• vom 28.10.2013, 17:27 Uhr

Stadtpolitik


EKH

"Kinder weg, die Nazis kommen"




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  • Rechtsradikale stürmten Räume von türkischem Verein, Polizei kann zu den Motiven noch nichts sagen
  • Überfall auf EKH: Festgenommene sind polizeibekannt, Einvernahmen laufen.

Mit Holzlatten und Flaschen bewaffnet drangen 30 Neo-Nazis ins EKH ein. - © apa/Pfarrhofer

Mit Holzlatten und Flaschen bewaffnet drangen 30 Neo-Nazis ins EKH ein. © apa/Pfarrhofer

Wien. (rös) 30 Neo-Nazis haben am Sonntag die Räumlichkeiten des kurdisch-türkischen Vereins ATIGF im Ernst-Kirchweger Haus (EKH) in Favoriten regelrecht gestürmt. Auf der Stiege prügelten sie ein Vorstandsmitglied der Kommunistischen Gewerkschaftsinitiative-International (KOMintern), Rudolf F., nieder. Mitglieder der ATIGF drängten die Angreifer wieder aus dem Haus. Dabei wurde einer der Aggressoren ebenfalls verletzt.

Laut Polizeiangaben bewaffneten sich die Rechtsradikalen bei einer Baustelle mit Holzlatten und Flaschen für eine weitere Attacke. Als sie jedoch sahen, dass ihre Kontrahenten in der Überzahl waren, flüchteten sie. Die Angegriffenen verfolgten sie und alarmierten die Polizei, die letztlich neun Angreifer festnahm. Die anderen wurden auf freiem Fuß angezeigt.


Wie am Montag bekannt wurde, sind die Festgenommenen bereits polizeibekannt: Sieben haben Vormerkungen wegen Gewaltdelikte, die anderen beiden nach dem Verbotsgesetz. Sie werden dem Fanzusammenschluss "Unsterblich" zugerechnet, dem der FK Austria Wien im vergangenen Jänner den Status als offizieller Fanklub des Vereins entzogen hat. Am Montag waren die Ermittler des Verfassungsschutzes mit der Auswertung von zahlreichen Fotos und Videos beschäftigt, die bei der Attacke entstanden waren.

Ob der Angriff geplant war, könne man noch nicht sagen, erklärte Polizeisprecher Thomas Keiblinger im Gespräch mit der "Wiener Zeitung." Rund 20 Personen müssen laut Keiblinger noch einvernommen werden. "Wir wissen noch gar nichts. Die festgenommenen Personen dürfen in kein Stadion - vielleicht war ja ein Lokal in der Nähe und der Streit hat schon dort begonnen", meinte Keiblinger. "Vielleicht haben die Hooligans dann die ATIGF-Leute ins EKH verfolgt, um dort zu bemerken, dass sie nun selbst in der Minderheit sind und das Ganze ist wieder in die andere Richtung gegangen: Ob das also eine gezielte Aktion war oder eine Schnapsidee - wir wissen es noch nicht", erklärte der Sprecher.

Für den Sprecher von KOMintern handelte es sich hingegen "hundertprozentig um einen gezielten Angriff auf das Kulturzentrum", wie er am Montag auf Anfrage erklärte. "Die politische Motivation war definitiv massive Ausländerfeindlichkeit, verstärkt durch den Grant und die Wut, nicht mehr ins Stadion zu dürfen, und nichts Besseres zu tun zu haben", so der Sprecher weiter. Dass es sich bei "Unsterblich" um einen rechtsradikalen Verein handle, sei schließlich kein Geheimnis. Außerdem habe die Austria am Wochenende das Derby gegen Rapid verloren, was für zusätzlichen Frust gesorgt haben könnte.

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