• vom 17.09.2013, 18:14 Uhr

Stadtpolitik


Wagengruppe

Kein Campingurlaub




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Von Stephanie Schüller

  • Für das Aufstellen von Wohnwägen braucht man laut Baupolizei eine Baubewilligung
  • Wieder sucht eine Wagengruppe nach einem neuen Standort in der Stadt.

Derzeit stehen die Wägen in der Haidestraße in Simmering auf einem öffentlichen Parkplatz der MA 28 (Straßenbau), doch die Bezirksvorsteherin duldet das nicht. - © Treibstoff

Derzeit stehen die Wägen in der Haidestraße in Simmering auf einem öffentlichen Parkplatz der MA 28 (Straßenbau), doch die Bezirksvorsteherin duldet das nicht. © Treibstoff

Wien. Seit vier Jahren bemüht sich eine Gruppe von etwa 20 Menschen um alternative Wohnformen in Wien. Menschen, die in umgebauten Lkw, Anhängern und Wohnmobilen leben. Bis 31. August hatte die "Treibstoff"-Gruppe eine Sondergenehmigung der Stadt für ein Grundstück beim Gaswerk Leopoldau. Seit diese ausgelaufen ist, sind die etwa 20 Mitglieder der Wagengruppe "Treibstoff" wieder ohne Standort. Vier Besetzungen und zwei Räumungen waren die Folgen.


Derzeit stehen die Wägen in der Haidestraße in Simmering auf einem öffentlichen Parkplatz. Die MA 28, Eigentümerin des Grundstückes, hat ihr vorübergehendes Okay gegeben. Aufgrund von Anrainer-Beschwerden kam es jedoch bereits erneut zu einem Polizeieinsatz. Für die Simmeringer Bezirksvorsteherin Renate Angerer ist klar: "Sie müssen sich ein Grundstück mieten, wo die Bestimmungen passen." Das Problem sei nämlich, dass sich die Wagengruppe nicht an bestehende Gesetze halten wolle.

Gundula Wohlfahrt ist seit zwei Jahren Mitglied und kämpft für ihre Überzeugung. Sie macht keinen Campingurlaub, sondern hat sich bewusst für eine alternative Wohn- und Lebensform entschieden. Das Problem sieht sie beim fehlenden Verständnis der Politik. "Ich hatte auch schon mal eine Wohnung gemietet, aber dort fühle ich mich eingesperrt", erklärt Wohlfahrt ihre Motivation. Wichtig sei ihr die Wagengruppe auch als Gemeinschaft, nicht nur als bloßer Wohnort.

Politischer Wille gefragt
"Was wir brauchen, ist der politische Wille, das Thema durchzudiskutieren", klagt Wohlfahrt über die derzeitige Situation. Bisher sei die Wagengruppe von der rot-grünen Stadtregierung oft vertröstet worden: "Für uns war das Besetzen von Grundstücken die einzige Möglichkeit, eine - wenn auch schlechte - Verhandlungsbasis zu schaffen". In Wien herrsche laut Wohlfahrt kein Verständnis für solche alternativen Wohnformen.

Das sieht Christian Kaufmann, Pressesprecher von Stadtrat Michael Ludwig, anders: "Würde der Wille nicht bestehen, würde es den Wagenplatz im 22. Bezirk nicht geben", meint er.

In der Primavesigasse in Donaustadt hat die Wagenburg AKW Lobau einen Vertrag mit der Stadt Wien. "Was nicht sein kann ist, dass man Grundstücke einfach besetzt", sagt Kaufmann. Grundsätzlich gibt es in der Primavesigasse noch Platz für weitere Wägen, der von der "Treibstoff"-Gruppe jedoch nicht in Anspruch genommen wird. "Die Wägen, die dort stehen, sind Bauwägen, die nicht motorisiert sind. Das Grundstück ist eine Wiese. Wenn wir unsere motorisierten Wägen dort reparieren müssen, würde Öl in die Wiese tropfen. Außerdem kommen wir, wenn es einmal regnet, nur mehr schwer von dort weg, weil die Wägen einsinken", erklärt Wohlfahrt.

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Dokument erstellt am 2013-09-17 18:17:05



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