• vom 30.09.2013, 17:57 Uhr

Stadtpolitik

Update: 30.09.2013, 18:28 Uhr

Peter Hajek

Gescheiterte Lederhosenpartie




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (14)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Solmaz Khorsand und Bernd Vasari

  • Meinungsforscher Peter Hajek über die Neuerfindung der Wiener ÖVP und das Duell SPÖ gegen FPÖ
  • Die SPÖ ist für Meinungsforscher noch immer ein robustes Schlachtross.

Beim Erntedankfest am Wiener Heldenplatz herrschte bei der ÖVP noch ausgelassene Stimmung. - © apa

Beim Erntedankfest am Wiener Heldenplatz herrschte bei der ÖVP noch ausgelassene Stimmung. © apa

Wien. Die Zukunft der Wiener ÖVP sieht schwarz aus. Richtig schwarz. Davon ist Meinungsforscher Peter Hajek überzeugt: "Die ÖVP kann ihren Niedergang fast nicht mehr aufhalten." 13,42 Prozent der Wiener gaben der ÖVP bei den diesjährigen Nationalratswahlen ihre Stimme. Es ist ihr historisch schlechtestes Ergebnis in der Bundeshauptstadt.

Was ist passiert? Wo sind die einstigen Vertreter des traditionellen Bürgertums? "Die Bürgerlichen in der Stadt - sofern es sie noch gibt - die wählen heute Grün und Neos und nicht mehr die ÖVP", sagt Hajek. Das bürgerliche Umfeld sei zu beiden Seiten abgesteckt. Zur Linken hätten die Grünen das Feld abgegrast, sogar bald auch bei den Kirchgehern, von denen immer mehr Eva Glawischnig und Co. ihre Stimme geben würden. Und zur wirtschaftsliberalen Rechten saugen ihnen die Neos das Klientel weg. "Die ÖVP ist auf einem defensiven Rückzugsgefecht. Sie ist nur mehr trendy für alle jene, die gerne in der Stadt Lederhosen tragen", meint Hajek.


Dabei sah die Zukunft der Wiener ÖVP in den vergangenen Jahren recht vielversprechend aus. Als Manfred Juraczka 2011 die Partei von seiner Vorgängerin Christine Marek übernahm, holte er Wiens Konservative aus dem Tiefschlaf. Der einstige stellvertretende Hernalser Bezirksvorsteher setzte auf Kampagnen. Und zwar auf große Kampagnen. In Währing machte man Stimmung gegen das Parkpickerl. Und mobilisierte damit die schwarze Kernklientel. Mit Erfolg. Das Parkpickerl kam nicht, für die rot-grüne Politik gab es eine "schallende Ohrfeige" wie der ÖVP-Bezirksvorsteher Karl Homole medienwirksam verkündete.

Mit der Fußgängerzone auf der Mariahilfer Straße konnte die Stadtregierung Juraczka und seinem Team kein größeres Vorwahlgeschenk machen: Eine kontroversielle Fußgängerzone inmitten Wiens, war eine dankbare Zielscheibe für jede Opposition. Wochenlang machte die ÖVP gemeinsam mit der FPÖ mobil gegen das vermeintliche "Fiasko" im 6. und 7. Bezirk.

ÖVP muss komplett neu erfunden werden

Michael Häupl von der SPÖ (l.) sitzt trotz Zuwachs der FPÖ von Heinz-Christian Strache fest im Sattel.

Michael Häupl von der SPÖ (l.) sitzt trotz Zuwachs der FPÖ von Heinz-Christian Strache fest im Sattel.© apa Michael Häupl von der SPÖ (l.) sitzt trotz Zuwachs der FPÖ von Heinz-Christian Strache fest im Sattel.© apa

"Juraczka hat die Partei durchaus stabilisiert und ihr einen neuen Anstrich verpasst. Doch die Partei lebt von der Reaktion und nicht von der Aktion. Sie lebt davon, was die Grünen gerade bringen", analysiert Hajek. Das sei aber viel zu wenig: "In Wirklichkeit muss Juraczka die Partei komplett neu erfinden." Vor allem in Hinblick auf die Neos.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Schlagwörter

Peter Hajek, ÖVP, SPÖ, Grüne, FPÖ, Neos

1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2013-09-30 18:02:05
Letzte Änderung am 2013-09-30 18:28:15


Rohstoffe

Das Gold der Städte

Elektroschrott landet in vielen Ländern immer noch auf Mülldeponien. - © apa/dpa/Julian Stratenschulte Wien. In unseren Schubladen liegt Gold. Aus den mehr als zehn Millionen Handys, die schätzungsweise in Österreich ungebraucht herumliegen... weiter




Kulturticket-App

Goethes Gretchen - eine App

Die beiden Gründer Wolfgang Graf (r.) und Gerald Stockinger. - © Stanislav Jenis Wien. Die Unternehmensgründung von "Ticket Gretchen" erfolgte im klassischen Start-up-Sinn. Aus einem persönlichen Bedürfnis entstand eine Idee... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. "Ich bin ein Einzelkämpfer"
  2. Lichterbaum am Christkindlmarkt
  3. Das große Teilen auf der Straße
  4. Vom Cabaret zur Systemgastro
  5. Der allerzweckloseste Zweckbau von Pötzleinsdorf
Meistkommentiert
  1. Shoah-Gedenkmauer fix
  2. Wien soll 2027 Zwei-Millionen-Stadt werden
  3. Jetzt schon vorweihnachtlich
  4. Nichts zu machen?
  5. Zu schnell für den Gehsteig

Siemensgebäude

Der Investor und das Kreta-Viertel

In den tristen Betonbauten findet Zwischennutzung im großen Stil statt. - © Phillipp Hutter Wien. Am Rande von Kreta steht ein Zaun. Er soll nicht Flüchtlinge davon abhalten, Griechenland zu betreten. Er soll Wiener davon abhalten... weiter




Zwischennutzung

Die Hegemonie über die Zwischenwelt

Ein Gelände, zwei Welten: Auf der einen Seite ein geförderter Zwischennutzungs-Hub bei der Karl-Farkas-Gasse in Neu Marx . . . Wien. Es gibt Entwürfe, die in der Schublade verschwinden. Andere, die realisiert werden. Und dann gibt es jene Entwürfe... weiter





Stadtplanung

Höchstens 58 Meter

Am Areal beim Franz-Josefs-Bahnhof ist eine Überplattung mit terrassenförmigen Gebäuden geplant. - © apa/Zoomvp.at/Zoom visual Project GmvH Wien. 126 Meter hoch hätte gebaut werden dürfen - letztendlich hat man sich auf 58 Meter als höchsten Punkt beschränkt: In Wien wurde am Donnerstag... weiter




Bauen

"Wir bauen den größten Sondermüll der Baugeschichte"

Workers spreading mortar over styrofoam insulation and mesh with trowel - © fotolia/Dagmara_K Wien. Wenn Dietmar Steiner (67) auf einer europäischen Landkarte überall dort ein Fähnchen stecken würde, wo ein Bau steht... weiter





Athen

Gründen gegen die Wirtschaftskrise

Athen. 42 Jahre nach dem Ende der Militärdiktatur ist Athen wieder auf dem Boden gelandet. Schlechte Jobchancen, zusammengekürzte Sozialleistungen und... weiter




Teheran

Irans Nerds

Über den Dächern Teherans eifern junge Männer und Frauen ihrem Idol Steve Jobs nach. - © Solmaz Khorsand Teheran. Lang und breit könnte Nasser Ghanemzadeh über sein Leid klagen. Darüber, wie quälend das Leben in einer Islamischen Republik ist... weiter






Werbung