• vom 04.11.2018, 08:00 Uhr

Stadtleben


Straßenbahn

Mit der Lizenz zum Sprayen




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Von Maren Häußermann

  • Graffiti-Künstler werden sogar von Wiener Behörden zum Einsatz gebeten.


© Patrick Broneder © Patrick Broneder

Wien. Paul Hoffman trägt eine Atemmaske und gegen den Wind eine Haube. So steht der 30-Jährige auf der Leiter, die Sprühdose in der Hand. Tröpfchen fliegen wie Nebel durch die Luft, als er beginnt, auf der 140 Meter langen Wand an der Linken Wienzeile "U4" aufzusprühen.

Wien ist eine graffitifreundliche Stadt. So haben sich auch die Wiener Linien für die unkonventionelle Kunstmethode entschieden und die Künstler der Concrete Graffiti Agency damit beauftragt, das weiße Trapezblech zu verschönern, das während der Bauarbeiten an der Haltestelle Pilgramgasse für mehrere Jahre als Absperrung dienen wird.


Hoch und runter, mit jeder Armbewegung trägt Hoffman Farbe auf. Grün und Lila, wie die beiden U-Bahnlinien, die sich bald hier kreuzen werden. Immer wieder steigt er von der Leiter herunter und tritt, wenn der Verkehr es erlaubt, ein paar Schritte zurück, um zu überprüfen, ob das Werk sich genauso entwickelt, wie es am Computer geplant wurde und nun als DIN-A4-Vorlage in seiner Hand liegt.


© Maren Häußermann © Maren Häußermann

Vier Tage dauert der Auftrag insgesamt. Mehrere Tage müssen die Künstler ihre Arbeit wegen schlechten Wetters unterbrechen. Eine Dose reicht für ungefähr 1,5 Quadratmeter Fläche. Bei dem Auftrag für die Wiener Linien verbrauchen die Graffitikünstler zirka 400 Dosen.

In der Stadt gibt es viele Flächen, auf denen das Sprayen erlaubt ist, am Donaukanal, entlang des Gumpendorfer Gürtels, in verschiedenen Parks und an Marktplätzen. Trotzdem werden auch immer wieder Flächen bemalt, ohne, dass die Besitzer dem zugestimmt haben. Dabei handelt es sich um Sachbeschädigung.

Graffiti schützen vor Graffiti
"Wenn eine Wand schon bemalt ist, ist es unwahrscheinlicher, dass jemand anderes darübermalt", erklärt Hoffman. Seit fünf, sechs Jahren verschönert er für Auftraggeber Garagentore, Fassaden und Wände in Büroräumen, Wohnzimmern oder Lofts. Obwohl man in der Branche die Werke der anderen respektiert, bieten die Graffiti-Künstler ihren Kunden auch immer Ausbesserungsarbeiten an. Und das Übermalen von Schmierereien, wie Hakenkreuzen, gehört auch zum Geschäft.

Ein Graffiti zu übermalen ist die einfachste Lösung, wenn es darum geht, eines zu entfernen. Das wissen auch die Mitarbeiter der Firma Graffiti Solutions. Zu zweit arbeiten die Männer Anfang 30 an einer Hausfassade in der Theobaldgasse, nahe der Mariahilfer Straße. Sie sind spezialisiert darauf, den perfekten Farbton zu mischen, sodass die betroffene Stelle am Ende nicht auf der von Witterung gezeichneten Hausfassade auffällt. Nachdem die Farbe angerührt ist, wird zwei Mal über den dunklen Schriftzug gemalt, bis davon nichts mehr zu sehen ist.

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Schlagwörter

Straßenbahn, Prater, Kaldy-Karo

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-11-02 16:31:08
Letzte Änderung am 2018-11-02 16:40:05


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