• vom 04.01.2019, 08:41 Uhr

Stadtpolitik

Update: 04.01.2019, 08:46 Uhr

Gesundheit

Zu viele Bundesländer-Patienten in Wiens Spitälern?




  • Artikel
  • Kommentare (4)
  • Lesenswert (19)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZ Online, APA

  • Gesundheitsstadtrat Hacker lässt Versorgung von Patienten aus dem Wiener Umland prüfen.

Stadtrat Peter Hacker (Archivbild) kann sich auch im Bereich der mobilen Pflege einen "Wien-Bonus" vorstellen. 

Stadtrat Peter Hacker (Archivbild) kann sich auch im Bereich der mobilen Pflege einen "Wien-Bonus" vorstellen. © APAweb / Hans Punz Stadtrat Peter Hacker (Archivbild) kann sich auch im Bereich der mobilen Pflege einen "Wien-Bonus" vorstellen. © APAweb / Hans Punz

Wien. Gesundheits- und Sozialstadtrat Peter Hacker (SPÖ) will auch im Pflegebereich einen Bonus für Bürger, die schon länger in Wien leben. Während man bei der stationären Pflege schon jetzt eine gewisse Zeit in Wien gemeldet sein muss, um Leistungen ersetzt zu bekommen, "sind wir im mobilen Bereich noch sehr großzügig", so der Ressortchef.

Die mobile Pflege soll in den nächsten ein bis zwei Jahren "schärfer konturiert" werden. Mehr Details gibt es derzeit dazu noch nicht. Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) hatte wiederholt angekündigt, den sogenannten Wien-Bonus - wie er jetzt schon in Form kürzerer Wartezeiten bei der Vergabe von Gemeindewohnungen besteht - auf andere Bereiche ausweiten zu wollen. Die Ressorts wurden beauftragt, in ihrem jeweiligen Kompetenzbereich Möglichkeiten zu eruieren.

Der Gesundheitsbereich sollte davon ausgenommen bleiben. Doch laut Hacker soll nun geprüft werden, wie viele Leistungen derzeit etwa in Spitälern von Patienten aus anderen Bundesländern in Anspruch genommen werden. Zwar gebe es im Finanzausgleich eine Vereinbarung bezüglich Mehrleistungen, "aber in bestimmten Bereichen haben wir das Gefühl, dass wir weit über der Abmachung liegen". Deshalb sei der Krankenanstaltenverbund hier mit einem "schärferen Controlling" beauftragt worden. Aus den Ergebnissen werde man dann Konsequenzen ableiten - denn: "Ich bekenne mich dazu, dass wir die Wiener Stadtregierung sind und nicht der Kompensator für ganz Ost-Österreich."

Krankenhäuser sollen kundenfreundlicher werden

Fix geplant für 2019 ist die Neuorganisation des KAV in eine Anstalt öffentlichen Rechts, die Anfang 2020 wirksam werden soll. Die Grundstrukturen dafür, für die noch Hackers Vorgängerin Sandra Frauenberger (SPÖ) verantwortlich zeichnete, würden weitgehend übernommen. Stärker in den Fokus soll allerdings der Servicecharakter für die Patienten gerückt werden. Hacker nennt das eine "klarere Zielorientierung im Hinblick auf Dienstleistungen", die Krankenhäuser sollen also "kundenfreundlicher" werden.

Das habe man "im Augenblick nicht sehr am Radar, muss ich ehrlich zugeben". Deshalb sei man immer wieder "auch zu Recht" etwa wegen langer Wartezeiten und überlasteter Ambulanzen in die Kritik geraten. Neue interne Abläufe und Umorganisationen sollen hier Besserung bringen. Und Hacker garantiert ein Interpellationsrecht im Gemeinderat. Die Opposition hatte immer wieder befürchtet, durch die Umstrukturierung künftig keine Anfragen mehr zum riesigen Spitalsbetreiber stellen zu dürfen.

Die Genese des von Kostenexplosionen und Zeitverzögerungen schwer belasteten Krankenhauses Nord bezeichnet der Stadtrat als "kein Ruhmesblatt". Er sei allerdings beruhigt, dass im Zuge der seit Monaten laufenden Untersuchungskommission "keine großen Korruptionsskandale oder Schmiergeldzahlungen" aufgedeckt worden seien. Im Prinzip sei zu den Punkten, die der Rechnungshof bereits massiv kritisiert hatte, nicht mehr viel an Erkenntnissen hinzugekommen. Hackers Schlussfolgerung: "In der Frage ‚Wie baue ich ein Spital?‘ waren wir einfach nicht gut." Der Frage, wer dafür die politische Verantwortung trägt, wich der Ressortchef aus. Es sei nicht seine Aufgabe, sich darüber den Kopf zu zerbrechen: "Mein Job ist es, die Lehren daraus zu ziehen" - und das werde auch geschehen.

"Unerträgliche" Caritas-Kritik des Bundes

"Eigentlich nur unerträglich" findet Hacker die jüngst von der Regierung - allen voran der FPÖ - geübte Kritik an der Caritas. "Wenn man der Meinung ist, man kann so eine wichtige Debatte wie die über die Betreuung von Flüchtlingen führen, indem man über 'Asylindustrie' spricht, hört sich jegliche Form von Debatte auf", so der Wiener Sozialstadtrat in Richtung FPÖ.

Hacker betont, dass mit seiner Kritik auch die ÖVP gemeint sei. Denn man müsse Organisationen wie der Caritas eigentlich danken "und ihnen nicht Dreck nachschmeißen". Denn derlei Einrichtungen machten einen "hervorragenden Job" - von Behindertenarbeit und Wohnungslosenhilfe über Pflege und Betreuung bis zum Katastrophen- und Rettungsdienst sowie eben in der Flüchtlingsbetreuung. "Und die in einen Mistkübel stopfen zu wollen, um seine eigenen absurden Argumente inhaltlich zu untermauern, ist unerträglich und unerhört", ärgert sich Hacker. Er habe grundsätzlich nichts dagegen, wenn der Bund plane, mittels einer eigenen Agentur die Flüchtlingsbetreuung selbst übernehmen zu wollen. Das könne man aber einfach unspektakulär diskutieren.

Kritik hatte der Stadtrat unlängst einstecken müssen, nachdem er angemerkt hatte, die geplante Erhebung der Herkunft der Eltern von Mindestsicherungsbeziehern habe es zuletzt im Dritten Reich gegeben. Hacker steht nach wie vor zu der Aussagen: "Ich wüsste nicht, was ich da bereuen sollte." Er habe lediglich auf ein Faktum hingewiesen. Hier gehe es um einen Mechanismus, der in der Zweiten Republik in einem Behördenverfahren nichts zu suchen habe. "Und ich halte es für wichtig, auf solche Sachen aufmerksam zu machen. Denn wir sollten nicht nur an Gedenktagen mit gerunzelter Stirn über 'Niemals wieder' brüten, sondern 'Niemals wieder' ist ein Auftrag an uns alle, und der gilt tagein tagaus."





4 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2019-01-04 08:42:33
Letzte Änderung am 2019-01-04 08:46:06


Rohstoffe

Das Gold der Städte

Elektroschrott landet in vielen Ländern immer noch auf Mülldeponien. - © apa/dpa/Julian Stratenschulte Wien. In unseren Schubladen liegt Gold. Aus den mehr als zehn Millionen Handys, die schätzungsweise in Österreich ungebraucht herumliegen... weiter




Kulturticket-App

Goethes Gretchen - eine App

Die beiden Gründer Wolfgang Graf (r.) und Gerald Stockinger. - © Stanislav Jenis Wien. Die Unternehmensgründung von "Ticket Gretchen" erfolgte im klassischen Start-up-Sinn. Aus einem persönlichen Bedürfnis entstand eine Idee... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Immer mehr Frauen als Mordopfer
  2. Erlustigungsrelikt im verwaldeten Landschaftsgarten
  3. Mehrere Einsätze für Wiener Feuerwehr wegen Sturmschäden
  4. Essen verboten
  5. "Ab 2021 sind E-Autos massentauglich"
Meistkommentiert
  1. Die Not mit der Notwehr
  2. Wiens Pläne laut Juristen unzulässig
  3. Ludwig kontert Kritik von Kurz und Strache
  4. "Ab 2021 sind E-Autos massentauglich"
  5. Keine Toleranz beim Thema Gewalt

Siemensgebäude

Der Investor und das Kreta-Viertel

In den tristen Betonbauten findet Zwischennutzung im großen Stil statt. - © Phillipp Hutter Wien. Am Rande von Kreta steht ein Zaun. Er soll nicht Flüchtlinge davon abhalten, Griechenland zu betreten. Er soll Wiener davon abhalten... weiter




Zwischennutzung

Die Hegemonie über die Zwischenwelt

Ein Gelände, zwei Welten: Auf der einen Seite ein geförderter Zwischennutzungs-Hub bei der Karl-Farkas-Gasse in Neu Marx . . . Wien. Es gibt Entwürfe, die in der Schublade verschwinden. Andere, die realisiert werden. Und dann gibt es jene Entwürfe... weiter





Stadtplanung

Höchstens 58 Meter

Am Areal beim Franz-Josefs-Bahnhof ist eine Überplattung mit terrassenförmigen Gebäuden geplant. - © apa/Zoomvp.at/Zoom visual Project GmvH Wien. 126 Meter hoch hätte gebaut werden dürfen - letztendlich hat man sich auf 58 Meter als höchsten Punkt beschränkt: In Wien wurde am Donnerstag... weiter




Bauen

"Wir bauen den größten Sondermüll der Baugeschichte"

Workers spreading mortar over styrofoam insulation and mesh with trowel - © fotolia/Dagmara_K Wien. Wenn Dietmar Steiner (67) auf einer europäischen Landkarte überall dort ein Fähnchen stecken würde, wo ein Bau steht... weiter





Athen

Gründen gegen die Wirtschaftskrise

Athen. 42 Jahre nach dem Ende der Militärdiktatur ist Athen wieder auf dem Boden gelandet. Schlechte Jobchancen, zusammengekürzte Sozialleistungen und... weiter




Teheran

Irans Nerds

Über den Dächern Teherans eifern junge Männer und Frauen ihrem Idol Steve Jobs nach. - © Solmaz Khorsand Teheran. Lang und breit könnte Nasser Ghanemzadeh über sein Leid klagen. Darüber, wie quälend das Leben in einer Islamischen Republik ist... weiter






Werbung