, dieses um Reich und Vaterland sonst vielverdienten Mannes" widerspiegelt, soll er von seinen Feinden als "schwarzer Ritter" bezeichnet worden sein.

Deutlich mehr Aufmerksamkeit erntete aber Elisabeth: Der Jesuit László Turóczi beschäftigte sich in der "Tragica Historia" schon 1729 als erster mit ihrer Geschichte. Viel Aufmerksamkeit erhielten Freyherr von M-y’s "Elisabeth Báthory. Eine wahre Geschichte" von 1812 und Moritz Gans Roman in vier Bänden zu den "Geheimnisse der Schachtizburg" 1854. Auch Leopold von Sacher-Masoch soll sich von ihren Taten inspirieren lassen haben; Ferdinand Strobl von Ravelsberg entwarf 1894 ein "Sitten- und Characterbild", nannte sie als einer der ersten explizit "Blutgräfin" im Titel.




weiterlesen auf Seite 2 von 3




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-10-30 17:52:01
Letzte Änderung am 2018-10-30 18:15:40


Vor Gericht

Verbissen

Den verpflichtenden Hundeführschein für ihren Pitbull hat die Zweitangeklagte nicht gemacht (Symbolfoto). - © afp/Jack Guez Wien. Selbst nach Verhandlungsschluss kehrt keine Ruhe ein. Beschwerden hallen durch den Saal, Angeklagte und deren Angehörige umringen den... weiter




Prozess

Kritik an Verurteilung von Sigrid Maurer

GERICHTSVERHANDLUNG WEGEN †BLER NACHREDE: MAURER / WINDHAGER - © APAweb / Hans Punz Wien. Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten. "Eine rechtspolitische Sauerei" sei das Urteil, sagte Medienanwalt Michael Pilz... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Ehrung für kugelsichere Heiler
  2. Ein "gekrönter Schornstein" als Beleidigung guten Geschmackes
  3. Neue Rückgabeautomaten für Becher
  4. Bald ganze U6 klimatisiert
  5. Initiative will Weinsorte Zweigelt umbennen
Meistkommentiert
  1. Initiative will Weinsorte Zweigelt umbennen
  2. "Die FPÖ ist eine rassistische Partei"
  3. Debatte um Zukunft der Zweierlinie
  4. 50 Euro für Schlafsack und eine warme Mahlzeit
  5. Wien rückt ein Stück näher an Bratislava

Edip Sekowitsch

"Der Setschko war ein Fighter"

Den Sekowitschweg gibt es seit 2012 - doch jetzt wurde er offiziell eingeweiht und gesegnet. - © Schmölzer Wien. Wenn man ihn danach fragte, redete Edip Sekowitsch bereitwillig über seine alte Leidenschaft. Nur vom Äußeren her hätte dem Besitzer eines... weiter




Holzhochhaus

Hoch hinaus mit Holz

Das weltweit höchste Holzhochhaus entsteht in der Seestadt Aspern. - © RLP Ruediger Lainer und Partner Wien/Dornbirn. Das weltweit höchste Holzhochhaus soll in der Seestadt Apern entstehen. Seit mehr als einem Jahr wird an dem Bauwerk aus 24 Stockwerken... weiter




Geschichte

Bitte à la Giraffe!

Wildlife Animals - © Chris Van Lennep Wien. Die Geschichte fängt harmlos an: 1828 erhielt Kaiser Franz I. (II.) vom Vizekönig von Ägypten eine Giraffe, die dieser wiederum im Tiergarten... weiter






Werbung