• vom 13.08.2017, 12:03 Uhr

Stadtpolitik

Update: 13.08.2017, 16:01 Uhr

Airbnb

Doch nicht so privat




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Von Valentine Auer und Benjamin Storck

  • Die "Wiener Zeitung" wirft einen Blick auf die 8773 Airbnb-Inserate in Wien.







Wien. Urlaubszeit. Die Suche nach einer geeigneten Unterkunft hat wohl schon früher begonnen. Für viele mit Hilfe der Vermietungsplattform Airbnb. Hier klappt es oft günstiger, scheinbar authentischer und einfacher, an die passende Unterkunft für den Urlaub zu kommen - und das Label "Shared Economy" lässt Airbnb auch noch als sozial verantwortlich und ressourcenschonendes Unternehmen erscheinen.

Auch in Wien werden immer mehr Unterkünfte mit Hilfe der Plattform Airbnb vermietet. Die Stadt Wien reagierte bereits vergangenen Herbst darauf und änderte Anfang des Jahres das Tourismusförderungsgesetz. Derzeit befindet sich die Stadt Wien mit Vermietungsplattformen wie Airbnb in Verhandlungen. Seitdem wird viel über Pro und Contra diskutiert. Die "Wiener Zeitung" fügt der Debatte nun Zahlen hinzu.

Information

Weitere Informationen: Die Analyse basiert auf den Daten des Autors und "Sharing Economy"-Kritikers Tom Slee, der aktuelle Daten für Städte weltweit auf seiner Website zur Verfügung stellt: http://tomslee.net

Rechtliche Bestimmungen zur Zimmervermietung über Airbnb & Co kurz zusammengefasst finden sich unter: https://www.wien.gv.at/arbeit-
wirtschaft/privat-vermieten.html

67 Prozent "ganze Unterkünfte"

8773. Das ist die Zahl der Inserate, die in Wien derzeit - konkret mit dem Stichtag 26. Juni 2017 - auf Airbnb angeboten werden. Inserate, die Touristen ein einzigartiges Erlebnis, einen Aufenthalt bei und mit Locals ermöglichen? Wohl kaum. Zumindest wird es immer weniger so genutzt. 5907 bzw. 67,3 Prozent aller Inserate in Wien sind nämlich ganze Unterkünfte. Also Wohnungen, die temporär oder dauerhaft leer stehen, sei es, um höhere Erträge als mit einer klassischen Vermietung zu erzielen, oder aufgrund längerer Abwesenheit der Vermieter.

Beim Rest der Inserate handelt es sich um Privatzimmer (31,6 Prozent) in einer Unterkunft. Kaum inseriert werden Zimmer, die mit anderen Menschen geteilt werden (in Wien sind es 91 oder 1,1 Prozent). Noch vor zwei Jahren - im Juli 2015 - gab es in Wien 5274 Inserate. Auch damals war der Großteil als ganze Unterkunft inseriert.

8773 Inserate bedeuten jedoch nicht eben so viele Wohneinheiten, da manche Unterkünfte mit unterschiedlichen Belegungsmöglichkeiten öfters inseriert werden.

Nach den Recherchen der "Wiener Zeitung" beläuft sich die Fehlerquote auf etwa 15 Prozent. Das würde rund 7450 Unterkünften entsprechen. Eine Zahl, die sich ungefähr mit jener der Stadt Wien deckt. Laut Klemens Himpele, Leiter der MA23 (Wirtschaft, Arbeit und Statistik) und Teil der Wiener Arbeitsgruppe "Sharing Economy", bewegt sich die Zahl der Unterkünfte auf Plattformen wie Airbnb, Wimdu oder 9flats zwischen 7000 und 8000 - je nach Saison: "Bis jetzt gingen wir von rund 450 Hotels und Pensionen in Wien aus. Durch die neuen Vermietungsplattformen haben wir zwischen 7000 und 8000 Unterkünfte. Nun stellt sich die Frage, wie wir an diese Vermieter rankommen", erklärt Himpele der "Wiener Zeitung".

"Es gibt keinen Graubereich"

Aus diesem Grund führt die Stadt Wien derzeit Verhandlungen mit den verschiedenen Plattformen. Denn alle Vermieter sind verpflichtet, Ortstaxe abzuliefern und die Gäste zu melden. Himpele schätzt, dass Wien derzeit durch Airbnb & Co rund eine halbe Million Euro Ortstaxe entgeht. Um dem entgegenzuwirken, wurde im Februar das Wiener Tourismusförderungsgesetz geändert. Das Ziel: Entweder die Plattformen übermitteln die Daten der Vermieter oder sie finden eine andere Lösung, um die Einhebung der Ortstaxe sicherzustellen.

In diesem Zusammenhang betont Himpele, dass es bei der Zimmervermietung über Plattformen wie Airbnb keineswegs gesetzliche Grauzonen gibt, wie medial oft vermittelt wird. Die Probleme liegen allein in der Durchführung und dem Fehlen der Daten: "Es wird immer von diesem Graubereich gesprochen. Ich verstehe nicht, was die Leute damit meinen. Es gibt keinen Graubereich, die Gesetzeslage ist sehr klar. Wir haben kein Gesetzgebungsproblem, sondern ein Durchsetzungsproblem, ein Vollzugsproblem. Der Schlüssel sind daher die Daten", so Himpele.

Manche dieser Daten hat die Stadt Wien bereits. Einige Vermieter der Plattformen haben sich selbst gemeldet. Wie viele das sind, wollte Himpele nicht verraten. Allerdings: "Es gibt ein großes Delta zwischen der Zahl, die wir haben, und der Zahl der gefundenen Inserate", so Himpele. Ein Delta, das sich zuletzt deutlich verkleinert habe, aber nach wie vor groß sei.

Falls eine Übereinkunft über die Ortstaxe mit Airbnb zustande kommt, werde die Stadt Wien laut Himpele aggregierte Daten zwecks Nachvollziehbarkeit verlangen. Damit wäre jedoch nicht prüfbar, ob Gastgeber der Meldepflicht statistischer Daten oder Führung eines Gästeverzeichnisses nachkommen.

Ein Viertel von "Gewerblichen"

Aber wer sind diese Vermieter? Die Rechercheergebnisse der "Wiener Zeitung" zeigen, dass es trotz der 8715 Inserate, nur 6214 "Gastgeber" gibt. So bezeichnet Airbnb - immer auf die Authentizität achtend - die Vermieter. Manche Gastgeber bieten also mehr als eine Unterkunft an, wenn auch der Prozentanteil gering ist: 84,3 Prozent der Gastgeber, die auf Airbnb inserieren, bieten nur eine Unterkunft an.

Die deutliche Mehrheit der Inserate scheint also von Personen zu sein, die eine Unterkunft - vielleicht sogar die eigene - vermieten. Vielleicht, weil ein Zimmer in der WG gerade leer steht, weil man selber eine Zeit lang nicht in Wien lebt oder das Kinderzimmer nicht mehr gebraucht wird. So auch das Bild, das Airbnb vermitteln will. So auch die Zahlen, die Airbnb vereinzelt veröffentlicht.




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Schlagwörter

Airbnb, Wohnungen

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Dokument erstellt am 2017-08-11 17:15:11
Letzte Änderung am 2017-08-13 16:01:33


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