Wien. Karl Anton Leon Ludwig Graf Lanckoroński-Brzezie – der Name bezieht sich auf Besitzungen in Landskron (pol. Lanckorona) und Brzezie (keine deutschsprachige Bezeichnung) im heutigen Polen – war in den letzten Jahrzehnten der Donau-Monarchie einer der wichtigen kulturpolitischen Akteure, jedenfalls eine Persönlichkeit mit außergewöhnlicher Wirkungsvielfalt.

Die Polnische Akademie der Wissenschaften (Polska Akademia Nauk, PAN) widmete dieser Persönlichkeit eine internationale Konferenz, bei der sich zahlreiche Fachleute über die Person und das Schaffen des Lanckoroński austauschten.

Während der Name in Österreich bislang in Vergessenheit zu geraten drohte, genießt er in Polen sehr hohe Anerkennung. Das Ansehen der Lanckorońskis erhöhte sich dort in den letzten Jahren abermals, nachdem die 104-jährig verstorbene Lanckoroński-Tochter Karolina (1898 bis 2002), selbst renommierte Kunsthistorikerin und beliebte Widerstandskämpferin, die verbliebenen Kunstschätze ihres Vaters nach der Wende des Jahres 1989 dem Staat geschenkt hatte.

Es seien dies wertvollste Elemente der Sammlungen in den Königsschlössern Krakau ("Wawel") und Warschau, so PAN-Direktor Bogusław Dybaś, dem das ungewöhnliche demographische Detail auffällt, dass Vater und Tochter gemeinsam einen Zeitraum von 154 Jahren (1848 bis 2002) abdeckten.

Dybaś macht auch auf die "Lanckoroński-Stiftung" aufmerksam, welche für die Geisteswissenschaften sehr wichtig ist; sie fördert Projekte und Studierende der Archäologie, der Geschichte, der Kunstgeschichte etc.

Ein Leben in Wien

Lanckoroński wurde am 4. November 1848 in Wien als Österreicher in eine kunstsinnige Familie geboren, deren Wurzeln – ursprünglich von Frankreich nach Polen zugewandert – bis ins 12. Jahrhundert zurückzuverfolgen sind ("Herren von Brézé"). Die Bestätigung des österreichischen Reichsgrafenstandes erfolgte mit Dekret des Kaisers Josef II. im November 1783.

Seine Mutter war Leonia geb. Gräfin Potocka (1821 bis 1893). Neben Vater Kasimir (1802 bis 1874), höfischer Kämmerer und bekannter Kunstsammler, soll Onkel Karl Lanckoroński (1799 bis 1863), einflussreicher Großkämmerer und Hoftheater-Direktor, besonderen Einfluss auf den Jungen gehabt haben.

Karl wuchs in der elterlichen Wohnung auf, und zwar in der Wiener Schenkenstraße (Hausnummer 10), vormalige Bezeichnung "Hintere Schenkenstraße" (Hausnummer 51); ganz in der Nähe entstand später das Hauptgebäude der von ihm so geschätzten Universität Wien (Architekt Heinrich von Ferstel)