• vom 11.02.2019, 11:32 Uhr

Stadtpolitik

Update: 11.02.2019, 16:08 Uhr

Abbiegeassistent

Wien macht die Straßen sicherer




  • Artikel
  • Kommentare (2)
  • Lesenswert (5)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZ Online, APA

  • Während Minister Hofer einen Verkehrsgipfel plant, wird die Stadt schon aktiv.

Continental entwickelt seinen Abbiegeassistenten laufend weiter. Eben wurden Radar- und Kamerasensoren kombiniert. In Zukunft soll künstliche Intelligenz Prognosen stellen. - © Continental

Continental entwickelt seinen Abbiegeassistenten laufend weiter. Eben wurden Radar- und Kamerasensoren kombiniert. In Zukunft soll künstliche Intelligenz Prognosen stellen. © Continental

Wien. Nach dem Unfalltod eines neunjährigen Buben in Wien und den dadurch ausgelösten Initiativen für mehr Sicherheit im LKW-Verkehr gibt es nun erste Schritte in Richtung sichere Straßen. Die Stadt Wien will ihren rund 500 Lkw umfassenden Fuhrpark mit Abbiegeassistenten umrüsten, und Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) hat einen Verkehrsgipfel angekündigt, bei dem über Möglichkeiten zur Verbesserung der Lkw-Sicherheit beraten werden soll. Zunächst fliegt er jedoch nach Japan.

Bei dem Gipfel soll erörtert werden, welche rechtlichen und organisatorischen Möglichkeiten es gibt, um die Sicherheit von Lkws auf Autobahnen, Schnellstraßen und in den Städten zu verbessern. Man wolle feststellen, welche Kosten mit den Maßnahmen verbunden wären und wie schnell sie umgesetzt werden könnten. Ziel sei auch, die Debatte von Parteipolitik wegzubekommen, sagte Hofer. "Man kann in der Stadt einiges tun, um das Abbiegen sicherer zu machen", sagte der Minister, der bekanntlich Rechtsabbiegen bei Rotlicht erlauben möchte.

Wien rüstet um

In Wien werden bereits konkrete Schritte gesetzt. Die Stadt will ihren Fuhrpark mit Abbiegeassistenten umrüsten. Die zuständige Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) kündigte am Montag im APA-Gespräch an, ab sofort ein entsprechendes System testen zu wollen. Schon gegen Ende der Woche soll klar sein, ob es zur serienmäßigen Umrüstung taugt. Gibt es grünes Licht, soll der Umbau ab kommender Woche erfolgen.

"Ich habe schon in der Vorwoche den Auftrag gegeben, das so schnell wie möglich in Angriff zu nehmen", versicherte Sima. Jener Hersteller, der die Fahrzeuge der Stadt stellt, habe nun ein System genannt, das kompatibel sei, erklärte die Stadträtin: "Wird der Blinker betätigt, wird eine Kamera aktiviert. Befindet sich etwas in diesem Blickfeld, ertönt ein Signal." Noch am heutigen Montag werde der Assistent in ein Testfahrzeug eingebaut. "Das ist bis Mitte der Woche abgeschlossen", kündigte die Ressortchefin an.

Nach wenigen Tagen des Testens soll feststehen, ob der flächendeckende Einbau den gewünschten Nutzen bringt. Ist das der Fall, werde der Einbau ab Beginn der kommenden Woche schnell umgesetzt, versprach Sima. Dabei geht es unter anderem um rund 300 Müllfahrzeuge der MA 48. 3.000 Euro kostet das System pro Fahrzeug, bei Neuanschaffungen soll der Abbiegeassistent bereits mitgeliefert werden.

Wien: Nachjustierung "ab sofort"

Man habe schon in den vergangenen Jahren immer wieder derlei Systeme getestet, die Ergebnisse seien allerdings nie zufriedenstellend gewesen, argumentierte Sima. Deshalb habe man für die Mistautos mit Experten einen speziellen Zusatzspiegel entwickelt, um den toten Winkel zu eliminieren. Dieser sei bereits bei allen MA 48-Fahrzeugen im Einsatz.

Fix ist, dass der Fuhrpark der Verkehrsabteilungen - sie unterstehen Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) - jedenfalls umgerüstet wird. Das betreffe 37 Lastwagen mit über 3,5 Tonnen, die Nachjustierung beginne "ab sofort" und soll in den kommenden Monaten abgeschlossen sein, versprach die Ressortchefin gegenüber der APA: "Was ich in meinem Wirkungsbereich tun kann, das tue ich auch."

Betroffen sind die Fuhrparks der MA 28 (Straßenbau), 29 (Brückenbau) und 33 (Licht). Die betreffenden Abteilungen seien bereits mit den Herstellern in Kontakt getreten. Einige Fahrzeuge seien bereits mit Rückfahrkameras ausgestattet.

Abbiegeassistenten oder "Rechtsabbiegen bei Rot"

Die Debatte um Abbiegeassistenten für Lkw war nach einem tödlichen Unfall in Wien aufgekommen.

Die Debatte um Abbiegeassistenten für Lkw war nach einem tödlichen Unfall in Wien aufgekommen.© APAweb, Georg Hochmuth Die Debatte um Abbiegeassistenten für Lkw war nach einem tödlichen Unfall in Wien aufgekommen.© APAweb, Georg Hochmuth

Vassilakou forderte in dem Zusammenhang Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) einmal mehr auf, den rechtlichen Rahmen für eine österreichweite Lösung zu schaffen. Außerdem seien auch Bundeseinrichtungen aufgefordert zu handeln, sah die Stadträtin etwa Asfinag, ÖBB, Bundesheer oder Polizei in der Pflicht.

Die Petition für eine verpflichtende Lkw-Nachrüstung mit elektronischen Systemen, die den toten Winkel möglichst eliminieren sollen, hatte am Montag bereits mehr als 35.000 Unterstützer. Auch Volksanwalt Peter Fichtenbauer sprach sich in einer Aussendung für den zwingenden Einbau von Abbiegeassistenten für Lkw ein. "Ich bitte daher das Parlament, möglichst rasch eine entsprechende Regelung auf den Weg zu bringen", hieß es.

Stadträtin Ulli Sima sieht in diesem Zusammenhang Hofers Pilotprojekt "Rechtsabbiegen bei Rot" kritisch. Hier würden grüne Fußgängerphasen mit dem Abbiegeverkehr verschränkt. Das sei "kontraproduktiv". "Wir in Wien versuchen das gerade etwas zu entzerren", so die Stadträtin.

Hofer selbst hatte am Montag in einem Interview mit der Zeitung Österreich angeregt, städtische Verkehrsmittel wie die Busse der Wiener Linien umzurüsten. Dort weist man darauf hin, dass die Sichtsituation für den Fahrer eines Öffi-Busses eine völlig andere sei als in einem Lkw. Durch Glas und eine niedrigere Sitzhöhe sei das "Sichtfeld viel freier": "Dadurch ergibt sich ein sehr geringer toter Winkel", der wohl geringer als bei jedem herkömmlichen Auto sei, erklärte der Sprecher. Das Thema Verkehrssicherheit und vorausschauendes Fahren sei zudem stark in der Ausbildung bzw. den verpflichtenden Nachschulungen für Lenker präsent.





2 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2019-02-11 11:32:25
Letzte Änderung am 2019-02-11 16:08:28



Rohstoffe

Das Gold der Städte

Elektroschrott landet in vielen Ländern immer noch auf Mülldeponien. - © apa/dpa/Julian Stratenschulte Wien. In unseren Schubladen liegt Gold. Aus den mehr als zehn Millionen Handys, die schätzungsweise in Österreich ungebraucht herumliegen... weiter




Kulturticket-App

Goethes Gretchen - eine App

Die beiden Gründer Wolfgang Graf (r.) und Gerald Stockinger. - © Stanislav Jenis Wien. Die Unternehmensgründung von "Ticket Gretchen" erfolgte im klassischen Start-up-Sinn. Aus einem persönlichen Bedürfnis entstand eine Idee... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Ehemaliges Cafe Griensteidl wird zur Billa-Filiale
  2. "Unsere Unternehmen sind benachteiligt"
  3. "Man muss das Pferd anders aufzäumen"
  4. Wien und Bratislava wollen Insekten retten
  5. Noch kein Assistent überzeugend
Meistkommentiert
  1. Kein verpflichtender Abbiegeassistent
  2. "Milli Görüs ist extrem anti-integrativ"
  3. Mehr Sicherheit vor Schulen
  4. Neos fordern 13,8 Millionen Euro für sicherere Schulwege
  5. Rechnungshof kritisiert zu teure Poller

Siemensgebäude

Der Investor und das Kreta-Viertel

In den tristen Betonbauten findet Zwischennutzung im großen Stil statt. - © Phillipp Hutter Wien. Am Rande von Kreta steht ein Zaun. Er soll nicht Flüchtlinge davon abhalten, Griechenland zu betreten. Er soll Wiener davon abhalten... weiter




Zwischennutzung

Die Hegemonie über die Zwischenwelt

Ein Gelände, zwei Welten: Auf der einen Seite ein geförderter Zwischennutzungs-Hub bei der Karl-Farkas-Gasse in Neu Marx . . . Wien. Es gibt Entwürfe, die in der Schublade verschwinden. Andere, die realisiert werden. Und dann gibt es jene Entwürfe... weiter





Stadtplanung

Höchstens 58 Meter

Am Areal beim Franz-Josefs-Bahnhof ist eine Überplattung mit terrassenförmigen Gebäuden geplant. - © apa/Zoomvp.at/Zoom visual Project GmvH Wien. 126 Meter hoch hätte gebaut werden dürfen - letztendlich hat man sich auf 58 Meter als höchsten Punkt beschränkt: In Wien wurde am Donnerstag... weiter




Bauen

"Wir bauen den größten Sondermüll der Baugeschichte"

Workers spreading mortar over styrofoam insulation and mesh with trowel - © fotolia/Dagmara_K Wien. Wenn Dietmar Steiner (67) auf einer europäischen Landkarte überall dort ein Fähnchen stecken würde, wo ein Bau steht... weiter





Athen

Gründen gegen die Wirtschaftskrise

Athen. 42 Jahre nach dem Ende der Militärdiktatur ist Athen wieder auf dem Boden gelandet. Schlechte Jobchancen, zusammengekürzte Sozialleistungen und... weiter




Teheran

Irans Nerds

Über den Dächern Teherans eifern junge Männer und Frauen ihrem Idol Steve Jobs nach. - © Solmaz Khorsand Teheran. Lang und breit könnte Nasser Ghanemzadeh über sein Leid klagen. Darüber, wie quälend das Leben in einer Islamischen Republik ist... weiter






Werbung