• vom 08.04.2017, 08:00 Uhr

Stadtpolitik

Update: 26.04.2017, 15:30 Uhr

Koranverteiler

Allah auf Rädern




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Von Arian Faal

  • Mobile Koranverteilungen mittels Lastenfahrrädern sorgen einmal mehr für Kontroversen.

Koranverteilungen sind allein durch eine Novelle der StVO zu stoppen.

Koranverteilungen sind allein durch eine Novelle der StVO zu stoppen.© Moritz Ziegler/Wiener Zeitung Koranverteilungen sind allein durch eine Novelle der StVO zu stoppen.© Moritz Ziegler/Wiener Zeitung

Wien. "Allah-u-Akbar! Allah-u-Akbar", schreit ein junger Mann. Sie sind wieder da, die bärtigen Männer mit dem grimmigen Gesicht, nur verteilen sie das heilige Buch des Islam nun nicht wie früher mittels fixem Stand, etwa auf der Mariahilfer Straße oder Meidlinger Hauptstraße, sondern auf einem Lastenfahrrad.

Lange war es ruhig geworden rund um die umstrittenen Koranverteiler. Zwischen 2014 und 2016 hatten sie,l wie berichtet, die Stadt mit ihren "Lies mich"-Ständen gespalten. Diesmal ist das Gefährt an der Grenze zwischen 1. und 6. Bezirk unterwegs. Gleich geblieben ist die Methodik: Zwei bis vier Männer sind mit hunderten Koran-Exemplaren auf Deutsch und Englisch im Schlepptau unterwegs und machen auf sich aufmerksam. Nähert sich ein Interessent, bieten sie ihm einen Koran kostenlos an und es folgt eine Konversation, die fast immer darauf hinausläuft, den "wahren und einzig richtigen Islam" zu preisen. Interessenten sind aber - zumindest an diesem windigen Frühlingstag - eher Mangelware. Die meisten ignorieren die Männer, die ständig etwas auf Arabisch in sich hineinmurmeln. Die Frage, was sie mit der Aktion beabsichtigen, wird mit einem präpotenten Blick und einem Schweigen quittiert.


Salafistische Szene
Der heimische Verfassungsschutz beobachtet die Verteilaktion seit Jahren aufmerksam und kennt nach eigenen Angaben viele der handelnden Personen. Experten rechnen die "Lies!-Aktion" der salafistischen Szene zu. Der Salafismus in seiner dschihadistischen Ausprägung gilt als Nährboden für islamistischen Extremismus. An und für sich ist gegen eine Verteilung eines Gottesbuches nichts einzuwenden, doch in Zeiten, in denen die extremistische Terrormiliz "Islamischer Staat" unsere Sicherheit ständig mit Anschlägen in Europa und im Nahen Osten barbarisch bedroht, stellt sich die berechtigte Frage, welchen Zweck solcherlei Verteilungsaktionen haben. Ein generelles Verbot wurde diskutiert, bisher aber noch nicht umgesetzt. Die einen waren strikt dagegen, dass solche Aktionen genehmigt werden, die anderen sahen keine Möglichkeit eines Verbotes.

Verfassungsexperte Heinz Mayer erteilte einem solchen Verbot schon vor zwei Jahren eine Abfuhr - schließlich sei der Islam eine seit dem Jahr 1912 gesetzlich verankerte Religion in Österreich und keine Sekte. Dennoch sei die Angelegenheit wegen ihrer politischen Brisanz sicherlich in einer Grauzone anzusiedeln. "Die einzige Rechtsgrundlage, die mir einfällt, damit man die Koranverteilungen verbieten kann, wäre die Straßenverkehrsordnung wegen einer Verwendung zu verkehrsfremden Zwecken, aber das ist hier nicht der Fall", meinte Mayer. Die Veranstaltung falle unter das Versammlungsgesetz und sei anzeigepflichtig. Einschreiten müsse der Verfassungsschutz nur dann, wenn gegen andere Religionen gehetzt werde.

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-04-07 17:06:10
Letzte nderung am 2017-04-26 15:30:09



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