• vom 19.04.2018, 23:02 Uhr

Wien

Update: 20.04.2018, 08:21 Uhr

Schilling

Der unkaputtbare Schilling




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (4)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Clemens Marschall

  • Am 20. April wird eine weitere Schilling-Serie wertlos, doch ganz umbringen lässt sich die alte Währung nicht.



Heinz Sommer bekommt noch immer circa 1000 Schilling im Monat von den Gästen.

Heinz Sommer bekommt noch immer circa 1000 Schilling im Monat von den Gästen.© Ch. Maconochie Heinz Sommer bekommt noch immer circa 1000 Schilling im Monat von den Gästen.© Ch. Maconochie

Wien. In seinem Jubiläumsjahr also wird Otto Wagner aus dem Verkehr gezogen - zumindest monetär: Die 500-Schilling-Note mit dem Wagner-Konterfei kann man noch bis heute, 20. April, umtauschen - danach ist sie wertlos. Genau wie der Erwin-Schrödinger-Tausender. Beide Banknoten wurden 1998 durch neue ersetzt und erhielten eine Umtauschfrist von 20 Jahren. Sie wären also auch ohne den Euro 2018 abgelaufen. Die letztgedruckte Schilling-Serie kann man zeitlich unbegrenzt bei der Oesterreichischen Nationalbank umtauschen.

Doch nicht nur dort ist der Schilling noch was wert, auch wenn man vielleicht meinen würde, dass es sich langsam "ausgeschillingt" hätte: Immerhin rechnet Österreich seit 1. Jänner 2002 in Euro. Da aber das Schnitzelland oft wie ein gallisches Dorf gewisse Entwicklungen galant aufschiebt ("Wenn die Welt einmal untergehen sollte, ziehe ich nach Wien, denn dort passiert alles 50 Jahre später." Zitat: Gustav Mahler), wird der Schilling hier noch immer akzeptiert und praktiziert. Zwar nicht großflächig, aber konsequent.

Im Café Sperlhof kann man noch immer in Schilling bezahlen.

Im Café Sperlhof kann man noch immer in Schilling bezahlen.© Ch. Maconochie Im Café Sperlhof kann man noch immer in Schilling bezahlen.© Ch. Maconochie

Yermeina Shah Gholi etwa betreibt einen "1-Euro-Shop" am Floridsdorfer Spitz - und akzeptiert trotz des Geschäftsnamens noch immer Schillinge. "Circa einer pro Woche zahlt mit dem Schilling", sagt sie. Diese Schilling-Frequenz hat auch das gemütliche Café Sperlhof im 2. Bezirk, wo seit dem Wechsel zum Euro zwei Währungen akzeptiert werden. Der Inhaber Heinz Sommer sagt: "Ganz am Anfang haben wir unglaublich viele Schillinge bekommen, jetzt sind es eher kleinere Summen, im Monat circa 1000. Aber früher sind oft ganze Schulen gekommen, weil es sich herumgesprochen hat, dass wir Schillinge nehmen, und die haben dann Billard damit gespielt. Das ist vorbei."

Früher musste Sommer mehrmals im Monat zur Bank - heute nur noch dreimal im Jahr, sagt er: "Aber es hat schon sehr viele skurrile Erlebnisse gegeben. In Salzburg hat jemand noch Schillinge gehabt und in der Zeitung gelesen, dass wir sie noch nehmen. Die haben gesagt: ‚Um das Geld machen wir uns einen schönen Abend im Kaffeehaus!‘ Da war die ganze Familie da, eine ganze Menge Leute, und die haben die Schillinge bei uns am Schädl gehaut", sagt Sommer und lacht. "Und einen Polizisten hab ich gehabt, der hat mir zwei Jahre sehr viele Schillinge in Euro abgekauft, weil er dachte, dass der Schilling wieder zurückkommt. Aber irgendwann hat er aufgegeben, jetzt kommt er nicht mehr."

Miroslav Petrovic, der Geschäftsführer vom Bierometer im Gasometer und vom Bierometer 2 am Margaretenplatz, reiht sich für kurze Zeit in die Schilling-Tradition ein und sagt: "Wir haben schon einmal vor zehn Jahren den Schilling wieder akzeptiert, und jetzt machen wir das wieder, vom 20. April bis Ende Juni."




weiterlesen auf Seite 2 von 2




1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-19 17:36:22
Letzte Änderung am 2018-04-20 08:21:05


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Angstfrei punschen
  2. Positive Erfahrungen mit Zivildienern in Kindergärten
  3. Wiener Handel klagt über Demos am Ring
  4. Wo sich der Fuchs zuhause fühlt
  5. Ein "gekrönter Schornstein" als Beleidigung guten Geschmackes
Meistkommentiert
  1. Initiative will Weinsorte Zweigelt umbennen
  2. Wiener Handel klagt über Demos am Ring
  3. "Die FPÖ ist eine rassistische Partei"
  4. Debatte um Zukunft der Zweierlinie
  5. 50 Euro für Schlafsack und eine warme Mahlzeit

Werbung



Innere Stadt

Noch kein Fort Knox

Älteste Kirche von Wien, die Ruprechtskirche, Schwedenplatz, Kohlmarkt, Dirndln auf der Kärntner Straße, Vivienne-Westwood-Shop in der Tuchlauben v.l.n.r. - © Ina Weber Wien. Ist man kein Anzugträger und wohnt dennoch im 1. Bezirk, kommt die Antwort auf die Frage nach dem Wohnort fast einem Geständnis gleich... weiter





Kaiserin Elisabeth

Der ewige Mythos

- © Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H./Alexander Eugen Koller Wien. Audienzen? Langweilig. Etikette? Nein, bloß nicht. Leben in einem Schloss mit Saus und Braus, dafür aber nach strengem Protokoll... weiter





Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Andreas Gabalier: Im Rausch der Zeit
  2. EU beschließt schärfere CO2-Grenzen für Neuwagen
  3. Immer noch schärfer
  4. Angst vor Weihnachten
Meistkommentiert
  1. Andreas Gabalier: Im Rausch der Zeit
  2. Anordnung für Drasenhofen direkt von Waldhäusl
  3. Regierung erwägt nächtliche "Anwesenheitspflicht" für Asylwerber
  4. Was genau im Klimaabkommen steht


Werbung