• vom 22.07.2013, 17:17 Uhr

Stadtpolitik

Update: 22.07.2013, 17:24 Uhr

Klage

Hochfliegende Forderungen




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Von Barbara Ottawa

  • Calafatti-GmbH-Konkurs: Masseverwalter klagt Prater Service GmbH wegen mehrdimensionaler Prater-Illusion
  • Klagsumme in Millionenhöhe übersteigt Schulden der Calafatti GmbH.

Prater-Symbol Magier "Calafati" als Namensgeber für Betriebsfirmen - die dann aber ein zweites "t" hinzugefügt haben.

Prater-Symbol Magier "Calafati" als Namensgeber für Betriebsfirmen - die dann aber ein zweites "t" hinzugefügt haben.© Renate Steininger Prater-Symbol Magier "Calafati" als Namensgeber für Betriebsfirmen - die dann aber ein zweites "t" hinzugefügt haben.© Renate Steininger

Wien. Lange hat der Höhenflug der "Vienna Airlines" nicht gedauert: Nur knappe vier Jahre war der Flugsimulator im Prater im Einsatz. Schon bevor die Calafatti Marketing- und Betriebs Nfg GmbH & Co KG (Calafatti GmbH) Anfang des Jahres aus den von ihnen gepachteten Gebäuden am Riesenradplatz ausziehen musste, war dieser Flug über und durch Wien mit Bild-, Ton- und sonstigen Spezialeffekten bereits stillgelegt worden.

Jetzt wurde für die Calafatti GmbH Konkurs angemeldet und sie will den Flugsimulator von der Stadt Wien, respektive ihrer Tochter "Prater Service GmbH", die die Lokalitäten im Prater verpachtet, abgelöst haben.


Der Masseverwalter, Rechtsanwalt Daniel Lampersberger, bestätigte gegenüber der "Wiener Zeitung", dass es beim Streit zwischen der Prater Service GmbH und der Calafatti GmbH "vor allem um den Flugsimulator" geht. Er nannte keine Summen, aber Martin Valtiner, ehemaliger Geschäftsführer der Calafatti GmbH, sagte im Interview, dass "dieser preisgekrönte Flugsimulator am Markt um vier bis fünf Millionen Euro" verkauft wird.

Bislang hatte die Stadt Wien beteuert, dass die Pleite des größten Ex-Pächters ein "Nullsummenspiel" werde. Die 2,3 Millionen Euro, die die Calafatti GmbH an Mieten und anderen Gebühren schulde, könnten mit Investitionsablösen gegengerechnet werden.

Allerdings hat der Masseverwalter nun Klage eingereicht, in der es allgemein um die "Ablöse von Investitionen" geht. Sollte die Stadt auch den Flugsimulator ablösen müssen, könnte das Forderungen in Millionenhöhe bedeuten, die schlussendlich vom Steuerzahler bezahlt werden müssten.

Die Prater Service GmbH nahm nur kurz schriftlich Stellung und bestätigte, dass der Wert der Investitionen "zur Zeit von gerichtlich beeideten Sachverständigen objektiv ermittelt" werde.

Flugsimulator als Notlösung
Laut Calafatti-GmbH-Ex-Geschäftsführer Valtiner, der auch am Umbau des Riesenradplatzes beteiligt war, hätte die Stadt Wien für die größte Lokalität im Jahr 2007 rasch eine neue Attraktion gebraucht. Die Idee eines "Dark Ride", also einer Hochschaubahn im Dunkeln, habe nicht realisiert werden können. Von der "Explore 5D", die für die Umbauarbeiten des Prater-Vorplatzes eingesetzt worden war, kam der Vorschlag, einen Flugsimulator einzurichten. "So schnell hätten sie keinen anderen Pächter gefunden", sagt Valtiner. Denn für das Jahr 2008 hatte Wien die Austragung der Fußballeuropameisterschaft übernommen.

Turbulenzen seien damals laut Valtiner durch den Ausstieg eines Großinvestors entstanden, dessen Sonderwünsche zu einem deutlichen Anstieg der Baukosten geführt hätten. Als sich dieser im Dezember 2007 völlig aus dem Projekt zurückgezogen habe, sei die hinterlegte Bankgarantie von drei Millionen Euro nicht eingefordert worden, wundert sich Valtiner noch heute. Er selbst habe in dieser unsicheren Zeit "drei Mal den Bau eingestellt", aber im Großen und Ganzen habe er daran geglaubt, dass "das schon passen wird".

"Es war auch klar, dass der Flugsimulator drinnen bleibt, denn das Gebäude ist darauf ausgerichtet", betonte Ex-Geschäftsführer Valtiner. Das Gerät sei derzeit funktionsfähig und könne von jemand anderem jederzeit in Betrieb genommen werden. Er selbst möchte nichts mehr mit dem Projekt zu tun haben. Die politische und mediale Darstellung seiner Rolle im "Bauskandal" um den Riesenradplatz im Jahr 2008 und der Pleite von "Explore 5D" habe ihn "viel gekostet" - nicht nur materiell.

Noch kein neuer Pächter
Dennoch würde er den Praterbetreibern seine Expertise anbieten. Lange Zeit habe sich niemand bei der Stadt Wien für die Pläne und die Ausstattung des umgebauten Riesenradplatzes interessiert, so Valtiner. Erst unter der Führung von Michael Prohaska habe die Prater Service GmbH "echtes Interesse" gezeigt, die Idee hinter dem Umbau sowie technische Details zu verstehen.

Valtiner relativiert die Ankündigungen, dass bereits neue Pächter gefunden worden seien: "Aber nur für einen Bruchteil der leerstehenden Fläche." Denn das größte Gebäude ist jenes mit dem Flugsimulator.

Als besonders wertvolle Grünfläche sorgt der Prater unterdessen für positive Schlagzeilen. Ist er doch vom deutschen "Focus"-Magazin unter die zehn schönsten Parks in städtischen Gebieten weltweit gewählt worden. Ganz ohne 5D-Technologie und Spezialeffekten.




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Dokument erstellt am 2013-07-22 17:14:05
Letzte Änderung am 2013-07-22 17:24:06


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