• vom 27.03.2018, 21:10 Uhr

Wien

Update: 28.03.2018, 13:22 Uhr

Kaiserin Elisabeth

Der ewige Mythos




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Von af, red

  • Im 120. Todesjahr von Kaiserin Elisabeth zeigt das Sisi-Museum, wie sich die Monarchin gegen imperiale Zwänge wehrte.


© Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H./Alexander Eugen Koller © Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H./Alexander Eugen Koller

Wien. Audienzen? Langweilig. Etikette? Nein, bloß nicht. Leben in einem Schloss mit Saus und Braus, dafür aber nach strengem Protokoll? Kommt nicht infrage. Sich ständig von der lästigen und rechthaberischen Schwiegermutter sagen lassen, was man wann und wie zu tun und wie man seine Kinder großzuziehen hat? Keine Chance. Kaiserin Elisabeth von Österreich (1837-1898), die durch die Romy-Schneider-Filme weltweite Berühmtheit erlangte und heuer ihren 120. Todestag feiert, war nicht für den Alltag als erste Frau im Staate geschaffen.

"Er ist ja ein sehr netter der Franzl, aber wenn er doch nur ned Kaiser wär." Dieser Satz von der jungen Elisabeth spricht Bände und verrät viel über die Tatsache, dass die zarte Sisi (oder "Sissi") von Possenhofen dem imperialen Tamtam Zeit ihres Lebens nichts abgewinnen konnte.

Sisi war eher ein Naturmensch, liebte Tiere und ein unkonventionelles Leben mit vielen Reisen und dem Hang zur melancholischen Mystik.

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Das Sisi-Museum in der Hofburg nimmt das heurige Jubiläumsjahr zum Anlass, das Leben und den Tod der Kaiserin zu beleuchten. Wie lebte die Kaiserin in der Hofburg? Was war ihr wichtig? Welche Gegenstände hatte sie stets bei sich und wovon ernährte sie sich - abgesehen von dem berühmten Veilcheneis, das es noch heute bei der ehemaligen k.u.k. Konditorei Demel zu kaufen gibt - noch?

Persönliche Gegenstände und die Möbel der Kaiserin sind ebenso zu besichtigen wie Briefe und andere Schriftstücke aus dem 19. Jahrhundert. Zu den mehr als 300 im Museum ausgestellten Objekten zählen Schirme, Fächer und Handschuhe, Kleidungsstücke, Schönheitsrezepte, ihr Milchglas samt Reiseschatulle, die Reiseapotheke bis hin zum originalen Totenschein. Franz Joseph, der Gemahl von Sisi, kommt natürlich auch nicht zu kurz. Immerhin regierte er das Reich von 1848 bis 1916. So schön und blumig wie in der Sissi-Trilogie von Ernst Marischka geschildert war das Leben der Kaiserin nicht. Sie hatte eine unbeschwerte Kindheit, hing an ihrem Vater, Herzog Max von Bayern, spielte mit ihren Tieren und ritt gern aus, ja. Aber als sie sich 1853 mit Franz Joseph verlobte, wusste sie nicht, welche Last auf Sie zukommen würde. Eigentlich war ihre Schwester von Franz Josephs Mutter Sophie als Braut auserwählt worden, doch Franz Joseph wollte nur Sisi. So war es dann zwar eine Liebesheirat, aber mit einem Hacken. Nämlich, dass Franzl Kaiser war und Sisi alles sein wollte, nur nicht Kaiserin. An das strenge Protokoll und das Zeremoniell am Hof war die naturliebende Abenteuerin nicht gewöhnt, auch die Etikette sagte ihr nicht zu. Stattdessen turnte sie täglich und zelebrierte einen Schönheitskult. Gesichtsmasken interessierten sie mehr als langweilige Veranstaltungen. Konflikte mit der reschen Schwiegermutter waren somit vorprogrammiert. Der Kaiser musste Mediator spielen zwischen zwei Frauen, die er über alles liebte. Als Sophie sich in die Erziehung ihrer Kinder einmischte, platzte Sisi der Kragen. Sie stellte dem Kaiser ein Ultimatum und verreiste. Damit hatte sie mit dem Leben am Hof innerlich abgeschlossen. Politisch interessierte sie nur Ungarn und nach dem Ausgleich 1867 ist es nicht zuletzt ihr zu verdanken, dass die abändere Reichshälfte so viele Zugeständnisse vom Kaiser bekam. Franz Joseph verbot ihr daraufhin weitere politische Interventionen. Nach dem Selbstmord ihres Sohnes Rudolph 1889 wurde aus der schönen Kaiserin eine trauernde Mutter, die in düsteren Gedichten ihre Stimmung kundtat. Eine nicht zu stillende Melancholie und Reisesucht begleiteten sie für den Rest ihres Lebens. Mythen bildeteten sich rund um die mächtigste Frau im Reich. Die Ermordung am 10. September 1898 tat das Übrige hinzu.

Sie wird in der klassischen Literatur über Sisi wie folgt dargestellt: Die Kaiserin weilt samt Entourage in der Schweizer Stadt Genf und will an jenem frischen Septembermorgen mit dem Dampfschiff um 13.40 Uhr nach Caux zurückkehren. Fünf Minuten vor Abgang des Schiffes verlassen Elisabeth und ihre Hofdame, Gräfin Sztáray das Hotel und betreten den fast menschenleeren Kai. Da eilt ein junger Mann über die Fahrstraße, läuft schräg über den Gehsteig bis zum Geländer und am Ufer und geht rasch auf die Kaiserin zu. Mit hocherhobener Rechten bückt er sich für einen Atemzug, dann schnellt er auf und bohrt der ahnungslosen Kaiserin einen dolchähnlichen Gegenstand mit aller Kraft in die Brust. Die Ermordung durch den italienischen Anarchisten Luigi Lucheni beendet das tragische Leben einer unglücklichen Frau, die erst nach ihrem Tod den heutigen mythenumwobenen Kultstatus erreichte.

Legende zu Lebzeiten

Als Kaiser Franz Joseph in Wien von dem Unglück erfährt, fällt der viel zitierte Satz "Mir bleibt doch nichts erspart in dieser Welt." Die Öffentlichkeit war erschüttert, als bekannt wurde, dass Elisabeth am 10. September 1898 einem Attentat zum Opfer gefallen war. Doch durch diesen gewaltsamen Tod wurde die Kaiserin, die schon zu Lebzeiten von einem Mythos umgeben war, zur unsterblichen Legende. "Addio Regina - Tua mari" steht in goldenen Lettern auf der Trauerschleife für Elisabeth von ihrer Schwester Marie. Die Trauerschleife ist als ständiges Exponat bei der Totenmaske im Sisi Museum ausgestellt.

Das imperiale Erbe interessiert nicht nur Touristen, sondern auch Österreicher. Die Kaiserappartements, das Sisi Museum und die Silberkammer in der Hofburg konnten im vergangenen Jahr einen starken Zuwachs verbuchen: 2017 gab es 772.000 Gäste, das sind rund 3,5 Prozent mehr als im Jahr davor. Die Betreiber gehen auch im Jubiläumsjahr 2018 von einem weiteransteigenden Besucherinteresse aus. Wer ins Sisi Museum geht, wird viel Zeit brauchen und feststellen müssen, dass es zumeist ziemlich überfüllt ist. Ein Besuch lohnt sich aber dennoch.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-03-27 21:14:57
Letzte ─nderung am 2018-03-28 13:22:40



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