• vom 22.08.2014, 06:00 Uhr

Stadtleben


Mitten in Wien

Van Goghs mit Spraydose




  • Artikel
  • Lesenswert (16)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Cornelia Dlabaja

  • In der Burggasse 98 dürfen Graffiti-Künstler eine Häuserfassade gestalten. Ganz im Geiste von Friedensreich Hundertwasser erschaffen sie mitten im 7. Bezirk ihre kleine Stadt-Utopie.

Mut zur Andersartigkeit beweist Hauseigentümer Niklas Worisch mit seiner eigenwilligen Hausfassade in Neubau.

Mut zur Andersartigkeit beweist Hauseigentümer Niklas Worisch mit seiner eigenwilligen Hausfassade in Neubau.© Dlabaja Mut zur Andersartigkeit beweist Hauseigentümer Niklas Worisch mit seiner eigenwilligen Hausfassade in Neubau.© Dlabaja

Wien. Wer im 7. Bezirk wohnt oder auf seinem Weg in die Arbeit daran vorbeifährt, dem mag eine Veränderung aufgefallen sein, was die Gestaltung der Burggasse 98 anbelangt. Man kann sagen, es wurde nicht gekleckert, sondern geklotzt. Die Fassade des 1910 erbauten Gründerzeitbaus wurde nämlich innerhalb von vier Tagen zur Leinwand für das Kunstprojekt Burggasse 98.

Der Miteigentümer, Bewohner und Initiator des Projekts Niklas Worisch lud eine Reihe von Wiener Street-Art-Künstlern ein, die Hausfassade umzugestalten, und diese kamen auch. Namentlich die Wiener Irga-Irga-Crew: die Künstler Knarf, Mafia und Freshmax. Ganz legal versteht sich, weil ja auf Einladung des Eigentümers. "Macht die Häuser bunt, die Wände zu euren, Schluss mit dem Einheitsbrei", könnte das Motto des Kunstprojekts Burggasse 98 lauten. Die Fassade wirkt gegenwärtig wie eine Bild gewordene Provokation neben den anderen grauen oder verblassten Häuserfronten.

Worisch selbst ist auch Künstler und macht seit mehr als zehn Jahren Street Art, kuratiert die Wand des Wohnhauses und hat auch daran mitgearbeitet. Seit der Umgestaltung verschmilzt die gründerzeitliche Fassade förmlich mit der in Grau-, Schwarz- und Weißtönen gehaltenen Street-Art-Kunst im Sgraffito-Stil.

Ein Fenster in der Länge des Ellbogens
Für den jungen Künstler ist es wichtig, dass sich alles im rechtlichen Rahmen bewegt, was rund um die Burggasse 98 passiert, dennoch steckt ein revolutionäres Moment in dem Gedanken, Wiens Fassaden ein wenig bunter, im Sinne von anders, zu machen. Auf die Frage nach dem "Recht auf Stadt" erzählt Worisch von dem "Fensterrecht", einer Stadtutopie, die auf den Künstler Friedensreich Hundertwasser zurückgeht. Dieser forderte, dass jeder Bewohner das Recht darauf haben sollte, sein Fenster bis zur Länge des Ellbogens zu gestalten, um andere, vielfältigere Stadtbilder möglich zu machen. Hundertwasser ging in seiner Betrachtung noch weiter und sprach vom Haus als "dritter Haut" des Menschen, weshalb sie auch von ihm selbst gestaltet werden soll. Somit wird Hundertwassers Idee mit dem Projekt ein Stück weit zur Wirklichkeit.

"Die Fassade muss nicht allen gefallen", meint Worisch im Gespräch. Es geht ihm darum, dass "die Leute darüber diskutieren und nicht einfach sagen, das finde ich schlecht, sondern sich damit auseinandersetzen." Falls sich nun die Frage auftut, wie das die Bewohner so finden und ob da vielleicht ein Immobilienspekulant dahinter steckt: Nein, auch die Bewohner sind von dem Kunstprojekt begeistert und stehen dahinter. Was zum einen damit zusammenhängt, dass das Haus im Familienbesitz ist und zum anderen damit, dass sich die Bewohner in dem kleinen Mietshaus alle gut kennen.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2014-08-21 16:59:07
Letzte Änderung am 2014-08-21 17:02:28



Vor Gericht

Toter Rekrut: Angeklagter blitzt bei OGH ab

Im Jänner 2018 wurde in der Kaserne in der Leopoldstadt eine Tatrekonstruktion durchgeführt. - © apa/Punz Wien. Der Fall eines Soldaten, der am 9. Oktober 2017 einen 20 Jahre alten Rekruten in einer Wiener Kaserne erschossen haben soll... weiter




Vor Gericht

Der Elfenbeinsammler

Immer wieder werden im Kampf gegen illegale Wilderer beschlagnahmte Elefantenstoßzähne verbrannt (hier in einem Nationalpark in Nairobi). - © afp Wien. "Ich bin ein Sammler", sagt Herr B. Erzählt er über seine Leidenschaft, gerät er ins Schwärmen. Immer wieder tausche er seine Stücke aus - "so... weiter





Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Ludwigs To-do-Liste
  2. Alles, nur kein Balkonmuppet
  3. Grünes Licht für Lobautunnel
  4. Hoch hinaus mit Holz
  5. OLG Wien warnt vor betrügerischen Anrufen
Meistkommentiert
  1. Vernichtendes Urteil für KAV
  2. Ludwigs To-do-Liste
  3. Toter Rekrut: Angeklagter blitzt bei OGH ab
  4. Der Klinkenputzer
  5. "Ein bisschen höhere Einnahmen"

Schilling

Der unkaputtbare Schilling

Heinz Sommer bekommt noch immer circa 1000 Schilling im Monat von den Gästen. - © Ch. Maconochie Wien. In seinem Jubiläumsjahr also wird Otto Wagner aus dem Verkehr gezogen - zumindest monetär: Die 500-Schilling-Note mit dem Wagner-Konterfei kann... weiter




Uber

Wien macht gegen Online-Giganten mobil

- © WZ-Illustration:Fotolia/mast3r Wien. Andreas hatte es schon einmal einfacher. Mitten in der Nacht brettert der Taxilenker mit seinem alten Mercedes über die menschenleere... weiter




Max Catering

Der Geschmack von Schule

- © Max Catering Wien. Drei Männer mit hellblauer Plastikhaube auf dem Kopf stehen vor großen silbernen Kochformen. Einer hält einen Schöpfer so groß wie ein Fußball... weiter






Religion

Kein Osterhase, aber bunte Eier

Kein Osterhase, aber bunte Eier Wien. Während vorigen Sonntag in den katholischen Gotteshäusern Hochämter zum Ostersonntag gehalten wurden, war für die orthodoxe Christenheit an...

Religion

"Es braucht einfach viel Geduld"

"Es braucht einfach viel Geduld" Wien. Die Leiterin des Pastoralamts der Erzdiözese Wien, Veronika Prüller-Jagenteufel, nimmt demnächst Abschied: Die 52-Jährige wechselt Ende August...



Haus des Meeres

Klapperschlangen überraschen mit Nachwuchs

20180419Klapperschlange - © Haus des Meeres/Günther Hulla Wien. Das Uracoan-Klapperschlangenpärchen hat im Wiener Haus des Meeres in der Vorwoche mit Nachwuchs überrascht. Nachdem diese aus einem kleinen... weiter




Staatsbesuch

Ein Panda für Schönbrunn?

20180408panda - © APAweb/AP, Drew Fellman Peking/Wien. Bekommt Schönbrunn einen neuen Panda aus China? Bundespräsident Alexander Van der Bellen ist diesbezüglich jedenfalls guter Hoffnung... weiter