• vom 16.10.2017, 19:05 Uhr

Stadtpolitik

Update: 16.10.2017, 20:21 Uhr

Nationalratswahl

Bei Wahlen ist Stadt-Land kein Spiel




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Von Reinhard Göweil

  • Angst vor der Zukunft und vor Fremden sind in Städten geringer - beide beeinflussen das Wahlergebnis.

Quelle: Getty/Art-Y

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Wien/Linz/Graz. Das Wahlergebnis von Wien, aber auch der anderen beiden großen Ballungszentren, Linz und Graz, unterschied sich wieder signifikant vom Rest Österreichs. In den drei größten Städten leben 2,4 Millionen Menschen, davon fast 1,9 Millionen allein in Wien. In allen drei Städten legte die SPÖ deutlich zu, aber auch die Liste Pilz. Auch die Volkspartei konnte schöne Gewinne dort verbuchen, aber von einer deutlich niedrigeren Basis aus. Die Zuwächse der FPÖ dagegen waren nur etwa halb so stark wie im österreichischen Gesamtergebnis (siehe Grafiken).

Das Stadt-Land-Gefälle ist keine neue Erscheinung, tritt aber doch immer stärker in Erscheinung, bei Wahlen, der Bevölkerungsentwicklung oder der wirtschaftlichen Dynamik. Letztere etwa fehlt in den ländlichen Regionen oftmals, was für Raumordnungsexperten wie Heinz Fassmann ein wesentlicher sozioökonomischer Faktor ist. Es gilt, Arbeitsplätze auch in entlegeneren Gebieten zu schaffen, doch dies würde einzelne Bürgermeister schlicht überfordern.

FPÖ-Erfolg im Abwanderungsland Kärnten
"Am Land ist der Zukunftspessimismus größer", sagte Günter Ogris, Chef des Sozialforschungsinstitutes Sora, das auch die Wahlanalysen für den ORF macht. "Die Kinder haben weniger Chancen, was naturgemäß zu Abwanderung führt." Eine Angst-Spirale nach unten sozusagen. Als Beispiel wird Kärnten genannt. Das Bundesland leidet an den Bevölkerungsverlusten, die durch Abwanderung entstehen. Bei der Nationalratswahl konnte sich dort die FPÖ fast verdoppeln, und wurde mit mehr als 33 Prozent stärkste Partei. Wenige Tage vor der Wahl wurde bekannt, dass die Anklage gegen deren früheren Spitzenfunktionär Uwe Scheuch rechtskräftig ist.

"Am Land gibt es auch Ängste, was alles passieren könnte, die es in der Stadt so nicht gibt", sagte Ogris. So steht der innerstädtische Bahnhof "Praterstern" außerhalb Wiens als Synonym für einen gefährlichen Platz - viel stärker als in Wien selbst.

"Die Angst vor Fremden ist dort größer, wo es keine gibt", resümiert Ogris. Die Bewohner von Städten gehen demnach, wenn nicht freundlicher so doch selbstverständlicher, mit einer multikulturellen Umgebung um. Nun kann sich eine Partei wie die SPÖ fragen, warum sie keine Antworten auf derartige "Phantom-Ängsten" hat.

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-10-16 19:09:07
Letzte Änderung am 2017-10-16 20:21:46



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