• vom 04.04.2017, 00:11 Uhr

Wien

Update: 13.02.2018, 10:04 Uhr

Leopoldau

Gaswerksabfall als Wohnbaukiller?




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Von Alexander Maurer

  • Die FPÖ fordert eine Umweltverträglichkeitsprüfung für das Wohnprojekt Neu-Leopoldau wegen Bodenkontaminierung. Laut Projektbetreibern besteht für Anrainer auf dem Gebiet des ehemaligen Gaswerks aber "absolut kein Grund zur Sorge".

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© Wien Media Flug 2007 © Wien Media Flug 2007

Wien. In den kommenden Jahren sollen rund 1400 neue Wohnungen in Floridsdorf entstehen. Unter dem Namen "Neu Leopoldau" soll vor allem junges Wohnen gefördert werden, inklusive Grünanlagen und Radwegen. Klingt doch eigentlich ganz toll, oder?

"Hierbei handelt es sich aber um eine Bilderbuchlandschaft mit einem gravierenden Haken", meint FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus Montagvormittag vor Pressevertretern. Nicht das Projekt selbst, aber der Bauort stößt den Freiheitlichen ziemlich sauer auf. Dort stand nämlich von 1911 bis 1969 das Gaswerk Leopoldau.


Sowohl während des laufenden Betriebs als auch besonders durch Bombentreffer am Ende des Zweiten Weltkriegs sind auf dem Areal Giftstoffe als Nebenprodukt der Gaserzeugung in den Grund gelangt. Laut Bericht des Umweltbundesamts befinden sich vor allem Cyanid und die als bedenklich angesehenen polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe in der Erde. Auch wurden Produktionsreste in Gruben verschüttet. Die Freiheitlichen fordern eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für das gesamte Areal, bevor mit dem Bau begonnen wird.

Umweltverträglichkeitsprüfung
wurde abgelehnt

Auf dem Gebiet des einstigen Gaskraftwerks Leopoldau (rechts) sollen 1400 Wohnungen entstehen. Der Boden ist aber noch kontaminiert.

Auf dem Gebiet des einstigen Gaskraftwerks Leopoldau (rechts) sollen 1400 Wohnungen entstehen. Der Boden ist aber noch kontaminiert.© oln.at Auf dem Gebiet des einstigen Gaskraftwerks Leopoldau (rechts) sollen 1400 Wohnungen entstehen. Der Boden ist aber noch kontaminiert.© oln.at

Eine bereits im September 2016 erfolgte diesbezügliche Forderung der Blauen wurde laut Floridsdorfer FP-Bezirksrat Michael Niegl sowohl von Bürgermeister Michael Häupl als auch Umweltstadträtin Ulli Sima abgelehnt. Im Fall des Bürgermeisters wurde damit argumentiert, dass die rechtlichen Voraussetzungen für eine UVP nicht vorlägen. Im Büro von Ulli Sima stützte man sich auf einen Bericht des Bundesumweltamts aus dem Jahr 2013, der das Gebiet des ehemaligen Gaskraftwerks als "gesichert" einstufte.

Zwischen 2004 und 2006 wurden mittels Doppelkammerdichtwänden das Kerngebiet des Areals abgedichtet sowie das Grundwasser mittels Sperrbrunnen geschützt. Auch der rote Umweltausschussvorsitzende Erich Valentin betont, dass das Areal gesichert sei, und wirft den Blauen "ungeheuerliche Angst- und Panikmache der übelsten Art" vor.

Gesichert bedeute aber nicht saniert, kritisiert Niegl. Außerdem hätten die Freiheitlichen nicht Bedenken wegen des Grundwassers, sondern der noch im Untergrund befindlichen Schadstoffe, die an die Oberfläche gelangen könnten. Niegl befürchtet, dass Giftstoffe durch Wasserrohrbrüche hochgeschwemmt oder durch Pflanzen hochgesaugt werden könnten. Bei finanzieller oder technischer Unmöglichkeit der Sanierung fordern die Freiheitlichen den Stopp des Projekts.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-04-03 19:09:11
Letzte Änderung am 2018-02-13 10:04:41


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