• vom 11.02.2014, 06:00 Uhr

Stadtpolitik

Update: 06.02.2018, 16:42 Uhr

Interview

"Die Roten waren der Teufel"




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (14)
  • Drucken
  • Leserbrief





Das heißt, die restaurativ halbfaschistischen Kräfte konnten sich jetzt sozusagen auf die kirchliche Verdammung stützen. Die Roten waren nicht nur die Roten, sondern sie waren der Teufel. Die Mehrheit der Pfarren waren daraufhin die Verbreiter des absoluten Hasses und vor allem der absoluten Furcht vor den Roten, was besonders bei den Leuten angekommen ist, die ohnehin nie einen Roten gesehen haben in ihrem ländlichen Bereich. Da hat also die Kirche eine ganz unheilvolle Rolle gespielt, denn der Austrofaschismus konnte sich auf päpstliche Vorgaben stützen.

Was bleibt vom Ständestaat?

Es ist heute noch immer ein stark ständisches Denken da. Und das, obwohl sich die Situation grundlegend verändert hat. In den 1930er Jahren arbeitete mehr als ein Drittel der Bevölkerung in der Landwirtschaft, wesentlich mehr in der Industrie, der Rest gar nicht oder im Gewerbe. Die Idee des ständischen Ausgleichs hatte eine gewisse materielle Basis, die heute in der Form nicht mehr existiert. Aber Institutionen dieses ständischen Denkens sind noch immer da. Etwa ein Stand, der heute drei Prozent der Bevölkerung ausmacht, ist der Bauernbund. Der hat unverhältnismäßig großen Einfluss, sowohl personell als auch wirtschaftlich auf die Politik. Es gibt nach wie vor den ÖVP-Bauernbund, es gibt nach wie vor die Landwirtschaftskammern. In Wirklichkeit ist das aber ein krasses Minderheitenprogramm. Sie tun aber so, als ob sie von der Anzahl her gleichwertig wären.

Die Arbeitnehmer sind heute hingegen in einer Kammer vereinigt. Da stoßen gegensätzliche Interessen aufeinander. Man muss vom Ladenverkäufer bis zum Ingenieur alle unter einen Hut bringen. Das lässt sich nicht mehr leicht in einer Interessenvertretung bündeln. Daher ist
eine Institutionenrevision die Schlussfolgerung aus dem Danebengehen der ständischen Vertretungen des Ständestaates. Es müsste da andere Formen geben.

zurück zu Seite 1




1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2014-02-10 17:32:04
Letzte Änderung am 2018-02-06 16:42:39


Rohstoffe

Das Gold der Städte

Elektroschrott landet in vielen Ländern immer noch auf Mülldeponien. - © apa/dpa/Julian Stratenschulte Wien. In unseren Schubladen liegt Gold. Aus den mehr als zehn Millionen Handys, die schätzungsweise in Österreich ungebraucht herumliegen... weiter




Kulturticket-App

Goethes Gretchen - eine App

Die beiden Gründer Wolfgang Graf (r.) und Gerald Stockinger. - © Stanislav Jenis Wien. Die Unternehmensgründung von "Ticket Gretchen" erfolgte im klassischen Start-up-Sinn. Aus einem persönlichen Bedürfnis entstand eine Idee... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Rückgang bei Lagezuschlägen erwartet
  2. Unternehmer wollen Seidenstraße
  3. Krawuzikapuzi: Andre Heller rettet Kasperl und Pezi
  4. Soforthilfetruppe für Lehrer
  5. Meucheln in Griechenland
Meistkommentiert
  1. Das grüne Gespenst
  2. Ein Buch als Zündstoff für eine Politik-Debatte
  3. "Muss schlichten statt unterrichten"
  4. "Das war ein Amoklauf"
  5. Chorherr geht mit Jahresende

Siemensgebäude

Der Investor und das Kreta-Viertel

In den tristen Betonbauten findet Zwischennutzung im großen Stil statt. - © Phillipp Hutter Wien. Am Rande von Kreta steht ein Zaun. Er soll nicht Flüchtlinge davon abhalten, Griechenland zu betreten. Er soll Wiener davon abhalten... weiter




Zwischennutzung

Die Hegemonie über die Zwischenwelt

Ein Gelände, zwei Welten: Auf der einen Seite ein geförderter Zwischennutzungs-Hub bei der Karl-Farkas-Gasse in Neu Marx . . . Wien. Es gibt Entwürfe, die in der Schublade verschwinden. Andere, die realisiert werden. Und dann gibt es jene Entwürfe... weiter





Stadtplanung

Höchstens 58 Meter

Am Areal beim Franz-Josefs-Bahnhof ist eine Überplattung mit terrassenförmigen Gebäuden geplant. - © apa/Zoomvp.at/Zoom visual Project GmvH Wien. 126 Meter hoch hätte gebaut werden dürfen - letztendlich hat man sich auf 58 Meter als höchsten Punkt beschränkt: In Wien wurde am Donnerstag... weiter




Bauen

"Wir bauen den größten Sondermüll der Baugeschichte"

Workers spreading mortar over styrofoam insulation and mesh with trowel - © fotolia/Dagmara_K Wien. Wenn Dietmar Steiner (67) auf einer europäischen Landkarte überall dort ein Fähnchen stecken würde, wo ein Bau steht... weiter





Athen

Gründen gegen die Wirtschaftskrise

Athen. 42 Jahre nach dem Ende der Militärdiktatur ist Athen wieder auf dem Boden gelandet. Schlechte Jobchancen, zusammengekürzte Sozialleistungen und... weiter




Teheran

Irans Nerds

Über den Dächern Teherans eifern junge Männer und Frauen ihrem Idol Steve Jobs nach. - © Solmaz Khorsand Teheran. Lang und breit könnte Nasser Ghanemzadeh über sein Leid klagen. Darüber, wie quälend das Leben in einer Islamischen Republik ist... weiter






Werbung