• vom 18.11.2016, 16:51 Uhr

Stadtpolitik

Update: 21.11.2016, 13:18 Uhr

Start-up

Smarte Karten und Häupl-Emojis




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Von Alexander Maurer

  • Im Start-up-Inkubator "5starts" werden kreative Jungfirmen flügge und unterstützen einander.



Wien. Die Stadt an der Donau ist bekannt für Sachertorte, Apfelstrudel – und vielleicht bald auch für smarte Kreditkarten und innovative Werbepraktiken. Die Wiener Start-up-Szene beherbergt viele kreative Köpfe, die nur die richtige Unterstützung brauchen. Drei von ihnen stellte der Start-up-Inkubator 5starts der Unternehmercommunity sektor5 mit Unterstützung von aws Jumpstart und der Wirtschaftsagentur Wien Donnerstagabend auf seinem "Demo Day" vor.

Die Räumlichkeiten von sektor5 in der Siebenbrunnengasse in Margarten sind quasi ein offenes Großraumbüro für Start-ups. Tisch an Tisch wird gearbeitet, einander unterstützt und gegenseitig vernetzt. Gegründet wurde es 2010 von Yves Schulz. Den gebürtigen Leipziger zog es dafür von Graz in die Donaumetropole, erzählt er im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Die niederländische Community Managerin Floor Drees stieß dann ein Jahr später dazu. Als 2015 die Wirtschaftsagentur Wien nach Start-up-Inkubatoren suchte, waren die beiden Feuer und Flamme. "Wir wollten sofort loslegen und hatten Anfang 2016 unsere ersten drei Start-ups", erzählt Floor Drees.

Eine Karte für alles


Danach folgten jene drei Jungunternehmen, die am Demo Day vorgestellt wurden. Eines von ihnen ist "Handcheque". Es arbeitet an einer smarten Scheckkarte, die alle herkömmlichen Plastikkarten, von Kredit- bis Kundenkarte, in sich vereinen und so Ordnung im Portemonnaie schaffen soll. Sie ist mit einem Touchdisplay ausgestattet, mit dem zwischen allen gespeicherten Karten gewechselt werden kann. Kreditkarten müssen vor der Benutzung jedoch mit einem PIN-Code entsperrt werden. "Dadurch sind wir bei der Betrugssicherheit ganz vorne", meinen die Gründer Khaled Asef und Valentin Jilch. Ende 2017 soll die smarte Karte erhältlich sein.

Die anderen beiden erfolgreich im Inkubator aufgezogenen Start-ups sind in der Werbebranche angesiedelt. Folyo vermische die Vorteile von Online-Werbung mit Außenwerbung, meint Gründer Manuel Klabacher. Das Start-up verkauft seit Anfang November Werbeflächen auf Autos, aktuell arbeiten sie mit Fahrern des Fahrdienstvermittlers Uber zusammen. Kunden können auf der Website von Folyo Werbung bestellen, die den Wagen dann binnen kurzer Zeit auf die Karosserie geklebt wird. Mittels GPS werden die Fahrwege erfasst, in Verbindung mit Verkehrsdaten und weiteren Algorithmen werden dann so die geschätzten Kontakte der Anzeige errechnet, nach denen sich der Preis für die Werbetreibenden richtet. Auch können Wagen für eine stärkere Wirkung als "car mob" an bestimmte Orte geschickt werden.
Das wohl skurrilste Start-up des Abends geht auf die Kappe von Jacob Moss. Vor drei Jahren strandete der australische Journalist in Wien. Er bemerkte, dass es nur sehr wenige englischsprachige Online-Publikationen gab, und gründete daher gemeinsam mit der Grafikdesignerin Sofie Mayer "Vienna Würstelstand". Das Online-Magazin ist vor allem durch seine Tipps zur Stadtnutzung oder virale Ideen wie die "Wiener Emojis", zu denen etwa Mannerschnitten, Sachertorte oder ein Michael-Häupl- und Mozart-Smiley gehören, erfolgreich geworden. 30 Prozent der Leserinnen und Leser sind Österreicher.

Gegenseitige Hilfe


Das Team will seine Fähigkeiten über die angeschlossene Kreativagentur "pow. bang. boom" nun auch Werbekunden anbieten und dabei neue Wege beschreiten. "Wir sind der Ansicht, dass alte Werbeformen aussterben – und wir sind jene, die den Champagner zum Begräbnis mitbringen", meint Joss scherzend.

Die Jungunternehmer schätzen vor allem die individuelle Betreuung, die ihnen während ihrer fünf Monate im Inkubator zuteil wurde. "Man bekommt hier nicht nur einfach ein Standardprogramm und wird allein gelassen", meint Gioia Zloczower von Vienna Würstelstand. "Wir haben hier mit Floor und Yves schon viele Samstage und ganze Wochenenden verbracht", fügt Jacob Moss lachend hinzu.

Neuer Chefprogrammierer

Die Start-ups profitieren aber auch voneinander. So haben alle drei Jungunternehmen neue Mitarbeiter im Inkubator gefunden. Beispielsweise freut man sich bei Folyo über einen neuen Chefprogrammierer. "Er ist nicht nur sehr talentiert, sondern wir verstehen uns auch gut miteinander. Das findet man in diesem Bereich nicht so einfach", meint Klabacher.

Auch für die nächste Runde des Inkubators haben sich zahlreiche Unternehmen beworben, laut Floor Drees haben es bereits zehn in die engere Auswahl geschafft. "Wir möchten diesmal gern mehr als drei Start-ups unter unsere Fittiche nehmen, aber das kommt vor allem auf die Bewerber an", meint sie.





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Dokument erstellt am 2016-11-18 16:56:05
Letzte Änderung am 2016-11-21 13:18:31


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