• vom 19.02.2015, 17:42 Uhr

Stadtpolitik


Krankenanstaltenverbund

"Zeitachse nicht einzuhalten"




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Von Christian Rösner

  • Für Gesundheitsökonom Pichlbauer ist Ärztereduktion machbar, aber nicht bis 2018.

Junge Ärzte wären von der Reform stark betroffen.

Junge Ärzte wären von der Reform stark betroffen.© apa/Roland Schlager Junge Ärzte wären von der Reform stark betroffen.© apa/Roland Schlager

Wien. Der Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) will den Spitalsalltag in Wien komplett umdenken und mithilfe einer völlig neuen Diensteinteilung auch 10 Prozent der Ärzte bis 2018 abbauen. Einige Primarärzte haben das scharf kritisiert, weil dann nicht mehr die gewohnte Leistung für die Patienten erbracht werden könnte und es außerdem dadurch immer schwerer werde, junge Ärzte zu halten. Konkret will der KAV in seinen Spitälern die Kernarbeitszeit zwischen 7 und 19 Uhr festlegen und sich von den um 13 Uhr beginnenden Nachtdiensten verabschieden - die "Wiener Zeitung" hat berichtet.

Nach einem Gespräch der Primarärzte mit Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely scheint nun wieder alles in Ordnung zu sein: Wehsely habe den Ärzten zugesichert, dass jede Abteilung einzeln evaluiert werden soll. Leistungen und Personal sollen dabei erhoben und die Strukturen den Erfordernissen entsprechend mittelfristig geändert werden - so wie das auch der KAV bereits der "Wiener Zeitung" erklärt hatte.


Doch Gesundheitsökonom Ernest Pichlbauer ist weiterhin skeptisch. Im Krankenhaus Horn etwa habe man zwei Jahre lang gebraucht, um über die neuen Prozesse einer zentralen Aufnahmestation zu diskutieren. Und das sei im Wiener Vergleich ein winziges Spital. "Ich maße mir an zu behaupten, dass das ein gigantischer Betrieb wie das AKH, das immerhin ein Drittel seiner Patienten umschichten will, mit seinen 3000 Ärzten, 8000 Krankenschwestern und 18.000 Mitarbeitern das nicht in zwei Jahren diskutieren kann", meint Pichlbauer.

Das wäre dem Experten zufolge nur dann möglich, wenn man alle Change-Management-Firmen Österreichs für diese Aufgabe beauftragen würde, damit sie jede einzelne Abteilung begleitet. Denn den Primarärzten, die diese Aufgabe jetzt übernehmen sollen, sei das nicht zuzutrauen, weil sie es 20 Jahre lang nicht mussten.

Das heißt laut Pichlbauer, dass sich die Abteilungen bisher mit fixen Dienstplänen mehr oder weniger selbst organisiert haben - egal, ob nun drei Nachtdienste benötigt wurden oder nicht, sie wurden eingehalten. "Das ist zwar nicht effizient, aber es hat funktioniert", so Pichlbauer. Künftig müssten die Primarärzte diese Managementfunktion und die gesamte Koordination der Abteilungen übernehmen.

"Excel-Files reichen nicht"
Um hier einen Überblick zu bekommen, würde eine Evaluierung durch Excel-Files mit aufgezeichneten Dienstzeiten - so wie sich das der KAV vorstelle - nicht reichen. "Das sind komplexe Prozesse, die lange beobachtet werden müssen, um daraus neue, effizientere Dienstpläne ableiten zu können", meint Pichlbauer.

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Dokument erstellt am 2015-02-19 17:47:04


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