• vom 11.09.2009, 17:22 Uhr

Stadtleben

Update: 11.09.2009, 17:28 Uhr

Eine Generation von Gastarbeitern gibt das Zepter weiter: Nachkommen punkten als Nahversorger und Arbeitgeber

Mit Geschäftssinn gegen Vorurteile




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Die Geschäftsleute aus dem Orient schlüpfen dabei nicht nur in die Rolle des Nahversorgers für das Grätzel, sondern vor allem für ihre Landeskollegen.

Ein Beispiel ist die Supermarktkette "Etsan", die in den 80er Jahren von der Familie Ünal auf die Beine gestellt wurde und heute in Österreich 120 Mitarbeiter beschäftigt. In 14 Filialen verkauft der Familienbetrieb Produkte, die viele Migranten aus ihrer früheren Heimat kennen - von türkischen Teesorten über 3-Kilo-Joghurtpackungen bis hin zum "halal" - nach islamischen Regeln - geschlachtetem Fleisch.

Neben Supermärkten und Wiener Restaurants wie dem "Kent" oder dem "Etap" haben es einige Einwanderer auch mit Bäckereien zu Ruhm gebracht: Ofenwarmes Fladenbrot und orientalische, honigsüße Leckereien wie Baklava gibt es etwa bei der Bäckerei Gül. Sie betreibt vier Filialen mit 43 Angestellten und beliefert zusätzlich die türkische Gastronomie.

Der Auftritt entscheidet

Mit der dritten heranwachsenen Einwanderer-Generation bekommt das türkische Unternehmertum eine neue Triebfeder, glaubt Reisebüro-Chef Gönül. Während die Einwanderer einst mit mühseligen Auflagen und Behördengängen überfordert waren, gebe es heute Hilfe von türkischsprechenden Rechtsanwälten, Übersetzern und Steuerberatern. Über die Jahre gleich geblieben seien hingegen der unternehmerische Mut und das Selbstbewusstsein.

"Woher ich komme, ist den Käufern egal", sagt etwa der 32-jährige Adem Köse gelassen. Die Käufer, das sind im Fall des gelernten Installateurs hauptsächlich Österreicher, die sich in seinem modernen Installationsgeschäft mit Designer-Waschbecken eindecken oder verchromte Armaturen reparieren lassen. Sein Vater war Bauer in Anatolien, Köse selbst kam mit zwölf Jahren nach Österreich und absolvierte Unternehmer-Kurse, bevor er sich vor fünf Jahren mit dem Bruder selbständig machte. Über seine Geschäftsphilosophie sagt er kurz: "Man muss sich richtig ausdrücken können und die Kunden zufrieden stellen - im Prinzip alles, was für österreichische Geschäftsleute auch gilt."

Wissen

In Österreich leben laut Statistik rund 220.000 Türken, wovon geschätzte 100.000 die österreichische Staatsbürgerschaft besitzen. In Wien alleine haben sich 100.000 Türken niedergelassen. 2008 waren in der Bundeshauptstadt 1,7 Prozent aller Unternehmensgründer türkische Staatsbürger. Die häufigsten Gründer-Bereiche: Gastronomie, Lebensmitteleinzelhandel, Bekleidungsgewerbe, Kleintransporte sowie Elektrogeräte-Handel.

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2009-09-11 17:22:02
Letzte Änderung am 2009-09-11 17:28:00


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