• vom 27.09.2016, 17:52 Uhr

Stadtpolitik

Update: 28.09.2016, 11:41 Uhr

Behindertengleichstellungsgesetz

Der Traum vom barrierefreien Hotel




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Von Niklas Hintermayer

  • Nur 0,6 Prozent aller Hotelzimmer in Wien sind behindertengerecht ausgestattet. Trotz Behindertengleichstellungsgesetz.

Wien. Sich in einem Hotel zurechtzufinden, wünscht sich jeder Gast. Dass einige Gäste kürzer kommen als andere, wollte Michael Sicher am Welttourismustag am Dienstag noch einmal unterstreichen: Es sind Menschen mit Behinderung. Sie haben mit mangelnder Barrierefreiheit und fehlenden Informationen an geeigneten Hotels zu kämpfen.

"Es gibt in Wien wenige Hotels, die wirklich viele barrierefreie Zimmer für Rollstuhlfahrer anbieten. Das macht es für größere Reisegruppen schwierig", sagt Michael Sicher zur "Wiener Zeitung", der selbst seit seinem zweiten Lebensjahr im Rollstuhl sitzt. Der Unternehmer hat vor zwei Jahren die Plattform "roomchooser.com" ins Leben gerufen. Das Ziel: Menschen mit Behinderung soll es erleichtert werden, ein passendes Hotelzimmer zu finden. "Man sieht auf den Fotos auf der Homepage etwa, wo sich die Haltegriffe im Bad befinden oder auf welche Höhe man auf das Waschbecken zufahren kann", erklärt Behinderten-Lobbyist Sicher.


Der Wiener nahm einen unbefriedigenden Aufenthalt in Hamburg zum Anlass, 2014 die Plattform zu gründen, weil er keine barrierefreie Unterkunft gefunden hatte. Auch in Wien sieht die Lage nicht rosig aus.

Barrierefreie Hotels hätten durchschnittlich drei entsprechende Zimmer. Insgesamt schätzt Sicher, dass nur 0,6 Prozent aller Hotelzimmer in Wien behindertengerecht ausgestattet sind. 65.000 Betten in Beherbergungsbetrieben gibt es laut der Wirtschaftskammer in Wien.

Dabei müsste die Barrierefreiheit in Wien bereits breiter aufgestellt sein: Mit 1. Jänner 2016 lief die Übergangsfrist des Bundesbehindertengleichstellungsgesetzes aus. Dieses schreibt etwa Tourismusbetrieben vor, ihren Standort barrierefrei einzurichten. Dies ist jedoch nur insoweit durchzuführen, als es dem Betrieb "zumutbar" ist. Ein durchaus dehnbarer Begriff, wie Barbara Schmied-Länger von der Wirtschaftskammersparte Tourismus befindet: "Es kommt vor allem auf die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens an. Großen Hotelketten wird das eher möglich sein, als kleinen Pensionen im Altbau." Und genau darin spießt sich die Sache: "Wir können in Wien ein Bemühen erkennen. Und auch das zählt schon. Wir sind auf einem guten Weg, aber noch lange nicht am Ziel", sagt Schmied-Länger. Echte Konsequenzen hat eine mangelnde Herstellung der Barrierefreiheit jedenfalls nicht: Das Gesetz sieht weder Strafen noch eine behördliche Überwachung von baulichen Maßnahmen vor.

Michael Sicher wünscht sich in Zukunft einen selbstverständlicheren Umgang mit dem Thema. "Es geht oft um Kleinigkeiten, die es den Betroffenen wie etwa Rollstuhlfahrer schwer machen. So gibt es oft Tretmistkübel, die sie nicht bedienen können, ebenso wenig die Klimaanlage, die sich in unerreichbarer Höhe befindet", sagt Sicher. Er selbst bietet den Betroffenen Hilfestellungen an. So hat er anlässlich des Welttourismustages im Hotel Zeitgeist im 10. Bezirk einen Audioguide für Blinde vorgestellt. Diesen sollte etwa mittels einer sprachlichen Anleitung geholfen werden, das Zimmertelefon zu bedienen, erklärt Sicher.




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Dokument erstellt am 2016-09-27 17:56:02
Letzte Änderung am 2016-09-28 11:41:02



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