• vom 17.02.2015, 18:09 Uhr

Stadtpolitik


Krankenanstaltenverbund

"Spitalsalltag komplett umdenken"




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Von Christian Rösner

  • Für Krankenanstaltenbund ist es kein Widerspruch, bei gleichzeitiger Arbeitszeitreduktion 10 Prozent der Ärzte einzusparen.

Kommt ein Spital mit weniger Ärzten aus, ohne dass das Auswirkungen auf die Patienten hat? Der Wiener Krankenanstaltenverbund glaubt ja.

Kommt ein Spital mit weniger Ärzten aus, ohne dass das Auswirkungen auf die Patienten hat? Der Wiener Krankenanstaltenverbund glaubt ja.© apa/Helmut Fohringer Kommt ein Spital mit weniger Ärzten aus, ohne dass das Auswirkungen auf die Patienten hat? Der Wiener Krankenanstaltenverbund glaubt ja.© apa/Helmut Fohringer

Wien. Die Aufregung um den geplanten Ärzte-Abbau in den Wiener Spitälern ist groß. Wie bereits berichtet, plant der Krankenanstaltenverbund (KAV) durch die Umstrukturierung der Nachtdienste, bis 2018 insgesamt 382 Ärzte abzubauen. Das sind immerhin 10 Prozent der gesamten angestellten Wiener Ärzteschaft. Und das bei einer gleichzeitigen Senkung der Arbeitszeit von 60 auf 48 Stunden.

Zu diesem Thema hatte erst vor kurzem der Geschäftsführer der Vorarlberger Krankenhausbetriebsgesellschaft, Gerald Fleisch, gegenüber der "Wiener Zeitung" generell einen Zusatzbedarf an Ärzten von 10 Prozent geortet - zumindest was die anderen Bundesländer betrifft. In Wien dürfte das nach Ansicht des KAV, aber auch nach Ansicht des Wiener Bürgermeisters Michael Häupl anders sein. Der Vorsitzende des Personalgruppenausschusses, Wolfgang Weismüller, will sich auf jeden Fall gegen die "Wiener Vorgangsweise" "mit allen zu Gebote stehenden Mitteln wehren", wie er bereits am Montag betonte. Auch fünf Primarärzte des KAV meldeten am Dienstag ihre Bedenken an. Unter diesen Rahmenbedingungen sei es unmöglich, die Leistungserbringung in derzeitigem Umfang und derzeitiger Qualität aufrechtzuhalten, hieß es. Außerdem wurde vonseiten der Primarärzte auch die Befürchtung geäußert, dass es nun umso schwerer werde, junge Ärzte im KAV zu halten.


"Hier geht es aber nicht um 382 Ärzte, die eingespart werden sollen, sondern um ein komplettes Umdenken des Spitalsalltages", betonte man am Dienstag im KAV. Die Voraussetzung dafür sieht man in der einzigartigen und historisch gewachsenen Gehaltsstruktur der Wiener Spitäler, die sich vorwiegend auf die Nachtdienste konzentriert. Die niedrigen Grundgehälter der Ärzte seien nämlich bisher durch viele Nachtdienste kompensiert worden. Wien sei deshalb das einzige Bundesland, in dem Nachtdienste bereits um 13 Uhr beginnen. "Das heißt, dass wenn ich einen Orthopäden um 16 Uhr für die Patientenversorgung im Spital gebraucht habe, dann musste der bis am nächsten Tag um 8 Uhr beschäftigt werden. Das bedeutet für ein Spital sicherlich nicht die maximale Ausschöpfung seiner Kapazitäten", heißt es aus dem KAV dazu. Außerdem sei das auch mit der EU-Arbeitszeitrichtlinie nicht mehr vereinbar.

Dienstpläne auf Abteilungsebene erstellen
So habe man sich anlässlich der neuen Gehaltsstrukturen auch überlegt, das Arbeitszeitmodell zu reformieren. Einig sei man sich dabei sowohl mit Ärztekammer als auch mit Gewerkschaft, dass dann die meisten Ärzte im Spital sein sollten, wenn am meisten Arbeit ansteht. Und das sei in der Regel zwischen 7 und 19 Uhr und nicht während des bisher regulären Tagdienstes zwischen 9 und 13 Uhr. Damit das aber nicht eine Art Schichtbetrieb wie in einem Bergwerk führt, sei nun ein Prozess eingeläutet worden, der erheben soll, wann jede einzelne Abteilung am meisten Leistung für die Patienten erbringen muss. Ziel sei es, dass am Ende die Dienstpläne auf Abteilungsebene erstellt werden.

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Dokument erstellt am 2015-02-17 18:14:05


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