• vom 19.04.2017, 11:56 Uhr

Stadtpolitik


Biohof

Das Ende des Biohofs Polzer




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Von Christof Mackinger

  • Stadt Wien kündigt Vertrag - Familie des Bio-Pioniers Alfred Polzer im 22. Bezirk muss Grundstück räumen.

Biohof Polzer Puk in der Lobau soll in Zukunft von der Kleinen Stadtfarm betrieben werden. - © Mackinger

Biohof Polzer Puk in der Lobau soll in Zukunft von der Kleinen Stadtfarm betrieben werden. © Mackinger

Polzers Nachfahren: Gabi und Günther Sen. Puk schalten Juristen ein.

Polzers Nachfahren: Gabi und Günther Sen. Puk schalten Juristen ein. Polzers Nachfahren: Gabi und Günther Sen. Puk schalten Juristen ein.

Wien. Eigentlich ein Idyll am Wiener Stadtrand. Doch seit Kurzem weht ein rauher Wind am Biohof Polzer. Denn die Gemeinde Wien hat den dort wohnhaften Nachfahren des Bio-Pioniers Alfred Polzer im Jänner den Nutzungsvertrag gekündigt. Die Familie soll nun bis Mitte April das Gut räumen. Diese wehrt sich und erhebt Einspruch.

Zur Vorgeschichte: Alfred Polzer erlangte in den 1970er Jahren Berühmtheit als Vorreiter des biologischen Landbaus in Wien. Er fand dazu eher zufällig, fast schon tragisch: Im Zuge der Einbringung von Insektiziden in seinem Glashaus erlitt der damals 34-jährige Bauer eine Vergiftung. Er brach aufgrund des mangelhaften Schutzes durch seinen Atemfilter im Spritzmittel-Nebel zusammen. Polzer überlebte nur knapp. Der Unfall prägte ihn aber nachhaltig: Er beschloss Gemüseanbau gänzlich ohne Spritzmittel zu versuchen und war damit einer der ersten in Österreich.


Adresse Alfred-Polzer-Weg
Im Jahr 2014 beschloss sogar der Gemeinderat, dass am Rande der Lobau, im 22. Bezirk, eine kleine Straße dem Wiener Bio-Pionier gewidmet sein soll. Seitdem haben einige der Einfamilienhäuser nahe dem Schillwasser die Adresse Alfred-Polzer-Weg.

"Seit den fünfziger Jahren haben die Großeltern hier gelebt" erzählt Polzers Enkelsohn, Günther Puk Junior, an diesem sonnigen Nachmittag in der Stube des Wohnhauses. "Der Opa war dann aber verschuldet und hat im besten Gewissen mit der Gemeinde etwas ausverhandelt, was uns jetzt leider auf den Kopf fällt."

Alfred Polzer, mittlerweile verstorben, hat den Hof der Gemeinde Wien überlassen. Er wurde abgelöst und hat dafür einen Prekariumsvertrag von der Stadt Wien erhalten. Das bedeutet, dass er den Hof nutzen darf, die Stadt aber das Nutzungsrecht entziehen kann. Ein Prekarium kann vom Eigentümer, also der Gemeinde Wien, jederzeit ohne Angabe von Gründen beendet werden.

Bis heute belebt die Familie Puk den idyllischen, mehrere Hektar umfassenden Hof - bis vor Kurzem noch in vier Generationen. "Weil niemand weiß, wie’s weitergeht, haben wir schnell für die Oma einen Heimplatz besorgen müssen." Noch wohnen die Tochter der Polzers, Gabi, ihr Ehemann Günther Senior, deren Sohn, Ehefrau Bianca und Enkelkinder das Haus der Großeltern. Erstere treiben Landwirtschaft und verkaufen im Hofladen selbst Angebautes und andere lokale Produkte. Gleichzeitig haben sich auf ungenutzten Flächen im Umfeld des Hofs eine Vielzahl von gemeinschaftlich arbeitenden Landwirtschaftsinitiativen angesiedelt.

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Dokument erstellt am 2017-04-19 12:00:09



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