Elisabeth Báthory ging unter der Bezeichnung Blutgräfin in die Geschichte ein. Schließlich soll sie bis zu 600 Dienstmädchen ermordet haben. - © Public Domain (Quelle: Wikimedia Commons)
Elisabeth Báthory ging unter der Bezeichnung Blutgräfin in die Geschichte ein. Schließlich soll sie bis zu 600 Dienstmädchen ermordet haben. - © Public Domain (Quelle: Wikimedia Commons)

Wien. Es ist ein schmuckloses Haus mit vier Geschoßen - nicht in der Blutgasse, sondern der Augustinerstraße. Die Spannung beim Eintreten durch das Tor steigt - bis einem bewusst wird, dass der Blick auf die dunkelbraunen Renaissance-Pawlatschen heute beeindruckender sein dürfte als damals durch die Fenster in den kopfsteingepflasterten Innenhof. Schließlich gibt es sie erst seit 1870.

Es ist auch weniger die Architektur, die das sogenannte Ungarische Haus oder Harnischhaus interessant macht, sondern eine seiner Bewohnerinnen, Elisabeth Báthory, die als Blutgräfin in die Geschichte einging. Deshalb machte sich ein Journalisten-Team auf die Suche nach Spuren, nicht nur mit Historikern, sondern auch vor Ort in ihrem Wiener Domizil. Die Autorin Gabriele Hasmann, die über geschichts- und spukträchtige Orte schreibt und die Vienna Ghosthunters, begleiteten die Truppe dabei, auch sich auf die Suche nach dem Geist der Báthory zu machen.

Ein "Schwarzer Ritter", um "Reich und Vaterland verdient"

Elisabeth Báthory wurde 1560 in Nyírbátor geboren. Im Alter von elf Jahren wurde sie mit Franz Nádasy von Fogarasföld verlobt, vier Jahre später folgte die Hochzeit mit "einem der Einflussreichsten und Reichsten seiner Zeit", wie der ungarische Historiker Géza Pálffy erläutert. Nádasy gehörten Ländereien insbesondere in Westungarn, der heutigen Slowakei und Österreich - darunter die Burg Lockenhaus im Burgenland oder eben auch das Stadtdomizil in Wien.

Báthorys Gemahl soll "gute Beziehungen zu Wien gepflegt haben", sagt Pálffy. Nádasy spielte auch "in der Verteidigung im Zuge der Türkenkriege eine gewichtige Rolle". In diesen fiel er auch als besonders grausamer Feldherr auf und soll Kriegsgefangene gefoltert haben. Von Freunden und Verbündeten damals verehrt, was sich in der Bezeichnung des "weiland hochgeehrten und hochedlen Herrn Franz v. Nádasd, dieses um Reich und Vaterland sonst vielverdienten Mannes" widerspiegelt, soll er von seinen Feinden als "schwarzer Ritter" bezeichnet worden sein.

Deutlich mehr Aufmerksamkeit erntete aber Elisabeth: Der Jesuit László Turóczi beschäftigte sich in der "Tragica Historia" schon 1729 als erster mit ihrer Geschichte. Viel Aufmerksamkeit erhielten Freyherr von M-y’s "Elisabeth Báthory. Eine wahre Geschichte" von 1812 und Moritz Gans Roman in vier Bänden zu den "Geheimnisse der Schachtizburg" 1854. Auch Leopold von Sacher-Masoch soll sich von ihren Taten inspirieren lassen haben; Ferdinand Strobl von Ravelsberg entwarf 1894 ein "Sitten- und Characterbild", nannte sie als einer der ersten explizit "Blutgräfin" im Titel.