• vom 13.06.2018, 17:59 Uhr

Wien

Update: 14.06.2018, 08:56 Uhr

Edip Sekowitsch

"Der Setschko war ein Fighter"




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Von Alexander U. Mathé und Michael Schmölzer

  • Offizielle Einweihung des nach der Boxlegende Edip Sekowitsch benannten Weges.

Den Sekowitschweg gibt es seit 2012 - doch jetzt wurde er offiziell eingeweiht und gesegnet. - © Schmölzer

Den Sekowitschweg gibt es seit 2012 - doch jetzt wurde er offiziell eingeweiht und gesegnet. © Schmölzer

Wien. Wenn man ihn danach fragte, redete Edip Sekowitsch bereitwillig über seine alte Leidenschaft. Nur vom Äußeren her hätte dem Besitzer eines Wiedner Lokals kaum jemand zugetraut, österreichischer und europäischer Boxmeister und sogar Weltmeister gewesen zu sein. Freundlich, meist lächelnd, bediente der Mann mit dem Dackelblick seine Gäste. Doch über der Bar des "Champ’s Pub" war ein Fernseher montiert. Dort liefen meist zweit- oder drittklassige Boxkämpfe. Und da konnte es vorkommen, dass der "Stier von Serbien" grantig wurde.

"Entweder ich box’ oder ich box’ nicht. Ordentlich, verstehst? Bis zur Entscheidung", sagte Edip einmal, als ein Kämpfer ohne ersichtlichen Grund w.o. gab. "Wieso hört der auf? Das ist nicht sportlich." An dieses Credo hielt sich Sekowitsch auch als aktiver Sportler: Auffällig oft siegte er durch k.o., auffällig oft verlor er durch k.o. "Der Setschko war ein Fighter", sagte sein ehemaliger Manager, Peter Pospichal, am Mittwoch. Da wurde der nach ihm benannte Weg in der Donaustadt offiziell eingeweiht. "Die Leute haben gewusst, wenn er antritt, wird es blutig", so Pospichal. An die Zuschauer in der ersten Reihe seien sogar Plastikschürzen ausgeteilt worden, um die schwer tilgbaren Flecken zu vermeiden.

Irgendwann wurde Sekowitsch zum fleischgewordenen Klischee des gealterten Boxers und machte eine Bar auf. Das "Ring Frei" lief gut und wurde später zum "Champ’s Pub" erweitert. Wenn es um Cevapcici geht, dann ist grundsätzlich jeder, der in Ex-Jugoslawien verwurzelt ist, überzeugt, dass die seinen (oder zumindest Mamas) die "besten" sind. Doch bei Edips "Cevapcici nach einem Familienrezept" waren sich die meisten einig, dass auch hier Sekowitsch zu Recht den Titel für sich beanspruchte. "Ja", antwortete er einmal mit einem Schmunzeln, als er gefragt wurde, ob er die auch tatsächlich selbst mache.

Kinder erinnerten an Edips Botschaft.

Kinder erinnerten an Edips Botschaft.© Michael Schmölzer Kinder erinnerten an Edips Botschaft.© Michael Schmölzer

Einmal erzählte ihm ein Gast, dass ihn seine Familie vor dem Lokal gewarnt hatte. "Die ham gsagt: ‚Da konnst net hiegehn, in a Girtelhittn mitten in da Nocht!‘" Daraufhin wies Edip auf ein paar kräftige junge Männer, die gerade vom Training im angeschlossenen Boxclub kamen: "Geh. Glaubst da fangt einer ein Wickel an, wenn er die sieht? Hier brauchst di net fürchten. Hier ist der sicherste Platz vom ganzen Gürtel."

Und doch sollte schließlich durch einen unglücklichen Zufall genau der Ort, den er für den sichersten hielt, tödlich für ihn werden. Ein Mann, der seinen Zug am Südbahnhof verpasst hatte, kehrte daraufhin mit einem Freund ins gegenüberliegende "Champ’s Pub" ein. Er begann zu streiten, zu belästigen und wurde schließlich von Sekowitsch des Lokals verwiesen. Eine Kränkung, die den Mann offenbar derart in Rage brachte, dass er den "Champ" in den frühen Morgenstunden vor seinem Lokal abpasste und fünf Mal mit einem Klappmesser zustach. Ins Gesicht und auch ins Herz. Die getrocknete Blutlache und die Polizeimarkierungen vor Edips Lokal waren noch tagelang zu sehen.

Soziales Engagement

Den Sekowitschweg gibt es eigentlich bereits seit 2012, doch offiziell eingeweiht - und sogar gesegnet - wurde er am Mittwoch, zehn Jahre nach Edip Sekowitschs Tod. "Aber sein soziales Engagement lebt weiter", sagte Vizekanzler und Sportminister Heinz Christian Strache. Sekowitsch hatte die Hilfsinitiative "Stoppt Gewalt an Schulen" gegründet, der sich bis heute für Kinder in sogenannten Brennpunktschulen engagiert. Witwe Mira Sekowitsch verriet am Rande der Veranstaltung zwar nicht das Rezept der gepriesenen Cevapcici, aber lüftet doch ein anderes Geheimnis: "Das Rezept ist von mir. Ich habe gewürzt und der Edip hat geknetet, denn das braucht Kraft."





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-13 18:04:24
Letzte Änderung am 2018-06-14 08:56:48


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