• vom 17.01.2019, 18:00 Uhr

Stadtpolitik

Update: 17.01.2019, 22:02 Uhr

Wien

Vorbereitung auf Wachstumseinbruch




  • Artikel
  • Lesenswert (4)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Christian Rösner

  • Die Beschäftigung befand sich in Wien 2018 auf einem historischen Höchststand.

Mit einem Beschäftigungszuwachs von plus 2,4 Prozent verzeichnet Wien einen der höchsten Werte seit der Jahrtausendwende. - © APAweb, dpa, Carsten Rehder

Mit einem Beschäftigungszuwachs von plus 2,4 Prozent verzeichnet Wien einen der höchsten Werte seit der Jahrtausendwende. © APAweb, dpa, Carsten Rehder

Arbeitslosigkeit in Wien

Arbeitslosigkeit in Wien Arbeitslosigkeit in Wien

Wien. 39 Prozent seines Versprechens bei seinem Amtsantritt, bis Ende 2020 zusätzlich 50.000 Beschäftigte in Wien zu haben, seien bereits eingelöst, sagte Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke (SPÖ) bei einem gemeinsamen Hintergrundgespräch mit dem Leiter der MA23 (Statistik) Klemens Himpele und Peter Huber vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) am Donnerstagabend in Wien.

"Von den von mir angekündigten 50.000 zusätzlichen Wienerinnen und Wienern in Beschäftigung hatten wir Ende 2018 einen Zwischenstand von plus 19.590", sagte Hanke. Mit einem Beschäftigungszuwachs von plus 2,4 Prozent verzeichne Wien einen der höchsten Werte seit der Jahrtausendwende. Und von insgesamt 86.193 neuen Beschäftigungsverhältnissen in ganz Österreich, seien alleine 19.590 in Wien entstanden - das ist jedes vierte.

Auch die Arbeitslosigkeit in der Bundeshauptstadt sei deutlich gesunken - die Werte liegen laut Hanke unter jenen von 2015. Allerdings ist die Arbeitslosigkeit in Wien im Vergleich zum Rest Österreichs weniger zurückgegangen: Wien liegt hier 2018 bei rund minus 5, Österreich bei minus 7,5 Prozent. 2017 waren es minus 1 und minus 3 Prozent.

Wirtschaftsentwicklung in Wien

Wirtschaftsentwicklung in Wien Wirtschaftsentwicklung in Wien

Höhere Arbeitslosenquote als in Restösterreich

Auch bei der Arbeitslosenquote schneidet die Bundeshauptstadt im Österreichvergleich schlechter ab: Wien liegt hier bei 12,3 Prozent, Österreich bei 7,7 Prozent. Das wird bei der Stadt damit begründet, dass der derzeitige Wirtschaftsaufschwung die Sachgüterproduktion begünstigt, die in der Bundeshauptstadt nicht in demselben Ausmaß vorhanden ist wie in den anderen Bundesländern. Die vor allem in Wien angebotenen wissensbasierten Dienstleistungen würden aber in kommenden Jahren zum Zug kommen, zeigt sich Hanke überzeugt: Für 2019 wird in Wien vom Wifo immerhin ein weiterer Rückgang der Arbeitslosigkeit auf 11,9 Prozent prognostiziert.

"Während sich die österreichische Konjunktur durch ein langsames Abflauen von Industriekonjunktur und Investitionen bereits am aktuellen Rand merklich abschwächt, dürfte die Verschiebung der Nachfrage in Richtung des privaten Konsums und zu Dienstleistungen Wien in der zweiten Jahreshälfte begünstigen", meinen die Experten dazu.

Stärkste Rückgänge bei 20- bis 25-jährigen Personen

Die stärksten Rückgänge bei der Arbeitslosigkeit in Wien gab es jedenfalls den Zahlen der MA23 zufolge bei jungen Menschen von 20 bis 24 Jahren (minus 9 Prozent) und bei Personen zwischen 25 und 29 Jahren (minus 7,2 Prozent). Aus der Reihe tanzen hier allerdings die Gruppen der 55 bis 59-Jährigen sowie jene der 60 bis 64-Jährigen. Hier gab es sogar einen Anstieg von plus 1,5 bzw. sogar plus 6,6 Prozent.

Das heißt, dass u.a. mithilfe des Wiener Arbeitnehmerförderungsfonds (Waff) das Ziel, die Jugendarbeitslosigkeit zu senken, erreicht werden konnte. Das Ziel, die älteren Arbeitnehmer wieder in Beschäftigung zu bringen, nicht. Aber in diesem Punkt schiebt der rote Stadtrat den schwarzen Peter dem Bund zu: Peter Hanke ist überzeugt davon, dass alleine ein Drittel der Langzeitarbeitslosen in Beschäftigung gebracht werden hätte können, wenn die Bundesregierung nicht die Aktion 2020 gestoppt hätte.

Was die Zukunft anbelangt, zeigt sich Hanke nicht mehr ganz so optimistisch wie früher. "Das Niveau von 2018 werden wir voraussichtlich nicht erreichen können." Hier würden auch internationale Entwicklungen eine Rolle spielen - Stichwort Brexit oder die wirtschaftliche Entwicklung Italiens.

Konjunkturabkühlung ab Mitte des Jahres erwartet

Nach einem Jahr der Hochkonjunktur, in dem die Wirtschaftskraft um 2,5 Prozent gewachsen ist, prophezeien auch Himpele und Huber spätestens ab der Mitte des Jahres eine Konjunkturabkühlung: Für das Jahr 2019 wird nur noch mit einem Wachstum von etwa 1,8 Prozent gerechnet. Für ganz Österreich geht das Wifo von einem Wirtschaftswachstum von 2 Prozent aus. Hauptursache ist eine Abschwächung der Weltkonjunktur und eine geringere Dynamik bei den Investitionen.

Um sich auf das abflauende Wirtschaftswachstum vorzubereiten, werde man nächste Woche gemeinsam mit der Arbeiterkammer ein Arbeitsmarktpaket präsentieren, "das es in der Form schon lange nicht gegeben hat", erklärte wie Hanke. Demnach soll in den kommenden Jahren ein millionenschwerer Betrag in die Aus- und Weiterbildung investiert werden. Wobei der Schwerpunkt vor allem auf das Thema Digitalisierung gelegt werden soll: Die Qualikation in diesem Bereich müsse spezialisierter werden und auf den digitalen Arbeitsmarkt vorbereiten. Das geplante Nulldefizit im Jahr 2020 sieht Hanke durch den prophezeiten Wachstumseinbruch im Übrigen nicht gefährdet, wie er betonte.





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2019-01-17 17:35:33
Letzte Änderung am 2019-01-17 22:02:37



Rohstoffe

Das Gold der Städte

Elektroschrott landet in vielen Ländern immer noch auf Mülldeponien. - © apa/dpa/Julian Stratenschulte Wien. In unseren Schubladen liegt Gold. Aus den mehr als zehn Millionen Handys, die schätzungsweise in Österreich ungebraucht herumliegen... weiter




Kulturticket-App

Goethes Gretchen - eine App

Die beiden Gründer Wolfgang Graf (r.) und Gerald Stockinger. - © Stanislav Jenis Wien. Die Unternehmensgründung von "Ticket Gretchen" erfolgte im klassischen Start-up-Sinn. Aus einem persönlichen Bedürfnis entstand eine Idee... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. "Modal Split ist bezirksabhängig"
  2. Brauner verlässt Parteivorstand
  3. Rechnungshof kritisiert zu teure Poller
  4. "Ich war in so einer Spirale"
  5. Wer die Touristenströme lenkt
Meistkommentiert
  1. Mehr Sicherheit vor Schulen
  2. "Milli Görüs ist extrem anti-integrativ"
  3. Neos fordern 13,8 Millionen Euro für sicherere Schulwege
  4. Die Letzten werden die Ersten sein
  5. Wien macht die Straßen sicherer

Siemensgebäude

Der Investor und das Kreta-Viertel

In den tristen Betonbauten findet Zwischennutzung im großen Stil statt. - © Phillipp Hutter Wien. Am Rande von Kreta steht ein Zaun. Er soll nicht Flüchtlinge davon abhalten, Griechenland zu betreten. Er soll Wiener davon abhalten... weiter




Zwischennutzung

Die Hegemonie über die Zwischenwelt

Ein Gelände, zwei Welten: Auf der einen Seite ein geförderter Zwischennutzungs-Hub bei der Karl-Farkas-Gasse in Neu Marx . . . Wien. Es gibt Entwürfe, die in der Schublade verschwinden. Andere, die realisiert werden. Und dann gibt es jene Entwürfe... weiter





Stadtplanung

Höchstens 58 Meter

Am Areal beim Franz-Josefs-Bahnhof ist eine Überplattung mit terrassenförmigen Gebäuden geplant. - © apa/Zoomvp.at/Zoom visual Project GmvH Wien. 126 Meter hoch hätte gebaut werden dürfen - letztendlich hat man sich auf 58 Meter als höchsten Punkt beschränkt: In Wien wurde am Donnerstag... weiter




Bauen

"Wir bauen den größten Sondermüll der Baugeschichte"

Workers spreading mortar over styrofoam insulation and mesh with trowel - © fotolia/Dagmara_K Wien. Wenn Dietmar Steiner (67) auf einer europäischen Landkarte überall dort ein Fähnchen stecken würde, wo ein Bau steht... weiter





Athen

Gründen gegen die Wirtschaftskrise

Athen. 42 Jahre nach dem Ende der Militärdiktatur ist Athen wieder auf dem Boden gelandet. Schlechte Jobchancen, zusammengekürzte Sozialleistungen und... weiter




Teheran

Irans Nerds

Über den Dächern Teherans eifern junge Männer und Frauen ihrem Idol Steve Jobs nach. - © Solmaz Khorsand Teheran. Lang und breit könnte Nasser Ghanemzadeh über sein Leid klagen. Darüber, wie quälend das Leben in einer Islamischen Republik ist... weiter






Werbung