Wohnstraßen müssten auffallender gestaltet werden, um sie auch anders nutzen zu können, sagt Preisträgerin Sylvia Kostenzer. - © Departure
Wohnstraßen müssten auffallender gestaltet werden, um sie auch anders nutzen zu können, sagt Preisträgerin Sylvia Kostenzer. - © Departure

Wien. Was würden Kinder, die in einer Stadt leben, brauchen? Was würde ihre Lebensqualität verbessern? Diese Gedanken machten sich rund 100 Experten aus unterschiedlichen Fachgebieten anlässlich des Ideenwettbewerbs "Kinder, Kinder!" der Wirtschaftsagentur Wien. Gestern, Donnerstag, wurden die Gewinner, von einer Fachjury ermittelt, präsentiert.

Aus den insgesamt 92 Einreichungen wurden drei Gewinner auserwählt. Der 1. Preis ging mit 7000 Euro an Sylvia Kostenzer für ihre Idee "Remake Wohnstraße". Die Kommunikationsdesignerin erklärt die Wohnstraße zur Spielzone. Mit einer auffälligen Bodenmarkierung soll sich ihr Projekt von einer herkömmlichen Wohnstraße unterscheiden. "In meiner unmittelbaren Wohnumgebung wurde zu Schulbeginn eine Nebenstraße zur Wohnstraße, ganz klassisch mit Schwellen und Hinweistafeln. Hier konnte man wunderbar beobachten, dass das Konzept Wohnstraße, so wie es ist, nicht funktioniert", sagte sie zur "Wiener Zeitung". Autos würden deutlich schneller als 5 Kilometer pro Stunde durchfahren und die Kinder nützten die Straße dann nicht als Spielfläche.

Nebenstraßen zurückbauen

Mit der auffälligen Bodenmarkierung soll dem Autoverkehr signalisiert werden, dass hier etwas anders ist, "und für Kinder sollte es eine optische Einladung sein, die Straße zu nutzen", so Designerin Kostenzer. "Meine Vision zur Wohnstraße ist die, dass man generell die Straßen wieder mehr zu Lebensräumen machen könnte. Ich würde Nebenstraßen sukzessive wieder zurückbauen und begrünen. Das würde viel mehr Lebensqualität für die Anrainer bedeuten", so Kostenzer.

Der 2. Preis ging mit 5000 Euro und mit einem Publikumspreis von 1500 Euro an Alec Hager aus Wien. Er kreierte auf dem Papier einen Radspielplatz. Dieser soll Kinder und Jugendliche auf das Radfahren als Selbstverständlichkeit einstimmen. Der Fahrradexperte hat sich überlegt, wie es zu schaffen wäre, Kindern mehr Bewegung zu ermöglichen. Die Gestaltung des Spielplatzes nimmt dabei auf reale Gegebenheiten des Fahrradalltags Bezug und bietet die unterschiedlichsten "Stolpersteine". "Der Spielplatz ist ein spielerisches Labor, um Radfahren zu lernen, für alle frei benutzbar, offen und mit Leihrädern", so Hager.

Eine crossmediale App aus Deutschland bekam mit 2500 Euro den 3. Preis des Wettbewerbs verliehen. Die Journalistin Anke M. Leitzgen und der Softwareentwickler Bruno Jennrich schufen #stadtsache, eine App, welche die Stadt aus der Perspektive von Kindern und Jugendlichen zeigt. Die App soll die junge Generation dazu einladen, ihren Alltag in der Stadt zu dokumentieren und kommentieren. Die Kinder würden so zu Stadtexperten und eine Stimme verliehen bekommen. Ausgangspunkt sei ein Buch gewesen, welches Leitzgen geschrieben hatte. Dazu wurden mit Kindern Fotos und Videos produziert. "Wir wollten diese Daten für alle nutzbar machen", so Leitzgen.

Die Gewinnerprojekte sollen laut Gerhard Hirczi, Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur Wien, nicht in der Schublade verschwinden. "Wir wollen nicht nur Ideen abrufen, sondern auch bei deren Umsetzung aktiv mithelfen, etwa durch Vernetzung mit geeigneten Partnern", betonte er.