• vom 08.12.2018, 12:17 Uhr

Stadtpolitik

Update: 08.12.2018, 13:20 Uhr

Wiener Neos

Wiederkehr zum Landessprecher gewählt




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Von WZ Online, APA

  • Er folgt auf Beate Meinl-Reisinger, die im Herbst den Bundesparteivorsitz von Matthias Strolz übernahm.

Der 28-Jährige Wiederkehr wurde bei der Landesmitgliederversammlung der Wiener Neos am Samstag mit 97,8 Prozent zum Landessprecher gewählt. - © APA/web GEORG HOCHMUTH

Der 28-Jährige Wiederkehr wurde bei der Landesmitgliederversammlung der Wiener Neos am Samstag mit 97,8 Prozent zum Landessprecher gewählt. © APA/web GEORG HOCHMUTH

Wien. Christoph Wiederkehr ist der neue Landessprecher der Wiener Neos. Der 28-Jährige wurde bei der Landesmitgliederversammlung am Samstag mit 97,8 Prozent gewählt. Er folgt auf Beate Meinl-Reisinger, die im Herbst den Bundesparteivorsitz von Matthias Strolz übernahm und in den Nationalrat wechselte.

Wiederkehr wurde bereits im September Klubvorsitzender der Neos im Wiener Rathaus. Nun übernimmt der einstige Vorsitzende der Neos-Jugendorganisation Junos Wien auch die Parteispitze der Pinken in Wien.

"Ich bin selber positiv überrascht"

"Ich bin selber positiv überrascht", kommentierte Wiederkehr das
Wahlergebnis von 97,8 Prozent. "Dieses große Vertrauen stärkt mich
gewaltig." Er bedankte sich bei seiner Vorgängerin Beate Meinl-Reisinger
für die Aufbauarbeit: "Ich übernehme ein schön gebautes, stabiles
Boot."

Auf ein konkretes Ziel für die Wien-Wahl, die planmäßig 2020
stattfinden wird, wollte sich der 28-Jährige nicht festlegen. "Ich
möchte, dass wir stärker werden", sagte er. Es brauche die NEOS "als
Kontrollkraft", betonte Wiederkehr. Einer Zusammenarbeit mit den
Freiheitlichen erteilte er einmal mehr eine klare Absage: "Wir sind ein
Garant dafür - und dafür lege ich meine Hand ins Feuer -, dass es mit
uns keine freiheitliche Regierungsbeteiligung, dass es mit uns keinen
freiheitlichen Bürgermeister in Wien geben wird", sagte er.

Wiederkehr übte scharfe Kritik an der "rechten Hetze" der FPÖ, teilte
aber auch gegen die Wiener SPÖ aus: Unter Bürgermeister Michael Ludwig
(SPÖ) sei "Freunderlwirtschaft" in der Stadt "sogar noch schlimmer"
geworden, meinte er. Auch den seiner Ansicht nach "leichtfertigen Umgang
mit Steuergeld" kritisierte er. Verbesserungsbedarf sieht er im
Bildungs- und auch im Gesundheitssystem, wo er ein "Zwei-Klassen-System"
ortete.

Auch die anstehende EU-Wahl thematisierte Wiederkehr. "Mir selber ist
Europa ein Herzensanliegen", betonte er. "Wir sehen, dass europaweit
die Nationalisten und Populisten gestärkt sind. Die Gegenantwort können
nur wir Liberale sein, die für eine weltoffene Gesellschaft eintreten."

Wiederkehr erhielt wie seine Vorrednerin Meinl-Reisinger Standing
Ovations von den rund 200 NEOS-Anhängern, die an der
Mitgliederversammlung in der Albert Hall im achten Bezirk teilnahmen. Im
Anschluss an seine Rede stand noch die Wahl des restlichen Landesteams
am Programm.

Meinl-Reisinger blickt auf Anfänge zurück

Meinl-Reisinger hat in ihrer Rede auf die Anfänge der Landespartei zurückgeblickt. Dabei bezeichnete sie die Wien-Wahl 2015 als Schicksalsfrage für die damalige Jung-Partei, nun sieht sie Neos wien- und bundesweit als die Oppositionspartei schlechthin. Zum Abschied erntete sie von den Mitgliedern Standing Ovations.

"Es war ein Kampf David gegen Goliath", blickte Meinl-Reisinger auf die Wiener Gemeinderatswahl 2015 zurück, bei der die Neos aus dem Stand 6,2 Prozent erhielten. Es sei damals nicht nur eine Ehrensache gewesen, sondern vor allem eine Schicksalsfrage.

Im heurigen September zog die erste Wiener NEOS-Landessprecherin in den Nationalrat ein, wo die "Debattenkultur und die Qualität der Debatte" nicht "wesentlich besser" sei als im Wiener Gemeinderat. Auch hätte sie sich Anfang des Jahres nicht gedacht, dass "ich nun hier stehe und das Zepter übergebe", sagte Meinl-Reisinger. Ihrem 28-jährigen Nachfolger Christoph Wiederkehr sprach sie ihr Vertrauen aus und attestierte ihm "Mut, Fleiß, Empathie und die Fähigkeit zu führen".

"Die Dicke des Filzes ist stärker als wir gedacht haben"

Meinl-Reisinger unternahm in ihrer Abschiedsrede eine "kleine Reise" zu den Anfängen, als nur "70 oder 80 Leute" sich getroffen und beschlossen hätten, "jetzt tun wir was". Seither hätten sich die NEOS in Wien sowie auf Bundesebene als Oppositionskraft durchgesetzt. Dabei wolle die Partei ein "Sinn- und kein Machtangebot" liefern und dem Populismus den Kampf ansagen. Man dürfe den "Stammtisch nicht in die Politik holen", damit würde eine "rote Linie überschritten", betonte sie.

Zudem übte Meinl-Reisinger Kritik an der Wiener Sozialdemokratie, denn: "Die Dicke des Filzes ist doch bedeutend stärker als wir gedacht haben. Überall, wo man in Wien den Deckel aufgehoben hat, hat man gesehen, dass eine Partei zu lange an der Macht ist." Dafür erntete die Parteichefin lauten Applaus von den Wiener Mitgliedern.

Auch mit Kritik an Brüssel sparte Meinl-Reisinger in ihrer Rede in der Wiener Albert Hall nicht, denn in Europa gäbe es ebenfalls ein "verzopftes altes System von Parteien, die ein Machtsystem daraus gemacht haben". Der "Anschluss an die Menschen" sei zudem längst verloren gegangen. Man müsse hier gegen "spalterische, nationalistische, populistische und sogar rechtsextreme Kräfte" vorgehen. Für einen Spitzenkandidaten haben sich die NEOS noch nicht entschieden, die Kandidatensuche wurde aber bereits gestartet.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-12-08 12:18:33
Letzte Änderung am 2018-12-08 13:20:38


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