• vom 10.11.2016, 16:45 Uhr

Stadtpolitik

Update: 14.01.2017, 17:56 Uhr

Donaukanal

"Zu Tode belebt"




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Von Matthias Winterer

  • Mit der Eröffnung des Feuerdorfes schreitet die Kommerzialisierung und Verbauung des Donaukanals weiter voran.

Die Grillhütten am Donaukanal stehen direkt an der Kante der Kaimauer. Laut Donaukanal-Partitur eine konsumfreie Zone. - © Winterer

Die Grillhütten am Donaukanal stehen direkt an der Kante der Kaimauer. Laut Donaukanal-Partitur eine konsumfreie Zone. © Winterer

Wien. Der Donaukanal hat sich verändert. In der vergangenen Dekade ist er zur Party- und Gastromeile mutiert und wurde zunehmend verbaut. Vor allem auf den zwei Kilometern am Rande der Inneren Stadt zwischen Franzens- und Augartenbrücke schossen Lokale wie Pilze aus dem Boden. Jahr für Jahr wurden neue Getränkestände aufgestellt. Jahr für Jahr vermietete man weitere öffentliche Flächen an private Gastronomen. Und Jahr für Jahr strömten mehr Besucher an das zentralste Wiener Donauwasser. Zumindest im Sommer.

In der kalten Jahreszeit verhallte die Partymusik. Der Trubel wich den Spaziergängern und Flaneuren. Doch dies könnte nun ein Ende haben.


Denn mit dem sogenannten Feuerdorf eröffnete Mitte Oktober der erste winterliche Gastronomiebetrieb am Donaukanal. In zehn Grillhütten können bis zu zwölf Gäste um eine Feuerstelle sitzen und grillen. Am rechten Schattenufer zwischen Salztorbrücke und dem Musikclub Flex stehen die rustikalen Holzhütten auf einem Untergrund aus Rindenmulch. Sie sind mit Holzstegen verbunden und ordnen sich um eine zentrale Schirmbar an. Neben der schlichten Architektur des Ringturms wirken sie wie Fremdkörper. Ähnlich der Prater-Alm oder dem Wiener Oktoberfest oszilliert das Arrangement irgendwo zwischen folkloristisch verklärtem Alpendorf und feuchtfröhlicher Après-Ski-Party.

Fläche wurde eigentlich als konsumfreie Zone definiert
Doch das neue Feuerdorf richtet sich weniger an ein ausgelassenes Partyvolk. "Wir werden von vielen Firmen als Alternative zur Weihnachtsfeier gebucht", sagt Initiator Hannes Strobl. 120 Euro kostete es, eine Hütte zu mieten. Natürlich darf man selbst kein Essen mitnehmen. Das günstigste Menü startet bei 19 Euro, das teuerste kostet 45 Euro. Die hohen Preise werden mit der hohen Qualität der Produkte gerechtfertigt. Zielpublikum ist eine gehobene Klientel.

Wo man im Sommer noch die Füße über die Kaimauer baumeln lassen konnte, werden nun also teure Menüs verkauft. Wieder einmal stellt sich die Frage, wie mit öffentlichem Grund und Boden umgegangen werden soll. Soll der Donaukanal als innerstädtischer Freiraum genutzt werden oder als Gewerbefläche? Ist der Kanal in erster Linie als Erholungsgebiet für die Bürger da oder für Gastronomen, um hohe Gewinne zu erzielen?

Eine Antwort gibt eigentlich die Donaukanal-Partitur - Gestaltungs- und Entwicklungsleitlinien für den Donaukanal -, die 2014 von der Stadt einstimmig zur Kenntnis genommen wurde. Sie wurde bei den Architektinnen Gabu Heindl und Susan Kraupp in Auftrag gegeben, damit das Verhältnis zwischen Freiräumen und kommerziell genutzten Flächen nicht kippt. Kern der Partitur ist ein "Nicht-Bebauungsplan".

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-11-10 16:23:11
Letzte Änderung am 2017-01-14 17:56:48


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