• vom 22.02.2018, 20:10 Uhr

Wien

Update: 23.02.2018, 07:55 Uhr

Tradition

Bröckelnde Nostalgie




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Von Arian Faal

  • Immer mehr Alt-Wiener Kaffeehäuser schließen ihre Pforten, obwohl die Tradition längst zum Weltkulturerbe zählt.

Das Café Sperl läuft - noch - gut. - © Stanislav Jenis

Das Café Sperl läuft - noch - gut. © Stanislav Jenis

Wien. Sie gehören zu Wien wie der Stephansdom, das Riesenrad und das imperiale Erbe mit den Ringstraßenbauten: die traditionellen Kaffeehäuser, um die Wien die ganze Welt beneidet. Doch werden diese Juwelen wie das Prückel, das Landtmann, das Hawelka, das Sperl, das Hummel und das Raimund, um nur einige zu nennen, auch weiterhin viele Generationen von Wienern und Touristen mit ihrem einzigartigen Flair anziehen?

Mehr als 30 Schließungen in den vergangenen 20 Jahren
Es bleibt offen. Denn man muss auch den Wandel der Zeit miteinkalkulieren. In einer Stress- und Kommerzgesellschaft, in der zwar weiterhin viele Menschen miteinander ins Café gehen, aber oft kaum ein Wort miteinander gewechselt wird, weil sich jeder in sein Smartphone vertieft, haben sich die Prioritäten verändert. Der Mensch kommt weniger zur Ruhe. Außerdem schrillen bei den Fans der traditionellen Cafés die Alarmglocken, wenn man ihnen sagt, dass in den vergangenen 20 Jahren mehr als 30 urige Traditionskaffeehäuser für immer ihre Pforten geschlossen haben. Die Gründe sind mannigfaltig. Einmal wird die Miete exorbitant erhöht und macht eine Weiterführung unmöglich. Dann wiederum gibt es Todesfälle in der Geschäftsführung beziehungsweise sind die Erben nach dem Ableben des Inhabers nicht mehr interessiert, das Stück Wiener Kaffeehauskultur weiterzuführen. Und schließlich scheitern einige Kaffeehäuser auch an den immer höheren Auflagen - Stichwort Betriebsanlagengenehmigung, Registrierkasse und Rauchverbot - durch die Behörden.


Von vielen Stammlokalen der Wiener sind nun nur noch die Erinnerungen erhalten. Zumindest das Café Schottenring und das Café Industrie gibt es in der virtuellen Welt noch. Das Servus und das Griensteidl hingegen sind auch online Geschichte.

Was macht das Alt-Wiener-Kaffeehaus aus? Ist es die Besonderheit, dass man seinen Kaffee wie vor hundert Jahren in den "Pferdeboxen", auf den kleinen, originalen Fensterbänken, genießen kann? Oder ist es der grantige Ober im Sperl? Die abgenutzten Möbel im Weidinger? Das Pianino im Ritter? Die Nikotin-Patina an der Decke des Kafka?

Es ist wohl eher die Wiener Gemütlichkeit, die sich breitmacht. Eilig hat es keiner. An diesen idyllischen Orten scheint auch heute noch die Zeit still zu stehen. Man versucht, das Flair aus einer längst vergangenen Zeit noch aufrechtzuerhalten. Restaurationen werden vermieden oder nur sehr behutsam durchgeführt. Das Geheimnis ist der Hauch Nostalgie, der sich mit dem "früher war alles besser" verbindet.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-02-22 16:14:42
Letzte Änderung am 2018-02-23 07:55:02


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