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Wien. "Meine Tochter Lisa ist mit schwerem Sauerstoffmangel zur Welt gekommen. Sie musste ihr ganzes Leben lang künstlich beatmet und sondiert werden, weil sie nicht selbstständig essen und trinken konnte", sagt ihre Mutter Sabine Reisinger. Das Familienleben hat sich schlagartig geändert und fand zu einem sehr großen Teil auf der Intensivstation im Krankenhaus statt. Nach 66 Tagen starb die kleine Lisa und Sabine Reisinger wusste, dass sich ihr Leben sehr verändern würde.

Noch während Sabine Reisinger um ihre verstorbene Tochter trauerte, fasste sie den Entschluss eine Ausbildung zur Lebens- und Sozialberaterin zu machen. Sie wollte Eltern und Familien zur Seite stehen, die ein palliativ erkranktes oder bereits verstorbenes Kind haben. "Palliativ erkrankt bedeutet, dass eine Krankheit nicht heilbar ist und zum Tode führt. Die erkrankten Kinder werden das Erwachsenenalter mit großer Wahrscheinlichkeit nicht erreichen", sagt Reisinger. Die Kinder haben oft chronische Erkrankungen, geistige oder körperliche Behinderungen, standen kurz vor dem Ertrinkungstod, oder leiden an nicht heilbarem Krebs. In Wien habe es damals keine Unterstützung oder Begleitung für solche Familien gegeben. "Die Kinder waren oft für sehr lange Zeit im Krankenhaus und sind dort auch gestorben", sagt die Lebens- und Sozialberaterin. Sie eröffnete eine Praxis und begann in Einzelgesprächen und Gruppeneinheiten die Erlebnisse betroffener Familien aufzuarbeiten. Im Jahr 2005 bekam sie einen Anruf von der Palliativmedizinerin Brigitte Humer-Tischler. "Sie war lange Zeit in Afrika und sie erzählte mir, wie dort mit palliativ erkrankten Kindern, umgegangen wird", sagt Reisinger. Die Kinder werden zu Hause medizinisch versorgt und gepflegt. "Sie sterben in den Armen ihrer Mütter", erzählt Reisinger weiter.

Seitdem sind zehn Jahre vergangen und in diesen zehn Jahren hat Sabine Reisinger gemeinsam mit Brigitte Humer-Tischler das mobile Kinderhospiz "Netz" aufgebaut. "Am Anfang mussten wir sehr viel Aufklärungsarbeit in den Spitälern, bei niedergelassenen Ärzten und der Öffentlichkeit leisten, um ein Bewusstsein für diese Problematik zu schaffen", sagt Reisinger zur "Wiener Zeitung". Mittlerweile hat sich eine große Organisation aus mehr als 40 ehrenamtlichen Mitarbeitern, drei Ärzten und Pflegepersonen, einer Sozialarbeiterin, einer Kindergartenpädagogin, einigen Lebensberaterinnen und einer Therapeutin für tiergestützte Anwendungen entwickelt, die den betroffenen Familien zu Hause in ihrem Alltag helfen.