• vom 06.12.2013, 17:17 Uhr

Stadtleben

Update: 11.12.2013, 11:51 Uhr

Fälschermuseum

Wo Fälschen Kunst ist




  • Artikel
  • Lesenswert (2)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Thomas Trescher

  • Im Fälschermuseum erzählt Leiterin Diane Grobe die Geschichten hinter spektakulären Kunstfälschungen
  • Wenn Kopien deklariert sind, dürfen sie in Österreich gehandelt werden.

Wer findet den Unterschied? Eine Fälschung und ein Foto des Originals im Fälschermuseum.

Wer findet den Unterschied? Eine Fälschung und ein Foto des Originals im Fälschermuseum.© Puiu Wer findet den Unterschied? Eine Fälschung und ein Foto des Originals im Fälschermuseum.© Puiu

Wien. Zuerst war er Hitler, und später dann selbst Opfer von Fälschern. Bekannt wurde der Maler Konrad Kujau, weil er die 1983 vom deutschen Magazin "Stern" veröffentlichten Hitler-Tagebücher fälschte. Für den "Stern" die größte Schmach seiner Geschichte, für Kujau der Beginn einer Karriere als quasioffizieller Kunstfälscher - zumindest nach seiner Entlassung aus der Haft wegen Betrugs. Er verkaufte seine Kopien bekannter Gemälde als "Original Kujau-Fälschungen". Im 2004 gegründeten Fälschermuseum hängt mit Gustav Klimts "Danae" eine davon. Daneben drei Seiten aus den Hitler-Tagebüchern. Wobei: Es ist, wie sich 2006 herausstellte, eine Fälschung der Fälschung. Kujaus "Original Fälschungen" erzielten in Auktionen so hohe Preise, dass auch sie bereits gefälscht werden.

Information

Fälschermuseum
Löwengasse 28, 1030 Wien
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10–17 Uhr
Eintritt: 4,90 Euro (Erwachsene)
www.faelschermuseum.com


Damit bilden sie aber keine Ausnahme: "30 bis 40 Prozent der Bilder", die am Kunstmarkt gehandelt werden, "sind Fälschungen", sagt Diane Grobe, Leiterin des Museums im 3. Bezirk, gleich gegenüber dem Hundertwasser-Haus. Ihr Museum ist damit so etwas wie das Kunsthistorische Museum einer Parallelwelt, von der alle wissen, über die aber fast niemand genau Bescheid wissen will. "Es gibt schon Museen, wo man sich denkt: ,Wir wissen, warum du deine Hauptattraktion nie untersuchen lässt, du hast ja nur dieses Bild‘", sagt sie.

"Es war auch vor der Gründung das Schwierigste, Fälschungen zu finden - die meisten werden immer noch als Originale verkauft", sagt die 39-Jährige. Zu unterscheiden sei grundsätzlich zwischen einer Kopie und einer Fälschung, eine Kopie wird zu einer Fälschung, wenn sie nicht als solche deklariert ist und eine Betrugsabsicht dahintersteckt. Dazu kommen Stilfälschungen: Bilder im Stil eines Malers, zu denen es kein Original gibt, das aber als Bild des jeweiligen Malers ausgegeben wird. Han van Meegeren, der in den 1930ern Bilder im Stil des Barockmalers Jan Vermeer fälschte, "hat damals mehr für seine Fälschungen bekommen, als ein echter Vermeer gekostet hätte", erzählt die Grobe.

Den Anstoß zur Gründung des Museums gab die Lebensgeschichte des deutschen Kunstfälschers Edgar Mrugalla, den Grobe und ihr Mann Christian Rastner, der mit ihr das Museum betreibt, in Deutschland kennenlernten. Grobe hat Betriebswirtschaft studiert, ihr Mann ist Architekt, beide malen nebenbei.

"Bekloppte" Museen
Und waren fasziniert von der Welt der Fälscher. "Wir wollten aber raus aus diesem klassischen Museumsbetrieb. Normalerweise wird einem im Museum immer dazu erzählt, was sich der Künstler mit dem Werk vor hundert Jahren gedacht hat. Aber eigentlich weiß keine Sau, was sich der gedacht hat." Außerdem: "Wien hat so viele bekloppte Museen, da ist eines mehr oder weniger auch schon wurscht."

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2013-12-06 17:20:05
Letzte Änderung am 2013-12-11 11:51:25


Prozess

Kritik an Verurteilung von Sigrid Maurer

GERICHTSVERHANDLUNG WEGEN †BLER NACHREDE: MAURER / WINDHAGER - © APAweb / Hans Punz Wien. Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten. "Eine rechtspolitische Sauerei" sei das Urteil, sagte Medienanwalt Michael Pilz... weiter




Vor Gericht

Der vergessene Patient

Die Tür zum Zimmer von M. stand immer offen, hinein ging die Heimhilfe aber kaum. - © stock.adobe.com Wien. Als die Sanitäter kamen, war Herr M. nicht mehr ansprechbar. Verwahrlost lag er im verschmutzten Bett der Ehewohnung... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Verschwundene Straßennamen
  2. Die meisten wollen dann gar keinen Ferrari mehr
  3. Personalschwund am Altar
  4. Streit um Öffnung der Anrainerparkplätze im achten Bezirk
  5. ÖVP gegen neue Widmungskategorie geförderter Wohnbau
Meistkommentiert
  1. Wien soll 2027 Zwei-Millionen-Stadt werden
  2. Shoah-Gedenkmauer fix
  3. Jetzt schon vorweihnachtlich
  4. Das große Teilen auf der Straße
  5. Lichterbaum am Christkindlmarkt

Edip Sekowitsch

"Der Setschko war ein Fighter"

Den Sekowitschweg gibt es seit 2012 - doch jetzt wurde er offiziell eingeweiht und gesegnet. - © Schmölzer Wien. Wenn man ihn danach fragte, redete Edip Sekowitsch bereitwillig über seine alte Leidenschaft. Nur vom Äußeren her hätte dem Besitzer eines... weiter




Holzhochhaus

Hoch hinaus mit Holz

Das weltweit höchste Holzhochhaus entsteht in der Seestadt Aspern. - © RLP Ruediger Lainer und Partner Wien/Dornbirn. Das weltweit höchste Holzhochhaus soll in der Seestadt Apern entstehen. Seit mehr als einem Jahr wird an dem Bauwerk aus 24 Stockwerken... weiter




Geschichte

Bitte à la Giraffe!

Wildlife Animals - © Chris Van Lennep Wien. Die Geschichte fängt harmlos an: 1828 erhielt Kaiser Franz I. (II.) vom Vizekönig von Ägypten eine Giraffe, die dieser wiederum im Tiergarten... weiter






Kirche

Personalschwund am Altar

Personalschwund am Altar Wien/Berlin. Erschreckende Zahlen hat das Zentralkomitee der deutschen Katholiken jüngst veröffentlicht: Von den derzeit rund 13...

Lotto

Die meisten wollen dann gar keinen Ferrari mehr

Die meisten wollen dann gar keinen Ferrari mehr Wien. (aum) "Manche sagen schon, dass sie sich einen Ferrari kaufen oder sich einen anderen Kindheits- und Jugendtraum erfüllen wollen"...




Werbung