• vom 04.12.2013, 17:05 Uhr

Stadtpolitik

Update: 04.12.2013, 17:26 Uhr

Wiener Krankenanstaltenverbund

Neue Führung für Wiens Spitäler




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Von Christian Rösner

  • Wilhelm Marhold verlässt den Krankenanstaltenverbund im Mai kommenden Jahres
  • Krankenanstaltenverbund-Direktor zieht sich nach zehn Jahren zurück.

Gehen nächstes Jahr: Marhold (l.) und Krepler (r.).

Gehen nächstes Jahr: Marhold (l.) und Krepler (r.).© apa/Hochmuth Gehen nächstes Jahr: Marhold (l.) und Krepler (r.).© apa/Hochmuth

Wien. Der Generaldirektor des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV), Wilhelm Marhold, zieht sich mit 31. Mai 2014 zurück. "Ich bin nicht schwer krank, es gibt keinen Konflikt oder so etwas - es sind einfach Gründe, die der Privatsphäre zuzuordnen sind", erklärte Marhold am Mittwoch im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Demnach geht der oberste Spitalsmanager der Stadt nach zehnjähriger Dienstzeit "im besten Einvernehmen", wie der 60-Jährige betont.

Damit wird der KAV bald unter einer völlig neuen Führung stehen: Denn auch Reinhard Krepler, Direktor der Teilunternehmung AKH Wien - Medizinischer Universitätscampus, wird Ende 2014 in den Ruhestand treten. Und erst zu Beginn dieses Jahres wurde Marhold Udo Janßen als Stellvertreter zur Seite gestellt sowie auch Thomas Balázs, der mittlerweile die Bereiche Infrastruktur und Organisationsentwicklung übernommen hat.


Gerüchte, wonach der Generaldirektor mit den neuen Vorständen nicht zurechtgekommen sei, weil sie ihm laufend "in die Suppe gespuckt" hätten, will Marhold nicht bestätigen. "Bitte nicht persönlich nehmen, aber auf diesem Niveau kommentiere ich so etwas nicht", meint er dazu.

"Dreier-Vorstand hat sich von Anfang an bewährt"
Der KAV ist im Laufe der Jahre immer größer geworden. Da sei es sinnvoll gewesen, mindestens eine dritte Person in den Vorstand zu holen. "Dass Thomas Balázs jetzt für die Organisationsentwicklung, die IT und die Bauprojekte zuständig ist, hat sich vom ersten Tag an bewährt", betont Marhold. Balázs war vor dem KAV übrigens bei Siemens im Bereich Neu- und Restrukturierungsprozesse tätig und verantwortlich für große Infrastrukturvorhaben. "Und der Kollege Janßen ist ein top-ausgebildeter Arzt, Jurist und Betriebswirt. Er hat vorher das deutsche Krankenhausinstitut geleitet und ist jetzt Spitälerchef." Eine bessere Aufteilung könne man sich gar nicht wünschen, meint Marhold.

Er wolle einfach ein wenig Druck aus seinem Leben nehmen. "Und ich denke, mit 61 Jahren hat man das Recht dazu", ergänzt der Generaldirektor. Ganz untätig werde er aber nicht sein. Seine Ordination im 3. Bezirk, die er bis dato nur eingeschränkt führen konnte, will der Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe wieder aufleben lassen - aber "stressfrei", wie er meint.

Marhold 2005 geholt, um Pflegeskandal zu reparieren
Vor der Übernahme der KAV-Generaldirektion hatte Marhold die ärztliche Leitung der Rudolfstiftung inne. Mitte Dezember 2004 wurde er Chef der Teilunternehmung Krankenanstalten und am 1. Mai 2005 trat er schließlich den Spitzenposten im Krankenanstaltenverbund an. Die Neubesetzung war damals von Bürgermeister Michael Häupl als Konsequenz der Pflegemissstände im Geriatriezentrum am Wienerwald in Lainz veranlasst worden.

Wer Marhold nachfolgt, ist noch nicht klar. Man habe dank der frühzeitigen Bekanntgabe nun ausreichend Zeit, um in den kommenden Monaten die notwendigen Schritte zu planen und zu setzen, erklärte eine Sprecherin von Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely. Derzeit gehören zum KAV elf Krankenhäuser sowie zehn Geriatriezentren und Pflegewohnhäuser. Rund 30.000 Mitarbeiter sind dort beschäftigt, das Jahresbudget beträgt knapp vier Milliarden Euro.

Die Arbeit in den vergangenen zehn Jahren will Marhold selbst nicht bewerten, "ich denke aber, dass uns viel gelungen ist", meint er. Seine Handschrift würden vor allem das Spitalskonzept, die Konzentration der Standorte und die Bündelung der Leistungen tragen. "Und, was mich besonders gefreut hat, ist, dass es mir gelungen ist, mit der Dialyse die Gebietskrankenkasse, die Barmherzigen Brüder und den KAV zusammenzubringen. Das hat vorher noch keiner geschafft. Auf solche Sachen bin ich schon ein bisschen stolz", gibt Marhold zu.

"Konsens mit Personal kann ich nur weiterempfehlen"
Auch die Umwandlung des Elisabethspitals in ein Pflegewohnhaus hätte neidische Blicke der deutschen Nachbarn auf Wien zur Folge gehabt. "Wir haben nicht nur davon geredet, dass man Akutbetten reduzieren muss und Pflegebetten aufbauen, sondern wir haben das auch gemacht." Bemerkenswert ist für Marhold auch, dass die Mitarbeiter hier mitgegangen seien. "Ich habe immer den Konsens mit der Personalvertretung gehabt - und das kann ich nur weiterempfehlen", sagt Marhold in Richtung seiner potenziellen Nachfolger.




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Dokument erstellt am 2013-12-04 16:59:04
Letzte Änderung am 2013-12-04 17:26:22


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